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Wochenschau, Folge 60

Pakistanische Armee bei der traditionellen Stechschritt-
Entspannungsübung; im Hintergrund ein Troß Orthopäden

Militärparaden sind seit geraumer Zeit nicht mehr Usus im „deutschen Sprachraum“, jedenfalls ist unsereins schon ein gewisses Unverständnis daran anerzogen worden, woran sich die Russen, Chinesen, Nordkoreaner und ein paar andere regelmäßig erbauen. Das mag damit zu tun haben, dass „Patriotismus“ hier ein Begriff ist, der überkommen anmutet: wer einen Krieg „verliert“, muss eben wohl damit leben, dass er vom Überlegenen in seinen Ambitionen klein gehalten wird.

Hier jedenfalls ist indirekt die Rede davon, was der russische Generalstab vor ein paar Tagen mysteriös angedeutet hat: „Russische Armee bereit zu einem Großkrieg“. Es wird gerasselt und mit Muskeln gespielt, und wenn da die Schubskinder der SU und der EU, die Letten, eine ähnliche Show abziehen wollen, kann man sich eigentlich wirklich nur darüber belustigen. In diesem Sinne sind die also in der aktuellen Folge dran.
Hintergrund: Tatsächlich glorifiziert das EU-Mitglied Lettland offen seine NS-Vergangenheit. Vielleicht eine Art Identitätsfindung in Opposition zur russisch dominierten UdSSR-Zeit. Tatsächlich wird in Lettland die russische Sprache „abgeschafft“. Die diesbezüglichen Noten der russischen Diplomatie sind eigentlich in aller Ohren. Beim „Militarismus“ sind die Balten aber doch ziemlich schwachbrüstig, was sie nicht daran hindert, sich auch damit noch lächerlich zu machen.
In Ägypten wurde der zweite Jahrestag der Revolution ausgiebig gefeiert. Und zwar mit den schon traditionell gewordenen Versuchen, Präsidentenpalast und Innenministerium zu erstürmen. Tausende Demonstranten fordern die sofortige Amstsenthebung Mohammed Morsis und eine Auflösung des Parlaments. Büros der “Moslembrüder” und staatliche Einrichtungen wurden demoliert, und die unternehmenslustigen Ägypter nahmen von dort alles mit, was irgendwie von Wert ist. In Zusammenstößen mit der Polizei sind rund dreißig Menschen ums Leben gekommen, einige hundert wurden verletzt. Zusätzliche Armeeeinheiten wurden nach Suez verlegt. Präsident Morsi hat vorsorglich das Land verlassen und rief seine Landsleute von Äthiopien aus dazu auf, die öffentliche Ordnung zu wahren.
Durch eine Entscheidung eines ägyptischen Gerichts wurde weiteres Öl ins Feuer gegossen. 20 Fussballfanatiker wurden zum Tode durch Erhängen verurteilt. Noch nirgends auf der Welt hatten es Hooligans mit einer solch strengen Verurteilung zu tun. Zur Erinnerung, der Grund für die harte Strafe ist die Randale bei einem Fussballspiel im vergangenen Jahr in Port Said. Infolge einer Massenschlägerei waren dort mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Die nunmehr mit dem Richterspruch unzufriedenen Ägypter gingen auf die Straßen und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, was nur zu weiteren Toten führte.
Die Lage in Ägypten ruft inzwischen weder Verwunderung, noch Belustigung, noch überhaupt irgendwelche Emotionen hervor. Es gibt keinen Zweifel daran, dass auch der dritte, vierte und alle folgenden Jahrestage der befreienden Revolution nach diesem Muster ablaufen werden. Hierbei darf man nicht vergessen, wer hinter dieser und auch anderen Revolutionen stand und immer fleißig Öl ins Feuer goß. Das sind jene, welche jetzt versuchen, sich elegant aus der Affäre zu ziehen.
Die aus ihrem Amt scheidende Chefin des US State Department, Hillary Clinton, wird sich wohl kaum irgendwo zu verantworten haben, für all die Fehler, welche zur Ursache des Todes unzähliger Menschen in den verschiedensten Teilen der Welt wurden.
Diese Woche hatte sie dem Senat Rede und Antwort zu stehen, doch aus diesem Auftritt machte sie eine in Erinnerung bleibende Show, ohne in der Sache Antworten zu liefern – nämlich, warum das State Department nicht auf die Signale des US-Botschafters in Libyen, Chris Stevens, reagiert hatte, in denen dieser deutlich machte, dass er bedroht werde; oder warum das State Department zwei Wochen dafür gebraucht hatte anzuerkennen, dass das ein geplanter terroristischer Angriff und nicht etwa affektives Handeln gewesen sei. Auf die direkten Fragen der Senatoren hämmerte Clinton mit der Faust auf den Tisch, ließ Tränen blicken und sprach vom Patriotismus der “einfachen amerikanischen Jungs”, alles in den übelsten Hollywood-Traditionen.
Hillary Clinton:

Was macht das an dieser Stelle für einen Unterschied? Fakt ist, dass vier Amerikaner ums Leben gekommen sind; wer sie umgebracht hat, ist nun schon nicht mehr so wichtig – ob es Demonstranten oder Terroristen waren.

Und damit hat sie sich tatsächlich herausgeredet. Es ist nicht gelungen, Clinton in die Enge zu treiben, dafür wird sie mit ihrer hohlen, aber flammenden Rede wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Manche sind sogar der Meinung, dies sei der Auftakt für eine große politische Karriere gewesen, denn in lediglich vier Jahren sind in den USA die nächsten Präsidentschaftswahlen, bei denen ein Kandidat der “Falken” mit etwas politischer Erfahrung durchaus gefragt sein könnte.

Im schweren Schritt des Militarismus

Russland setzt die größten Militärmanöver seiner jüngeren Geschichte im Mittelmeer fort. In Nordossetien begannen auf dem Truppenübungsplatz Darjal Übungen von Aufklärungseinheiten des Südlichen Militärbezirks.
In einem anderen Teil des Landes, im Östlichen Militärbezirk, liefen auf Truppenübungsplätzen in den Regionen Primorje und Transbaikalien, in den Bezirken Sachalin und Amursk, ebenso Übungen von Aufklärungseinheiten. Strategische Bomber vom Typ TU-95MS, die am 23. Januar vom Luftwaffenstützpunkt der Stadt Engels gestartet waren, haben ihre Übungsaufgaben im Rahmen einer strategischen Verzögerung erfolgreich absolviert. Die russischen Streitkräfte werden mit neuester Militärtechnik ausgestattet.
All das ruft tiefe Besorgnis unter den westlichen “Partnern” Russlands hervor. Besonders unter den europäischen Staaten, die im Brennpunkt eines hypothetischen russischen Angriffs stehen. Doch auch diese Staaten verlieren nicht das Vorhandensein von Mut und setzen der russischen Militärclique grandiose Militärparaden entgegen. Folgende nicht allzu hastige Aktion lief beispielsweise unlängst in Lettland:
Hier sehen wir, wie der Kommandeur der Parade herankommt… mit einem Säbel.
In weißer Tarnkleidung marschieren unsere Grenzsoldaten. So seltsam das auch ist, mit Kalaschnikows.
Danach kommen zwei Mercedes-Lastkraftwagen, auf deren Pritsche sich Soldaten der lettischen Armee aufgebaut haben.
Und da ist sie, die mächtige Artillerie. Danach kommt noch eine Brigade Fahnenträger, und hinterher kommt schon die mächtige, gewaltige Militärtechnik. Gewaltige schwedische Lastkraftwagen mit einem MG-Stand auf dem Dach.
Und wiederum zwei mächtige Mercedes-Lkws. … Ganz offenbar von der Marine, denn sie ziehen Wasserfahrzeuge hinter sich her.
Und wiederum…. wiederum sehen wir die Technik der Küstenwache. Über die Sicherheit unserer Küsten können wir beruhigt sein.
Quads, und auf ihnen unsere Grenzer. Kein einziger Grenzübertreter kann überhaupt ungestraft unsere Grenzen überqueren. Er wird von einem der schnellen Quads ereilt werden.
Nun, wir haben auch drei Panzer. Die kommen aber nicht hier durch, sonst würden sie den Asphalt beschädigen. Außerdem haben wir einen der Panzer offensichtlich den Esten geliehen, zur zeitweiligen Verwendung…

Nach Abschaffung der russischen Sprache und Aufmärschen von Helden aus Zeiten des faschistischen Deutschlands hat die lettische Führung beschlossen, Russland den Krieg zu erklären und Truppen auf russisches Gebiet vorrücken zu lassen. Vier Personen greifen von Kamtschatka aus an, drei aus Richtung des Schwarzen Meeres. Fünf nehmen die kasachische Staatsbürgerschaft an und fallen von Süden aus ein. Präsident Andris Bērziņš und seine Minister führen einen unerwarteten Schlag von Osten. Zwei Kämpfer der Sondereinheiten umsegeln die Welt und greifen, über die USA kommend, Wladiwostok an. Auf diese Weise wird nach Meinung der lettischen Führung die Russische Föderation umstellt sein, so dass die Taktik der Letten diesmal funktionieren wird.

“Wenn der Atomschlag euch ereilt…”

Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr morgens in der Zeitung einen Aufruf der Regierung lest, eure Keller zu befestigen, Lebensmittelvorräte anzulegen und euch auf einen Atomschlag vorzubereiten? Einen solchen Aufruf bekamen letztens die Bewohner der indischen Kaschmir-Provinz von der Verwaltung der Bürgerwehr:

Es ist angesagt, einen Zufluchtsort einzurichten, in welchem die gesamte Familie zwei Wochen lang überleben kann. Die Lebensmittel- und Wasservorräte sollten regelmäßig aufgefüllt werden. Bevorratet euch mit Kerzen und Taschenlampen mit Batterien. Wenn der Atomschlag euch in offenem Gelände ereilt, legt euch unverzüglich nieder und verbleibt in dieser Lage. Wartet ab, bis die Druckwelle vorüber ist und keine Trümmerteile mehr fallen. Wenn die Druckwelle euch nicht innerhalb von 5 Sekunden trifft, so heißt das, dass ihr weit genug vom Epizentrum der Explosion entfernt seid.

Grund für die Befürchtungen lieferte natürlich das benachbarte, atomar bewaffnete und Indien durchaus nicht allzu freundlich gesinnte Pakistan. Anfang des Jahres kam es zu einem Konflikt, in dessen Verlauf zwei indische und drei pakistanische Soldaten ums Leben kamen. Die beiden Atommächte können sich bezüglich der Aufteilung des Territoriums immer noch nicht einigen. Nicht zu vergessen, vor gar nicht so langer Zeit, nämlich 2002, ist diese Region nur knapp einer atomaren Feuersbrunst entgangen. Damals hatten beide Seiten um die 500.000 Armeeangehörige an den Grenzen zusammengezogen, und allein durch Schusswechsel sind mehr als 1.000 Menschen ums Leben gekommen. Einzig durch Vermittler ist es gelungen, einen weiteren indisch-pakistanischen Grenzkrieg zu verhindern: die USA verhandelten mit Pakistan, Russland mit Indien.
Nunmehr gibt es in Pakistan eine recht präkere Lage. Erstens ist die Wirtschaft in einem jämmerlichen Zustand, und es ist nicht so einfach, die fast 200 Millionen Menschen des Landes zu ernähren. Zweitens befindet sich der Staat vor der Gefahr eines neuerlichen Umsturzes. Zehntausende Prostestler gingen unter der Führung des islamischen Glaubenslehrers Tahir Kadri in Islamabad auf die Straßen und forderten einen Wechsel der politischen Führung des Landes.
Im Mai gibt es in Pakistan Parlamentschaftswahlen. Zu diesem Zeitpunkt soll die Krise ihren Höhepunkt erreicht haben. In diesem Zusammenhang sind die an die Inder ergangene Aufrufe, sich Zufluchtorte zu graben, offensichtlich durchaus nicht aus der Luft gegriffen.

EU marschiert

Hierzulande ist man gezwungen, seine Nazisympathien auf solche Spielereien wie „Call of Duty“ zu beschränken, während die Sparmaßnahmen der Bundesregierung dazu führen, dass die V-Leute aus der NPD abgezogen werden, damit diese Partei endlich verboten werden kann. Schätzungsweise wird die NPD nach Abzug der V-Leute von allein in sich zusammenbrechen, es stellt sich nur die Frage: wer wird der neue Buhmann der NationBevölkerung? Die „Al Kaida für Arme“, die sogenannte NSU, wird als Feindbild und Bildner der öffentlichen Meinung wahrscheinlich nicht mehr lange herhalten können, es sei denn, es geschehen noch ein paar Undinge, die man unter diesem Label platziert.
Erfrischend anders ist die Lage im EU-Mitglied Lettland, das sich seit geraumer Zeit mit Identitätsfindung beschäftigt. Die ältere Geschichte dieses Landes gibt nicht allzu viel Eigenständiges her: Deutscher Orden, Polen-Litauen, Schweden, Russland. 1918 – zu Beginn auf den Segen Lenins – bis 1940 war Lettland unabhängig, wonach es ein knappes Jahr als Sowjetrepublik existierte, bevor es im Juni 1941 vollständig von der Wehrmacht besetzt wurde.
Nach der offiziellen lettischen Lesart beginnt hier die Zeit der Glorie des Landes. Am 11. März dieses Jahres fand in den Schulen landesweit der sogenannte „Patriotismus-Unterricht“ statt. Das Datum ist kein Zufall: es wurde im Zuge der anstehenden Feierlichkeiten des Gedenktags der Lettischen SS-Freiwilligenlegion gewählt, welcher am 16. März begangen wird.

Das deutsche Oberkommando nahm die lettischen Freiwilligen 1943 in die Reihen der SS auf, nachdem Stalingrad verloren war. Das war die Geburtsstunde der lettischen SS-Freiwilligenlegion; sie bestand aus der 15. und 19. Waffengrenadier-Division der SS. Das Korps sollte wenigstens teilweise den „Personalmangel“ bei der Heeresgruppe Nord kompensieren. 

Die Divisionen waren u.a. an Vergeltungsaktionen gegen sowjetische Partisanen bei Pskow beteiligt. 1944 wehrten sie lange Zeit Vorstöße der Roten Armee unter Leningrad ab. Der 16. März markiert den Zeitpunkt der ersten Kampfhandlungen zwischen der lettischen SS-Division und der Roten Armee und ist heute in Lettland ein (inoffizieller) Feiertag. Dem Charakter nach war die Legion also durchaus nicht Verteidiger ihres Vaterlandes. 

Die 15. Waffengrenadier-Division der SS wurde im April 1945 zerschlagen, die 19. Division kapitulierte im Mai im Kurland-Kessel.

Im „Patriotismus-Unterricht“ wurde den Schülern vermittelt, wie die lettischen Legionäre zusammen mit der deutschen Waffen-SS brüderlich für Freiheit und Demokratie gekämpft haben. In vielen Schulen lief dieser Unterricht anschaulich mit einer Menge an gut gepflegten und sorgfältig bewahrten Exponaten ab: Waffen, Uniformen, persönlichen Gegenständen der Legionäre. Kurzum, die Schaffung eines Heldenmythos im Sinne einer nationalen Identität. Und noch einmal zur Erinnerung: Lettland ist seit 2004 EU-Mitglied.
Und hier die Rosine dieser Nachricht, Fotos vom „Patriotismus-Unterricht“ am 11. März 2011. Wessen Herz schlägt da nicht höher, oder tiefer, oder linker oder rechter? (Alle Fotos: Subchankulow / ITAR-TASS)
Patriotismus-Unterricht in einer lettischen Schule: besser als Computerspiele
Patriotismus-Unterricht in einer lettischen Schule: „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.“
Patriotismus-Unterricht in einer lettischen Schule: neue Helden
Patriotismus-Unterricht in einer lettischen Schule: Ahnenerbe 
Patriotismus-Unterricht in einer lettischen Schule: für jeden Topf der passende Deckel 
Patriotismus-Unterricht in einer lettischen Schule: keine weichgespülten Dichter und Denker 
Patriotismus-Unterricht in einer lettischen Schule: Mama, darf ich spielen? 
Patriotismus-Unterricht in einer lettischen Schule: abdrücken, bis das Magazin leer ist