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Ende eines Experiments

Blühende Landschaften im albanisierten Kosovo
Wenngleich das Augenmerk hier im Blog, geographisch gesehen, eher auf Nahost und Nordafrika liegt, so soll das nicht bedeuten, dass die Technologien, die derzeit in diesen Gefilden angewandt werden, nicht einmal separat in anderem geographsichen Kontext beleuchtet werden. Eine solche Gelegenheit ergibt sich derzeit durch die Nachricht, Serbien habe mit seiner eigenen Provinz Kosovo ein Abkommen geschlossen, das, abgesehen von einer Akzeptanz der Souveränität der letzteren, auch den Status der „serbischen Enklaven“ im albanisierten Kosovo festigen soll. Dieses Abkommen stellt das offizielle Ende einer experimentellen Anwendung neuer Technologien der Kriegführung dar, die inzwischen in anderen Regionen und großflächig eingesetzt werden.

Im Folgenden ein paar Hintergrundgedanken dazu aus dem hier schon mehrfach zitierten russischen Online-Newsportal VZ.ru.

Ende eines Experiments

Serbien und Kosovo stehen kurz vor der Unterzeichnung eines gemeinsamen Abkommens. Resultat soll die Anerkennung der Unabhängigkeit Kosovos im Austausch für die Festschreibung des Status der serbischen Enklaven in dessen Norden sein. Allen ist derweil klar, dass die Albaner die einmal begonnene Sache zu Ende bringen werden und diese Enklaven in geraumer Zeit so oder so “sterilisieren” werden, womit sie die “serbische Frage” endgültig klären werden.
Dieses Abkommen zieht den Schlußstrich unter einem Krieg. Einem nicht eben gewöhnlichen Krieg, der in gewissem Sinne einzigartig war, was dessen Intention und Verlauf angeht. Die USA und die NATO beginnen bereits nicht mehr nur unter Laborbedingungen, sondern ganz real die Technologien des 6. Kondratjew-Zyklus auszurollen. Technologien der Demontage und Montage sozialer Subjekte. Die primitiven, barbarischen Kriege mit Interventionen und Okkupationen sind Vergangenheit. Der moderne Krieg bedarf nicht mehr solch teurer und höchst unsicherer Instrumente. Der neue Trend ist die Selbst-Okkupation, bei der im demontierten Staat auf diese oder jene Weise eine kollaborationistische Regierung installiert wird, welche die Montage eines neuen Satellitenstaates der Siegermacht in die Wege leitet.
Die Kosten eines solchen Krieges bestehen aus exakt zwei Posten: die Bearbeitung der Bevölkerung des anzugreifenden Landes und der gewaltsame, möglichst “kontaktlosen” Zwang der bestehenden Regierung, ihre Verantwortung an die Kollaborationisten abzutreten. Der Krieg in Jugoslawien hat gezeigt, dass man die sonst üblichen Milliardenausgaben auf einen Bruchteil reduzieren kann und dabei denselben Effekt erzielt. Eine der ersten “farbigen” Revolutionen und die Militäroperation der NATO in Jugoslawien – beides sind Kriegshandlungen, die ein und die selbe Intention und das gleiche Ziel hatten. Die Kriegskosten für die NATO: Treibstoff für die Militärflugzeuge, ohnehin abgeschriebene Munition, und eine F117 “Stealth”, welche die Serben quasi mit einem Spaten vom Himmel geholt haben. Ein paar frisch gedruckte Dollars, und das war’s auch schon.
Und was dann? Raketen und Bomben wurden neu produziert, womit man die eigene Rüstungsindustrie auslastete, die zerstörte Infrastruktur in Jugoslawien bauten die Aggressoren selbst wieder auf (und das nicht nur für ein Dankeschön, versteht sich), das neue freie und demokratische Jugoslawien verlor Montenegro und wurde endgültig zu Serbien. Zum Geächteten Europas. Dem man es gnädig gestattete, der brüderlichen europäischen Völkerfamilie gegen Verzicht auf den Rest der Souveränität beizutreten. Damit ist das Experiment beendet.
In Jugoslawien erprobte Technologien der Kriegsführung werden inzwischen großflächig eingesetzt. Die “farbigen” Revolutionen im postsowjetischen Raum, der “Arabische Frühling” – alles das hat ein und denselben Ursprung. Den Krieg gegen Jugoslawien.
Militäroperationen gegen souveräne Staaten entfalten sich überall nach ein und demselben Szenario: Destabilisierung der inneren Lage, Anfachen von Konflikten im Landesinneren, Bürgerkrieg unterschiedlicher Intensität unter verschieden starker Einbindung äußerer Mächte, Abtragen der nationalen Regierung und schlussendlich ein Frieden unter den Bedingungen des Siegers. Der USA und der NATO.
Bei jedem weiteren Opfer ändert man die Herangehensweise ein wenig, je nach den Besonderheiten der bestehenden inneren Bruchlinien, allerdings haben wir im Großen und Ganzen einen völlig neuartigen Typ von Kriegführung vor uns, der in seiner Effizienz dem von den deutschen Generälen erfundenen Blitzkrieg oder den auf den Weiten des Stillen Ozeans bis zur Perfektion geschliffenen Einsätzen von Flugzeugträgerverbänden in nichts nachsteht. Diese beiden, zu ihrer jeweiligen Zeit besten und modernsten Technologien der operativen Kriegführung haben im Verlauf von einem halben Jahrhundert die Entwicklung der schlagkräftigsten Armeen weltweit bestimmt. Mittlerweile jedoch treten die teuren Panzer- und Flugzeugträgerverbände zurück und räumen das Feld für das Internet, Facebook und Horden von hirnverbranntem Jungvolk.
Nichtsdestotrotz ist die Lage noch nicht hoffnungslos. Als Antwort auf die Technologien der Demontage beginnen die Opferländer, ihre Gegentechnologien zu entwickeln und zu erproben. Bisher noch rein defensiv. Syrien ist unter den ersten der Länder, die unter die Dampfwalze dieser neuartigen Kriegführung geraten sind. Syrien sucht und findet in vielerlei Hinsicht seine Methoden, dieser neuen Art Krieg zu widerstehen.
Eine endgültige Wiederherstellung der Balance zwischen potentiellen Aggressoren und ihren Opfern ist nur in dem Fall möglich, wenn die Opfer (wenigstens eines der Opfer!) es schaffen, eine symmetrische Technologie zu etablieren. Wenn die Aggressoren davon ausgehen können, dass es eine analoge, adäquate Antwort auf ihrem eigenen Territorium geben kann.
Quelle: http://vz.ru/opinions/2013/4/24/630131.html