Beiträge mit Tag ‘mali’

Wochenschau, Folge 61

Zu Mali ein kleines Vorwort. Diverse Outlets berichten von französischen Bombardements gewisser “Trainingslager” der Islamisten in Tessalit, nahe der Grenze zu Algerien. Dazu liest man, dass die Franzosen zwar den Flughafen in Kidal kontrollieren, die Stadt aber in der Hand der Tuareg, d.h. der MNLA sei.
Auf diese Weise ist die Visite Hollandes, bei der er – ähnlich wie einst George Bush auf dem Flugzeugträger – den Sieg verkündete und meinte, die französischen Soldaten können bald wieder nach Hause, eigentlich nur ein Dunstvorhang vor dem Fakt, dass das Vorrücken der “Koalitionsstreitkräfte” durchaus noch nicht abgeschlossen ist. Mehr noch, die Perspektiven der weiteren Entwicklung sind immer noch irgendwie unklar.
Klar ist bislang nur, dass das nicht nach einem Ende des Kriegs aussieht. Freilich hat der Quasipräsident von Mali sich für Verhandlungen mit der MNLA ausgesprochen, was eine gewisse Hoffnung birgt. Wenn die MNLA dem, wie angekündigt, folgt, und es zumindest einen Waffenstillstand gibt, kann sich die Lage durchaus auch früher beruhigen.



Das zentrale Ereignis der vergangenen Woche war wohl der geheimnisvolle Angriff der israelischen Luftwaffe auf Syrien. In der Nacht zum 31. Januar drangen israelische Militärflugzeuge von Libanon aus im Tiefflug auf syrisches Territorium vor und griffen ein militärisches Forschungszentrum in einem der Vororte von Damaskus an. 2 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, weitere 5 wurden verletzt. – Soweit die offizielle Version der syrischen Regierung. Allerdings hat Israel, gleichwie die USA, den Vorfall auf keinerlei Weise kommentiert. Aus inoffiziellen, angeblich israelischen Diplomatenkreisen hieß es, dass der Angriff nicht einem Forschungszentrum, sondern einer syrischen militärischen Fahrzeugkolonne galt, die sich mit russischer Waffentechnik in Richtung Libanon bewegte. Die syrische Regierung streitet diese Version ab.

Dass dieser Angriff stattgefunden hat und er von den Israelis durchgeführt wurde – daran besteht kein Zweifel. Das ist auch durchaus nicht die erste vergleichbare Militäroperation. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Israel durchaus dazu in der Lage ist, die Verurteilungen der Weltöffentlichkeit über sich ergehen zu lassen, solange es nur seine Ziele erreicht. – Und in diesem speziellen Fall wird niemand groß verurteilen. Die wichtigste Frage ist also, was genau zerstört worden ist und weshalb.
Es gibt bereits eine Menge an Versionen zu dem Vorfall, die man weder bestätigen noch widerlegen kann. Eine prosaische Variante lautet, dass man tatsächlich ein Labor mit Vorräten an Chemiewaffen zerstört habe. Und das nicht etwa, weil man deren Anwendung durch Assad fürchtete, sondern die Gefahr bestand, dass sie in die Hände der Rebellen fallen. Die Terroristen hatten kurz zuvor Angriffe gegen dieses Labor gestartet. Für diese Variante sprechen die häufigen Erklärungen israelischer Offizieller, dass die syrischen Chemiewaffen eine Bedrohung darstellen und man entschlossen sei, gegen diese Bedrohung mit allen, also auch mit militärischen Mitteln vorzugehen.
Es braucht keine große Phantasie dazu, sich vorstellen zu können, wozu die sogenannten Rebellen fähig sind, würden ihnen Chemiewaffen in die Hände fallen. Eine weitere schlimme Nachricht der Woche nämlich kam aus Aleppo, wo man mehr als 60 hingerichtete Zivilisten fand. Sie alle wurden von den Rebellen brutal ermordet, da man sie der Loyalität zur Regierung Assad verdächtigte. Es war klar, dass der Westen die Schuld für dieses Verbrechen automatisch der syrischen Regierung zuschob.
Dies nun sind schon andere Bilder – die sogenannten Freiheitskämpfer beschießen ein ziviles Verkehrsflugzeug beim Landeanflug. Und laden die Aufnahmen auch noch selbst ins Internet hoch.
Es ist erstaunlich, dass man bislang noch nicht gehört hat, Assad selbst habe sein eigenes Forschungslabor zerbombt.
Nach einer etwas verschwörerischen Version soll Israel eine Fahrzeugkolonne mit chemischen Waffen zerstört haben, die aus dem Libanon kommend für die Rebellenbanden bestimmt war. Faktisch hätte Israel damit Assad geholfen und sich davon leiten lassen, dass besser ein “schlechter Assad” am Steuer sitzt als hirnverbrannte Salafiten.
Welches Ziel auch immer die israelische Luftwaffe verfolgt hat – die militärische Aggression ist ein unbestreitbarer Fakt. Syrien beschwerte sich bei der UNO, auch Russland hat den israelischen Angriff verurteilt. Doch die Sache wird wohl kaum weiter vorankommen, selbst ungeachtet der Versprechen des Iran, für den Überfall auf Syrien Rache zu üben. Beobachter merken an, dass Elemente der israelischen Luftverteidigung “Iron Dome” an die syrische Grenze verlegt werden. Gleichzeitig sind die Patriot-Batterien in der Türkei in Stellung gegangen.
Es ist derzeit noch schwierig, Prognosen abzugeben. Der in sein Amt eingeführte US-Außenminister John Kerry hat bereits das Ziel seiner ersten Auslandsvisite bekannt gegeben – es ist Israel. Wir wollen aufmerksam sein, wie dieser Besuch ablaufen wird.

Schattengefechte

Ende der Woche kam Frankreichs Präsident Hollande in Mali an. In der letzten Zeit konnten die Franzosen die Islamisten zu einem guten Teil zurückdrängen und so Kontrolle über wichtige Ortschaften erlangen. Hollande versicherte, dass die Franzosen schon in wenigen Wochen nach Hause zurückkehren können, da der Großteil der Arbeit bereits erledigt sei.
Freilich sollte Hollande seinen Optimismus etwas zügeln. Die Sache ist die, dass man die Militärerfolge Frankreichs durchaus differenziert betrachten muss. Die Islamisten haben die bestmögliche Taktik gewählt – sie haben die direkte Konfrontation weitestgehend vermieden und sich einfach in den Norden des Landes zurückgezogen. Deshalb hat die französische Luftwaffe auch die ganze Zeit erfolgreich Ortschaften mit Zivilbevölkerung bombardiert; — niemand versucht auch nur, die Zahl der Opfer zu ermitteln. Doch danach zu urteilen, dass selbst die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die normalerweise die Augen vor den militärischen Heldentaten des Westens verschließt, Alarm schlägt, ist die Zahl der Opfer bedeutend.
Außer alledem veranstaltet die Armee Malis in den “befreiten” Gebieten ihre Racheakte gegen alle, die der Zusammenarbeit mit den Islamisten verdächtigt werden. Araber und Tuareg werden gleichermaßen ohne viel Gerede vernichtet. All das legt natürlich fruchtbaren Boden für gegenseitigen Hass für lange Zeit. Es besteht also große Wahrscheinlichkeit, dass die Auseinandersetzungen nach dem Weggang der Franzosen von Neuem aufflammen.

Nicht alles Gold, was glänzt

Während die Finanzkrise ihren Lauf nimmt und das Vertrauen in die Währungen weiter schwindet, bekommt Gold einen immer größeren Stellenwert. In der letzten Zeit ist ein interessanter Trend zu beobachten – die Regierungen verschiedener Länder rufen ihre in den Lagern in den USA, Frankreichs und Großbritanniens deponierten Goldreserven zurück. Längere Zeit war von diesen Vorgängen die Rede, als seien es Hirngespinste, doch die Wahrheit hat die Zweifler letztendlich eingeholt.
Anfang des vergangenen Jahres hat Venezuela seine 160 Tonnen Gold nach Hause geholt. Hugo Chavez handelte weise. Erstens gibt es ja keinerlei Garantien dafür, dass die Hüter des Goldes, wie etwa die USA, das Gold in Ausnahmesituationen nicht zu ihrem Eigentum erklären und den rechtmäßigen Besitzer einfach enteignen. Zweitens gibt es ernsthafte Befürchtungen, dass das in Übersee gelagerte Gold überhaupt zurückgeführt werden kann. Die Goldreserven der Zentralbanken wurden schon so oft umverlagert, dass es durchaus schwer fallen kann, jetzt noch den eigentlichen Eigentümer zu bestimmen. Daher hat sich Venezuela in dieser Angelegenheit beeilt, und zum Glück sind dessen im Ausland gelagerte Goldreserven nicht allzu umfangreich.
In Folge bildete sich eine ganze Schlange – Ecuador, die Schweiz, Holland und als wichtigstes Land Deutschland. All diese Länder sprechen von ihrem Wunsch, ihr Gold heimzuholen.
Nur zur Information, das Gold wird beispielsweise in den USA gelagert, um so den Erwerb von Dollars möglich zu machen. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages hatten mehrfach versucht, ihre in London und Paris gelagerten Goldreserven einer Inspektion zu unterziehen, doch eine solche Möglichkeit wurde ihnen bisher immer verwehrt.
Der Chefredakteur von CNBC, John Carney, erklärt indes, dass es keinerlei Bedeutung habe, ob bei der Federal Reserve in New York tatsächlich Gold vorhanden ist oder ob die Lager mit Wolframriegeln angefüllt oder auch leer sind. — Seiner Meinung nach seien “das einzige, was Bedeutung hat, die Buchungseinträge bei der Federal Reserve, wo verzeichnet steht, wieviel Gold vorhanden ist”. Er sagte weiter, dass es nichts gibt, was man durch eine Inspektion der Goldvorräte an Erkenntnissen gewinnen könne. Wenn es dieses Gold nämlich wirklich gar nicht gibt, so könne das in einem Chaos münden.
In der Tat kann es zu unbeschreiblichem Chaos kommen, aus diesem Grunde handelt Deutschland auch sehr vorsichtig. Zum derzeitigen Zeitpunkt wird erklärt, dass das Land zum Jahr 2020 lediglich 50% der eigenen Goldvorräte im Lande beherbergen will. Dabei werden die Goldvorräte nur aus Frankreich komplett abgezogen, in New York sollen 37% davon verbleiben.
Ein interessantes Detail – nachdem Deutschland seine Absicht erklärt hat, all sein Gold aus Frankreich heimzuholen, schickte Hollande seine Truppen nach Mali. — Doch nicht etwa deshalb, weil dieses Land Afrikas drittgrößter Goldexporteur ist?

Gold und Silber lieb ich sehr,
könnt es auch gebrauchen,
hätt ich nur ein ganzes Meer, 
mich hinein zu tauchen;
‘s braucht ja nicht geprägt zu sein, 
hab´s auch so ganz gerne,
||: sei´s des Mondes Silberschein, 
sei´s das Gold der Sterne. :||
Doch viel schöner ist das Gold, 
das vom Lockenköpfchen
meines Liebchens niederrollt
in zwei blonden Zöpfchen.
Darum du, mein liebes Kind
laß uns herzen, küssen,
||: bis die Locken silbern sind 
und wir scheiden müssen. :||
Seht, wie blinkt der goldne Wein 
hier in meinem Becher;
horcht, wie klingt so silberrein 
froher Sang der Zecher!
Daß die Zeit einst golden war,
will ich nicht bestreiten,
||: denk’ ich doch im Silberhaar 
gern vergangner Zeiten. :||

Wochenschau, Folge 58

Die Serie geht weiter: 10 Minuten relativ kurzweiliger und zugänglich aufbereiteter Zusammenfassung der “welt”politischen Ereignisse der vergangenen Tage aus – und das sei nochmals betont – Sicht eines russischen Journalisten, der dieses Projekt betreibt. Auch hier ist – und das nun aber wirklich unabhängig von diesem Blog – die Rede von einer “geopolitischen Kehrtwende” der US-amerikanischen Politik. Am Ende der Folge geht es um den Krieg in Mali, den der Autor der Folge recht positiv oder zumindest nicht als “verbrecherisch” einzustufen scheint.
Die englische Fassung der Folge gibt es in Textform hier. Ich glaube, die Kollegen sind auf der Suche nach jemandem, der ihnen das auf Englisch vertonen kann. Falls jemand Interesse hat und dazu in der Lage ist, meldet euch einfach. Nun denn, Film ab. Text unter’m Cut.

Geopolitische Kehrtwende

Das zentrale Ereignis der ersten Wochen war in Syrien die Rede Baschar al-Assads. Assad begann mit einer Wendung, die er sich von Stalin abgeguckt haben muss, nämlich “Brüder und Schwestern”, und schaffte es, seine Zuhörer so in den Bann zu ziehen, dass diese ihn am Ende seines Auftritts beinahe erdrückt hatten.
Als Zeichen war diese Rede wichtig und wurde zur rechten Zeit gehalten. Von der praktischen Seite hat Assad seinen Gegnern wieder angeboten, sich an den Verhandlungstisch zu begeben. Alle, einschließlich des syrischen Präsidenten selbst, verstehen natürlich, dass es einfach niemanden gibt, mit dem man verhandeln könnte. Weshalb dann diese ins Leere gehende Aufforderung? Die Sache ist die, dass diese Worte durchaus von spürbaren Erfolgen der Regierungstruppen untermauert sind. Zusammengenommen heißt das Signal: die Regierung sitzt fest im Sattel und ist offen für Gespräche. Im diplomatischen Sinne also ein makelloser Zug.
Wir hatten bereits angemerkt, dass Obama nach seiner Wiederwahl die “syrische Frage” entweder grundlegend entscheiden oder den Rückwärtsgang einlegen wird. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass der wiedergewählte US-Präsident die zweite Variante vorzieht – die USA werden sich wohl kaum direkt militärisch in Syrien engagieren.
Auf eine Änderung des Kurses der US-Außenpolitik deuten auch die Kandidaten hin, welche von Obama für die entsprechenden Schlüsselpositionen vorgesehen sind. Es geht um John Kerry, welcher Hillary Clinton ablösen soll sowie um Chuck Hagel, den designierten US-Verteidigungsminister. Beide zeichnen sich durch ausgewogene Positionen zur Zukunft in Nahost aus und teilen nicht die bisherige menschenverachtende Politik der US-amerikanischen “Falken”. Beispielsweise hat die Führung des Iran die Kandidatur Hagels begrüßt, während Israel Zeter und Mordio schreit. Allein das ist eine treffliche Charakterisierung dieses Kandidaten.

Während Präsident Obama es immer wieder unterstreicht, dass man alle Optionen für das Verhindern einer Entwicklung von Atomwaffen durch den Iran in Betracht ziehen soll, ist Hagel davon überzeugt, dass eine Militärintervention keine zielführende Variante zur Lösung dieser Frage ist. Präsident Obama! Chuck Hagel ist keine zielführende Variante als Kandidat auf den Posten des Verteidigungsministers. (Quelle: www.commiteeforisrael.com)

Die Kandidaten stehen, sind allerdings noch nicht bestätigt. Daher sendet Baschar al-Assad ein deutliches Signal: wir sind durchaus zu einer diplomatischen Klärung aller Fragen bereit und können warten, bis ihr auf der anderen Seite des Ozeans eure politischen Intrigen abgewickelt habt und uns ein Angebot macht. Wir wollen nichts vorwegnehmen, aber es wäre sehr wünschenswert, wenn diese Version zuträfe.
Ein ebenso deutliches Signal sendet Russland. Ende Januar sollen unweit der syrischen Küste von ihrem Ausmaß bis dato beispiellose Marinemanöver unter Beteiligung von gleich vier russischen Flotten abgehalten werden. Zwischendurch sind auch Abstecher in die Häfen Griechenlands, Zyperns, und selbstverständlich ins syrische Tartus vorgesehen.
Übrigens wird ebenso Ende Januar Tom Donil, der US-amerikanische Berater für nationale Sicherheit, in Moskau erwartet. Er kommt in wichtiger Mission, und zwar in Vorbereitung einer geplanten Visite Barack Obamas nach Russland. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich im Verlauf der vergangenen Monate merklich abgekühlt, und Donil eilt, Putin darin zu versichern, dass die USA bereit sind, alle gewesenen Unstimmigkeiten zu vergessen und wieder Hände zu schütteln. Es ist bemerkenswert, dass der amerikanische Berater nach Moskau kommt und der amerikanische Präsident die kommende Visite initiiert und vorbereitet. Weshalb ist es so- und nicht andersherum?
Obamas neue Strategie sieht vor, die militärische Präsenz im Nahen Osten und in Zentralasien zurückzufahren und sich gleichzeitig stärker im Asiatisch-Pazifischen Raum aufzubauen. Die USA können es sich nicht mehr leisten, überall gleichzeitig präsent zu sein. Folglich muss man sich in erster Linie mit Russland absprechen, für das beispielsweise Zentralasien durchaus ein Interessensgebiet ist. Insofern ist die bevorstehende Visite Barack Obamas nach Russland wahrscheinlich der Notwendigkeit geschuldet, dass die beiden Präsidenten ihre jeweiligen Verantwortungssphären abstecken. Abmachungen unter Gentlemen erfolgen immer unter vier Augen. Obama ist derzeit wie nie zuvor bereit, Gentleman zu sein; schauen wir also mal, ob er sein Versprechen hält, nach den Wahlen “flexibler” zu sein.
Wenn jemand nun meint, die US-Führung habe aus in ihr plötzlich erwachten sentimentalen Gefühlen den Rückwärtsgang eingelegt, irrt sich freilich sehr. Es sind die Umstände, die sich derzeit so ungünstig gestalten, welche Anlaß geben, vorherige Positionen zu überdenken. Russland freilich sollte diese historische Chance nutzen, wenn man auch im Auge behalten sollte, dass neue Möglichkeiten auch neue Bedrohungen mit sich bringen.

Hallo mal wieder, Afghanistan

Die Zahl der in Afghanistan stationierten US-Streitkräfte ist im vergangenen Jahr stetig gesunken, und das wird auch so weitergehen. Im Jahr 2014 soll die Mission der internationalen Koalition beendet sein. Dabei schließt man in Washington die “Null-Variante”, bei der die derzeit 68.000 in Afghanistan stationierten US-amerikanischen Militärs das Territorium des Landes komplett verlassen, nicht aus. Das stellt für Russland eine gewaltige Herausforderung dar, denn in gewissem Sinne müsste dann russisches Militär diese Positionen einnehmen.
Dabei versucht Russland, diesen Zeitpunkt, so gut es geht, hinauszuzögern. Unlängst hieß es, dass die internationale Koalition nicht einfach so, zu jedem beliebigen Zeitpunkt, ihre Präsenz in Afghanistan aufgeben könne. Dafür bedürfe es eines entspechenden Mandats, ganz genau so, wie sie dieses Mandat bei Beginn ihrer Mission bekommen hatte.
Andererseits ist es klar, dass der Zeitpunkt des kompletten oder überwiegenden Rückzugs des ausländischen Militärs unvermeidlich kommen wird. Russland wird somit eine Menge an Problemen zu schultern haben. Im vergangenen Jahr sind in diesem Zusammenhang Schlüsselfragen geklärt worden – die Präsenz russischer Militärbasen in Tadschikistan und Kirgisien wurde gesichert. Es wird verstärkt an ihrer Modernisierung gearbeitet. Die Zusammenarbeit im Rahmen der OVKS – eines NATO-Analogons der GUS-Staaten – wird weiter ausgebaut.
Das russische Einverständnis mit dem NATO-Umschlagpunkt in Uljanowsk erfolgte aus genau der gleichen Überlegung. Für Russland ist es derzeit nicht von Vorteil, die Beziehungen zu den Ländern der Afghanistan-Koalition zu belasten, da es in naher Zukunft wohl zu einer engen Zusammenarbeit kommen muss. Eine kleine Anmerkung – ein Jahr nach der Hysterie über die vermeintliche “NATO-Basis” in Russland ist der Umschlagpunkt in Uljanowsk bis dato von keinem einzigen Flugzeug der westlichen Koalition angesteuert worden. Der Grund dafür ist banal – der Hauptexpediteur, das russische Unternehmen “Wolga-Dnjepr”, fordert für seine Leistungen derartige Summen, dass die westlichen “Partner” sich bisher nicht dazu überwinden konnten, diese Versorgungsroute zu aktivieren. Es hat aber auch niemand behauptet, dass es einfach werden wird.

Wie in alten Zeiten

In der vergangenen Woche ging eine Intrige, die bereits seit einem Jahr heranreifte, in die aktive Phase über. Frankreich hat endlich, mit Rückendeckung aus Deutschland, seine Militärintervention im afrikanischen Mali gestartet. Wir hatten diesem Thema in der Vergangeneit bereits einiges an Aufmerksamkeit gewidmet. Erinnern wir uns an das Wichtigste daraus.
Zu Problemen in Mali kam es nach dem Sturz Gaddafis. Es kam zu einem unkontrollierten Einstrom von Waffen und radikal eingestellten Islamisten. Gleichzeitig gab es keine Subventionszahlungen an die ortsansässigen Stämme mehr, die der Oberst vorbildlich geleistet hatte, um an seinen Grenzen Ruhe zu haben. Als Folge kam es zu einer akuten Verschlechterung der Lage, die sich zu einer Rebellion von Islamisten auswuchs. Dabei zeigte sich die Armee in Mali aufgrund fehlender Finanzierung derart desorganisiert, dass sie den Glaubenskriegern das riesige Territorium Nord-Malis praktisch kampflos ausgeliefert hat.
Die Islamisten setzten sich in den eroberten Ortschaften fest und gingen munter daran, ihr Schariat zu errichten. Der Norden Malis ist ein Knotenpunkt des internationalen Drogenschmuggels, beispielsweise geht Kokain kolumbianischen Ursprungs hier durch weiter in Richtung Europa. Gleichzeitig setzte sich hier AQIM, die “Al-Kaida im islamischen Maghreb” fest. Alles das lief mehr oder weniger widerstandslos im Verlauf eines Jahres ab. Frankreich war zwar sogleich bereit, in Mali zu intervenieren und die Islamisten zu vertreiben, hat sich mit der endgültigen Entscheidung allerdings noch Zeit gelassen, selbst, nachdem ein entsprechendes Mandat des UN-Sicherheitsrats erging. Weshalb die Verzögerung ist ein Rätsel. Möglicherweise “störte” der Krieg in Syrien, der sich in jedem Augenblick zu einer militärischen Aufgabe höherer Priorität hätte entwickeln können.
Die Intervention Frankreichs im Norden Malis ist einer der seltenen Fälle, der kein Befremden hervorruft. Hier wird nicht gegen eine legale Regierung, sondern gegen islamistische Banden vorgegangen und damit die bestehende Regierung unterstützt. Außerdem läuft die Aktion bemerkenswerterweise unter völliger Gleichgültigkeit von Seiten der USA ab. US-amerikanische Streitkräfte sind nicht an den Operationen beteiligt. Den Grund dafür haben wir am Beginn dieser Ausgabe angemerkt. Dass nun Frankreich hier die erste Geige spielt, ist dagegen vollkommen logisch. Wie die Dinge auch liegen, Mali ist eine ehemalige französische Kolonie, es verbleibt weiterhin eine Menge an wirtschaftlichen Interessen hier konzentriert. Dabei haben alle afrikanischen Nachbarstaaten ein Zeugnis ihrer Handlungsunfähigkeit gegeben und schließlich die Europäer um Hilfe gebeten.
Mit anderen Worten, die Umgestaltung der Welt macht eine Wendung durch und kehrt in ihre Ausgangslage zurück. Die Europäer sind wieder in Afrika. Russland wieder in Zentralasien. Und nur im Asiatisch-Pazifischen Raum scheint sich etwas Neues zusammenzubrauen. Doch darüber reden wir in kommenden Folgen.

Mali – einerlei Maß

Azawad. Bild: Wikimedia Commons
Die Franzosen beweinen ihr erstes Opfer in Mali. Indessen beträgt die Zahl der getöteten Islamisten / Rebellen bereits über Hundert.
Seit dem 11. Januar gilt im gesamten Land der Ausnahmezustand, der, wie es heißt, eine “Reaktion auf die Eskalation im Norden des Landes” darstellt. Freilich ist kurz vorher französisches Militär eingetroffen und hat auch schon ein paar Rebellenstellungen probegebombt. Und wer hätte das gedacht, da kam auch schon die “Eskalation”, so dass man den Ausnahmezustand verhängen konnte. Ein klitzekleiner afrikanischer “Fall Weiß”.
Der UN-Sicherheitsrat hatte einen Monat zuvor eine Resolution verabschiedet, die eine “Friedensmission” in Mali ermöglichte – damals war die Rede davon, dass die ECOWAS-Staaten und Frankreich irgendwie ein Kontingent von 3.300 Armeeleuten zusammentrommeln dürfen, um diesen Einsatz durchzuführen. Ein knapper Monat verging über den Abstimmungen, und die Nachbarn Malis konnten diese Menge nicht aufbringen. Frankreich sprang hilfsbereit ein.
Das Interesse Frankreichs gilt den Uranvorkommen im Norden Malis. Das Interesse der Nachbarländer eher einer möglichst stabilen Gesamtlage. Seit dem Einfall der Tuareg und dem Ausruf des unabhängigen Azawad hatte sich die Lage stabilisiert. Es wurde nicht wirklich ruhiger, aber es gab kaum akut bedrohliche Entwicklungen mehr. Aus genau diesem Grunde war es für die Nachbarländer Malis nicht unbedingt so dringlich, in die Sache einzusteigen. Das führte dann wohl zu dem Monat Verzögerung nach der entsprechenden UN-Resolution.
Die Freunde von der ECOWAS zogen nach – der Chef dieses Gremiums, Alassane Ouattara – seines Zeichens Präsident der Elfenbeinküste -, teilte mit, dass 3.300 Militärangehörige der Mitgliedsländer nach Mali entsandt werden. Durch eine Ironie des Schicksals wurde Ouattara vor gar nicht so langer Zeit ungefähr auf dieselbe Weise auf den Präsidentenposten seines Landes gehievt, nur war er eben der Rebellenhäuptling, der nach relativ undurchsichtigen Wahlen Krieg gegen seinen Präsidenten führte. Nun bedrängt er ganz genau solche Rebellen im Nachbarland. Freilich gibt es zwischen ihm und seinen Kollegen in Mali (übrigens Glaubensbrüder) einen feinen Unterschied – er wurde durch Frankreich unterstützt, die Rebellen in Mali nun aber nicht.
Hinter den Ereignissen in der Region steht so oder so, offensichtlich oder nicht, Frankreich. Es sind französische Interessen, die von praktisch allen dort – d.h. in den ehemaligen französischen Kolonien – installierten Präsidenten gewahrt werden. In vielerlei Hinsicht ist der jetzige Konflikt in Mali ein neokolonialer Krieg. Die Franzosen sind ernsthaft besorgt darüber, dass diese Region mit sanftem Druck, ohne Eile und dabei der Unnachgiebigkeit einer Dampfwalze durch die Chinesen abgesteckt wird.
Das war wohl die Ursache für den Militärputsch in Mali, der Präsident Touré im März 2012 das Amt gekostet hat. Die Erschütterungen im Land machten sich die im Norden herumziehenden herrenlosen Tuareg zunutze, gleichzeitig sahen die Islamisten aus der Ansar ed-Din ihre Gelegenheit kommen, und die ortsansässigen Islamisten aus Gao, die bis dato diversen sinstren Geschäften wie beispielsweise Drogenschmuggel Richtung algerische Küste und weiter nach Europa frönten, sahen diese ihre Interessen bedroht und schalteten sich ihrerseits in die Ereignisse ein. Das Resultat ist, dass der Norden Malis endgültig im Chaos versank. Zusammen mit seinen Bodenschätzen, nämlich den Phosphaten und dem Uranerz.
Frankreich unterstützt die Chaotisierung des Nahen Ostens mit allen Mitteln, reagiert aber unwirsch auf exakt dieselben Prozesse in seiner Interessensspähe in Westafrika. Während die radikalen Islamisten in Syrien ihre Freunde und Weggenossen sind, sind dieselben in Mali Feinde. Nein, das ist nicht zweierlei Maß. Das sind hie und da ein und dieselben Interessen des Imperiums.
Dabei entwickelt sich die jetzt angelaufene Militäroperation anhand eines vollkommen vorhersehbaren Szenarios. Durch die absolute Luftüberlegenheit scheinen die Franzosen Kidal eingenommen zu haben. Diese Stadt befindet sich im äußersten Norden des noch regulär bewohnten Landesterritoriums. Zwischen der Provinz Kidal und dem regierungstreuen Süden befindet sich die Provinz Gao – schon immer eine sehr fruchtbare Brutstätte für Islamisten. In der Provinz Kidal selbst gibt es das, worum es zum großen Teil gehen dürfte: Bodenschätze, speziell Uranerz und Phosphate. Das Mindestprogramm, das die Franzosen in diesem Krieg anstreben, ist durch die Kontrolle über Kidal also fast schon erreicht. Nun brauchen sie der autochthonen und sonstigen, durch die Gegend ziehenden Bevölkerung bloß noch einen Überlebensreflex beibringen: macht, was ihr wollt, aber haltet euch von unserer “Sicherheitszone” fern.
Die Franzosen werden einen Teufel tun, sich in die Sande des Sahel oder in den Urwald des Nigerbeckens zu begeben – hier und da kann man zehn- oder auch hunderttausend Soldaten im sprichwörtlichen Nichts auflösen, ohne dadurch irgendeinen Effekt zu erzielen. Deswegen ist die Aufgabe tatsächlich so einfach, wie es den Anschein hat – Tuareg zurück in die Wüste, ortsansässige Banditen zurück nach Gao. Ein sicherer Korridor von Kidal nach Süden, und fertig ist der Lack.
Karte vereinfacht nach mineral.ru
Kleiner Nachtrag: Es ist klar, eine solche Agenda kann man schlecht medial verkaufen – wir haben immerhin nicht mehr das 18. Jahrhundert. Deswegen kommt auch die Story, dass es nicht um Uran und andere Bodenschätze geht, sondern gegen Terroristen und deren “Vormarsch auf Bamako”. Mal sehen, wie elegant man dann die Frage übergeht, weshalb die Basen der Al-Nusra-Front in Syrien dann nicht gleichermaßen bombardiert werden.
An zweiter Stelle, nicht ganz so vordergründig, geht es um eine Demonstration an die regionalen Regierungen, dass die Franzosen entschlossen sind, keinen Einfluss der Chinesen zuzulassen. Zwei anschauliche Beispiele dafür gibt es schon. Wie sehr doch die Franzosen einst Laurent Gbagbo, den damaligen Präsidenten der Elfenbeinküste, unterstützt hatten! Da kamen 2002 auch einmal französische Truppen vorbei, um ihn zu stützen. Kaum hat er aber mit den Chinesen angebandelt und ihnen Kakao vercheckt, wodurch die renommierten französischen Konditoren auf dem Trockenen sitzenblieben, holten die Franzosen Alassane Ouattara aus dem Urwald, ohne sich darum zu bekümmern, dass dieser ein ausgekochter Moslem ist. Der gestürzte Gbagbo ist Christ, aber wen interessiert sowas im laizistischen Kolonialreich? Und nun diese unangenehme Sache mit Amadou Toumani Touré… jedenfalls, die Afrikaner verstehen den Wink.
Ganz offensichtlich geht man in Frankreich davon aus, dass die aktive Phase jetzt noch ein-zwei Wochen anhalten wird, wonach die Expeditionskorps ihre Posten an die eintreffenden ECOWAS-Truppen abtreten werden, womit man diese Episode des Kolonialkriegs für beendet erklären kann. Weiter kommt ihr selber klar, Jungs, aber wenn ‘was ist, klingelt durch. Wir sind nicht weit.

Wochenschau, Folge 44

Tuareg in Azawad (Mali)
Tuareg in Azawad (Mali)
Die aktuelle “russische Wochenschau” ist soeben herausgekommen. Behandelt werden in den Brennpunkten Syrien, Irak, Afghanistan, kurz beleuchtet werden die Proteste in Belfast und Manama (Bahrain) und ein eigener Teil widmet sich der Situation in Mali (Azawad). Dazu ein paar Worte zu Wirtschaftsthemen, und schon haben wir einen kompakten und recht unkomplizierten Wochenrückblick, der alles in allem auf ein Publikum zugeschnitten ist, dass informiert sein will, ohne den Dingen allzu lang und tief auf den Grund gehen zu müssen.
Der deutschsprachige Videobeitrag wird hier eingebunden (die Rubrik “Bilder der Woche” wurde ausgegliedert), darunter der Text. Falls jemand die vergangene Folge verpasst hat (sie wurde hier nicht veröffentlicht), folge bitte diesem Link.

Brennpunkte der Woche

Diese Woche hat es in Syrien keine wesentliche Veränderung im Kräfteverhältnis gegeben. Die bewaffneten Rebellen haben eine Reihe von Terroranschlägen gegen Zivilisten verübt, was von den Regierungstruppen mit weiteren Säuberungsaktionen beantwortet wurde.
In der deutschen Presse gab es gleichzeitig die Information, dass Frankreich den Rebellen Luftabwehrwaffen zum Schutz vor der syrischen Luftwaffe liefert. Offiziell wurde diese Nachricht natürlich dementiert. Doch das steht in Einklang mit den immer häufiger werdenden Meldungen der Rebellen, diese hätten Hubschrauber und Flugzeuge der Regierung abgeschossen, ebenso auch mit der Drohung, auf zivile Passagierflugzeuge zu zielen, die in Damaskus landen. Bekannt ist, dass Frankreich im Krieg in Libyen die Rebellen inoffiziell mit Waffen versorgt hat. Das wird inzwischen offiziell bestätigt, doch wir sind natürlich weit von der Annahme entfernt, dass die französische Regierung auch diesmal lügt.
Ein weiterer Brennpunkt liegt in der Türkei im Grenzgebiet zum Iran und zu Syrien. Türkische Streitkräfte führen Operationen gegen die Kämpfer der PKK aus, welche vorher erfolgreiche Angriffe auf das türkische Militär unternommen haben. Einige Dutzend Kurden sind dem bereits zum Opfer gefallen. Die türkischen Machthaber beschuldigen Syrien damit, die kurdischen Separatisten zu unterstützen. Syrien wiederum beschuldigt die Türkei mit der Unterstütztung der in Syrien kämpfenden Rebellenbanden.
Unruhig ist es weiterhin auch im Irak. Wieder gab es Sprengstoffanschläge auf Schiiten. Die Sprengsätze detonierten an der Keisal-al-Tamimi-Moschee, der Imam-Ali-Moschee im Norden von Kirkuk sowie an der Al-Mustafa-Moschee. Die Anschläge wurden so geplant, dass es maximal viele Opfer geben würde. Es gab mindestens 9 Todesopfer und 80 Verletzte. Vor diesem Hintergrund erhöht Washington erneut den Druck auf den irakischen Premier Nuri al-Maliki, um diesen dazu zu veranlassen, den irakischen Luftraum für iranische Flugzeuge zu sperren. Nach Meinung der US-amerikanischen Machthaber nutzt der Iran Luftkorridore über dem Irak, um Baschar al-Assad mit Waffen und Militärspezialisten zu versorgen. Anfangs war al-Maliki damit einverstanden, aber sobald die syrischen Rebellen zu direkten Militäraktionen gegen die Regierung übergingen, wurde der irakische Luftraum wieder geöffnet.
Auch in Afghanistan gab es die ganze Woche über Explosionen. Ein Selbstmordattentäter riss bei einer Beerdigung 25 Afghanen mit in den Tod. Der Anschlag eines Selbstmordattentäters nahe dem NATO-Hauptquartier in Kabul kostete 6 Menschen das Leben und verletzte 4 Kinder schwer. Auch ausländische Soldaten bekamen ihren Teil ab. Am Mittwoch hat ein ISAF-Hubschrauber eine sogenannte “harte Landung” ausgeführt, beziehungsweise ist abgestürzt. Die beiden Piloten kamen dabei ums Leben. Die Taliban erklärten, dass sie an diesem Tag gleich zwei Hubschrauber abgeschossen hätten. Vom ISAF-Kommando wird die Ursache des Absturzes nicht genannt.

Proteste der vergangenen Woche

Eine Welle von Protesten und Zusammenstößen mit den Ordnungskräften erfasste in dieser Woche das nordirische Belfast. Der Konflikt trat zwischen den dortigen Katholiken und Protestanten auf. Die Katholiken treten für eine Unabhängigkeit von Großbritannien ein, was Konfliktpotential zwischen ihnen und den loyalistischen Protestanten mit sich bringt. Als sich die Polizei in die Auseinandersetzung einmischte, flogen Pflastersteine und Molotow-Cocktails. Die Sicherheitskräfte setzten Gummigeschosse und Wasserwerfer ein. Nach zwei Tagen solcher Demonstrationen wurden rund 60 Polizisten verletzt. Die Weltöffentlichkeit bleibt den Hoffnungen und Forderungen des irischen Volkes gegenüber taub.
Mehrere Tausend Menschen demonstrierten auf dem zentralen Platz von Manama in Bahrain. Die Demonstranten fordern zum wiederholten Male eine Gleichberechtigung der schiitischen Bevölkerung und eine Einschränkung der Willkür der herrschenden Dynastie, welche die Macht inzwischen vor mehr als 40 Jahren usurpiert hat. Wie früher, so hat die Polizei die Proteste auch diesmal mit Härte und Entschlossenheit zerschlagen. Dabei wurden Tränengas und andere Mittel angewendet. Auch hier muss man anmerken, dass die Weltöffentlichkeit die berechtigten Forderungen der friedlichen Bevölkerung Bahrains weiterhin ignoriert. Der Gedanke sei ferne, dass dies an der hier gelegenen, größten US-Marinebasis im Persischen Golf liegt.

Kurz vor Krieg

Diese Woche ist bekannt geworden, dass die Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS eine Militäroperation im Norden Malis beabsichtigen. Zur Erinnerung: ein Großteil des Territoriums dieses armen Landes steht seit dem Frühjahr unter der Kontrolle von Islamisten mit Verbindungen zu Al-Kaida. Inzwischen wird hier die Scharia eingeführt, es werden Denkmäler der Sufi-Kultur zerstört und ausländische Diplomaten hingerichtet. Die Regierung Malis ist in Zeiten einer verschärften wirtschaftlichen und politischen Krise nicht imstande, der Lage allein Herr zu werden. Derweil bedroht die Festigung der Positionen der Islamisten, die bereits ein Territorium doppelt so groß wie Deutschland besetzen, die Stabilität der gesamten Region. In vielerlei Hinsicht hat sich die Lage durch den Sturz des libyschen Führers Muammar al-Gaddafi so entwickelt. Er war es, der zu Lebzeiten Mali wirtschaftlich unterstützt hat, um so Frieden und Sicherheit an den libyschen Grenzen zu haben. Außerdem konnte Gaddafi, wie kein anderer, Kompromisse innerhalb verschiedenster Interessen afrikanischer und arabischer Stämme finden; dieser Status quo ist mit seinem Sturz ebenso zu Fall gekommen.
Von den Ursachen und Hintergründen des Konflikts in Mali soll uns unser heutiger Gast berichten. Wir begrüßen Jewgeni Nikolajewitsch Korendjasow, den Leiter des Zentrums für russisch-afrikanische Beziehungen und Außenpolitik der afrikanischen Staaten. Früher war er Botschafter der UdSSR und der Russischen Föderation in Mali.
- Die Ursache liegt gewissermaßen in der sinnlosen und brutalen Operation gegen die libysche Regierung. Das war ein grober Fehler. Eine der Folgen dieses Fehlers ist die Verschärfung der Situation in Mali. Bei den Tuareg-Gruppierungen, die jetzt dort an die Macht gekommen sind, handelt es sich um extremistische, terroristische Organisationen.
Außerdem sind Drogenschmuggler sehr an diesem Separatismus interessiert. Es ist bekannt, dass aus den Ländern Lateinamerikas pro Jahr durch Westafrika und Mali im Speziellen Kokain im Gesamtwert von 2 Milliarden US-Dollar nach Europa geschleust wird. Ungefähr 40% des nach Europa einfließenden Kokain gehen über Westafrika, einschließlich Mali. Der Transport passiert nicht nur auf dem Land-, sondern auch auf dem Luftweg. Die Drogen werden per Flugzeug in die Sahara gebracht, diese werden entladen, und schon sind Toyotas mit dieser Ladung Richtung Mittelmeer unterwegs.
Ich denke, dass Russland, welches in Zeiten der Sowjetunion sehr gute Beziehungen zu Mali pflegte, das eine Schlüsselrolle bei der Bildung der nationalen Streitkräfte des Landes spielte und insgesamt 6 Hochschulen und einige Industrieunternehmen in Mali aufgebaut hat, sehr daran interessiert ist, dass dieses Land sehr bald zu einer friedlichen Beilegung der Krise findet.

Wirtschaftsteil der Woche

Zum Ende der Woche entschloss sich die Europäische Zentralbank zu einem unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen. Dabei kommt das Prinzip einer untersten Schwelle von Kreditwürdigkeit nicht zur Anwendung, das heißt, es wird alles gekauft, mit Ausnahme der Schulden Griechenlands. Was die EZB danach mit diesen teils aussichtslosen Schulden macht, ist völlig unklar. Wie es aussieht, interessiert das derzeit allerdings kaum jemanden.
Auch der Zustand der chinesischen Wirtschaft gibt weiterhin zu denken. Um die Wirtschaft anzukurbeln, investiert die chinesische Regierung einmal mehr in Infrastruktur. In Rekordzeit wurden rund 60 Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtvolumen von 157 Milliarden US-Dollar bewilligt. Davon entfallen 127 Milliarden auf die Entwicklung von Eisenbahnwegen. In Shanghai soll es zwei komplett neue U-Bahn-Linien geben, auch in Provinzstädten werden U-Bahnen gebaut. Bis zum Jahr 2020 plant China die Verviefachung der Gesamtlänge seiner Schienenwege auf 7.000 Kilometer.

Bilder der Woche

00:06 - Wir haben eine Bilderserie aus dem heutigen Libyen bekommen. So sah die libysche Hauptstadt Tripolis unter dem Tyrannen Gaddafi aus. Und so – heute. Die Regierung schafft es nicht, eine normale Müllabfuhr zu organisieren.
00:18 - Das ist Sirte; die Regierung hat keine Mittel, die Stadt wieder aufzubauen.
00:23 - Das ist das Ergebnis eines Granatenanschlags, der in der vergangenen Woche von einem Unbekannten verübt wurde.
00:28 - Dies nun ist etwas erntshaftere Arbeit – ein paar hiesige Gruppierungen im Verteilungsstreit. Solche Aktionen enden üblicherweise in etwa auf diese Weise.
00:36 - Das nun ist die Küste, an der Leichname von Ermordeten entsorgt werden – dieser Tage wurde hier wieder 10 Leichen entdeckt. Gaddafi ist schon vor langer Zeit ermordet worden, aber Tote gibt es immer und immer wieder. Wer wird sich dafür nun zu verantworten haben?