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Chaos gibt Sicherheit

Der Reichtum der Golfmonarchien. Foto: East News

Der Reichtum der Golfmonarchien. Foto: East News

Der Katar und Saudi-Arabien gewährleisten die eigene Sicherheit, indem sie die Strategie des „gesteuerten Chaos“ gegen ihre Nachbarn anwenden. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Chaos außer Kontrolle gerät und die Lager der Strategen heimsucht.

Quelle einschl. Fotos & deren Herkunftsnachweise: expert.ru

Für den „Arabischen Frühling“, welcher Umordnungsprozesse im gesamten Nahen Osten angeworfen hat, gibt es objektive Ursachen. Das sind die Bruchlinien, die im Nahen Osten nach dem Abzug der Kolonialmächte geblieben sind, die Trägheit der Regimes, welche wenig zur Glättung der bestehenden Widersprüche unternommen haben, der Zerfall der bipolaren Weltordnung und schließlich die weltweite Krise.

Allerdings hat die Situation erst durch einen recht subjektiven Faktor das gegenwärtige Ausmaß erreicht – am Anheizen des „Arabischen Frühlings“ sind jeweils auswärtige Mächte interessiert. In erster Linie kommen als solche hier europäische Länder in Betracht, allerdings gehen die kräftigsten Stimuli der Ereignisse im Nahen Osten von den beiden Führungsmächten im Golf-Kooperationsrat (GCC), den reichen wahhabitischen Monarchien Saudi-Arabien und Katar, aus.

Die Wächter des Persischen Golf

Im Vorfeld der am 23. Mai stattfindenden zweiten Runde der Verhandlungen zwischen der „Sechsergruppe“ und Iran in Bagdad, der sich permanent aufheizenden Kriegspolemik (zuletzt am 17. Mai: „USA zu Angriff auf den Iran bereit“), könnte einmal man einen Blick darauf riskieren, inwieweit solche Drohungen realistisch sind und welche anderen Signale noch zum Thema Iran im Äther kursieren.

Die IAEA geht mit Optimismus in Vorverhandlungen mit Teheran, Barack Obama sieht sich genötigt, seine Bemühungen um eine diplomatische Lösung zu verteidigen, das Weiße Haus ist „einer diplomatischen Lösung des Iran-Problems treu“:

Die USA haben nach wie vor die Absicht, den Sanktionsdruck auf den Iran zu verstärken, und ziehen einer militärischen Variante der Lösung des Problems die Diplomatie vor, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney.

„Wir halten an der Politik fest, die auf strengere Sanktionen gegen den Iran, einen größeren Druck auf dieses Land und eine verstärkte Isolation des iranischen Regimes gerichtet ist. Denn US-Präsident Barack Obama ist sicher, dass es noch hinreichend Zeit und Möglichkeiten gibt, um die Ergebnisse des diplomatischen Weges der Regelung zu sehen.

Wie der US-Staatschef bereits betont hat, ist es leicht, über einen Krieg zu sprechen. Aber dabei ist es notwendig, all seine Folgen zu erläutern“, äußerte Carney auf einem Briefing am Montag. (Quelle)

Das US Central Command hatte Ende März eine Kriegssimulation („Internal Look“) durchgeführt, welche die Konsequenzen eines israelischen Angriffs auf iranische Atomanlagen untersuchte. Das Fazit: die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer solchen Aktion US-amerikanische Streitkräfte mit in den Konflikt hineingezogen würden, liegt bei 100%, ebenso die Aussicht auf die Entfesselung eines größeren regionalen Kriegs. Dabei wäre der Effekt für die Amerikaner mit mindestens 200 Opfern unter den Streitkräften zu beziffern, während das potentiell militärische Atomprogramm des Iran um ein oder maximal drei Jahre zurückgeworfen wäre. Diese Simulation, deren Resultate der Geheimhaltung unterliegen und in diesem Fall aber (vielleicht absichtlich) an die Öffentlichkeit gelangten, könnte – ob der Tatsache, dass es keinen eindeutigen „glorreichen Sieger“ gäbe – Obamas Votum für eine diplomatische Lösung beeinflusst haben.