Archiv für Juli, 2012

Noch mehr NATO-Waffen in Syrien

ANNA-News filmt eine beschlagnahmte Waffenlieferung belgischer Sturmgewehre vom Typ FN FAL. Dieses Sturmgewehr hat übrigens noch aus den 1960’er Jahren den netten Beinamen „rechte Hand der Demokratie“. Wenn man bedenkt, dass die Lieferung von Gewehren ohne entsprechende Munition sinnlos ist, werden sicher noch ein paar Container mit entsprechender Munition unterwegs sein. Die syrische Armee nutzt vor allem Kaliber 7,62×39, die FN FAL-Gewehre brauchen den NATO-Standard 7,62×51; solche kann man also nicht von den Munitionslagern der syrischen Armee erbeuten.
Quelle des recht kurzen Videoberichts: ANNA-News, publiziert am 03.07.2012. Darunter die Übersetzung des Transkripts.
Vor einigen Tagen wurden in der Provinz Latakia von den syrischen Behörden mehrere Säcke mit insgesamt fast hundert Sturmgewehren FN FAL belgischen Fabrikats beschlagnahmt. Diese Art Gewehre gab es bis dato nicht in Syrien, so dass man sagen kann, dass es sich hierbei um geschmuggelte Waffen handelt.
Das Sturmgewehr FN FAL war u.a. bei den Streitkräften Israels und mehrerer NATO-Länder im Einsatz, darunter Belgien, Kanada, Deutschland und anderer. Der Ausgewogenheit halber muss man erwähnen, dass das belgische Sturmgewehr auch von einer Reihe von Ländern in Lateinamerika und Afrika eingesetzt wurde, aber es ist eher unwahrscheinlich, dass die Waffenlieferungen an die bewaffneten Rebellen in Syrien aus Brasilien oder Südafrika eintreffen.
Zieht man die verschiedenen Nachrichten über in Europa hergestellte Waffen bei den syrischen Rebellen in Betracht, so zum Beispiel der jüngst publik gewordene Einsatz von Handgranaten aus der Schweiz, so ist es nur logisch anzunehmen, dass die hier beschlagnahmte Waffenlieferung entweder aus Israel oder aus einem europäischen NATO-Land stammt.
Dafür, dass in Syrien auch Söldner aus westlichen Staaten kämpfen, gibt es bislang nur indirekte Beweise. In einem Bauernhaus unweit von Homs wurde beispielsweise von Unbekannten eine ganze Familie kaltblütig ausgelöscht. In einem der Zimmer des Hauses fand man danach Patches (Reinigungsfilze) und teure Chemikalien, die für die Reinigung von Präzisionswaffen bestimmt sind. Es ist zu bezweifeln, dass jemand aus der bewaffneten syrischen Opposition solche Mittel für die Reinigung seiner Flinten verwendet.
Olga Kulygina, ANNA-News. Damaskus, Syrien.

Von der Ablehnung einer auswärtigen Einmischung

abendliche Straße in Damaskus
Ein Vertreter der Gesellschaftlichen Kammer der Russischen Föderation berichtet von seinem Syrien-Besuch (Quelle: vz.ru; Quelle für alle Bilder: @grigorievms)

„Viele Regierungsvertreter sind sich darüber im Klaren, dass Reformen dringend notwendig sind, dass die Zeit dafür reif ist. Doch unter Bedingungen, in denen es täglich Terror und bewaffnete Übergriffe gibt, die vom Ausland unterstützt werden, sind Veränderungen äußerst schwierig“, sagt das Maksim Grigorjew, Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer der RF gegenüber „Vzglyad“.

Die Vertreter der Arbeitsgruppe für internationale Arbeit der Gesellschaftlichen Kammer, Sergej Ordschonikidse und Maksim Grigorjew, sind tags zuvor aus Syrien zurückgekehrt, wo sie unter der Schirmherrschaft der Kammer ein von den Regierungen unabhängiges Monitoring initiiert haben. Vom Verlauf und den Ergebnissen dieser Reise hat Grigorjew regelmäßig über Twitter berichtet. Die russische Diplomatie ist in und um Syrien nach wie vor sehr aktiv. Unter den UN-Beobachtern wirken auch russische Offiziere, derweil besuchen russische Diplomaten regelmäßig das von Unruhen geschüttelte Land. Anlass für diese Besuche ist nicht nur das Bemühen um Beilegung des Konflikts, sondern auch der Schutz von Interessen syrischer Bürger, die Russland als ihre historische Heimat begreifen. Das sind unter anderem auch die Nachfahren der Tscherkessen, die im 19. Jahrhundert aus Russland in diese Gebiete übergesiedelt sind.
Maksim Grigorjew erzählt „Vzglyad“ davon, wie die Lage unter den Regierungsbeamten und auf den Straßen der syrischen Hauptstadt ist.
Vzglyad: Es wurde an diesem Wochenende berichtet, dass es in einer Vorstadt von Damaskus Kämpfe gegeben habe. Waren Sie zu dieser Zeit in der Stadt?
M.G.: Ja, es gab einen Schusswechsel, wir haben ihn gehört. Dabei sind leichte Schusswaffen eingesetzt worden, das konnte man hören. Man hörte automatische Waffen, also wahrscheinlich Maschinengewehre, aber keine schweren. Allerdings wurden wir vorsorglich mit schusssicheren Westen ausgestattet, denn mitten in Damaskus gab es noch eine Explosion. Direkt im Zentrum der Hauptstadt, vor dem Justizpalast. Die bewaffnete Opposition nutzt die zynischsten Methoden.
Der Mufti, mit dem wir uns unterhalten haben, aber auch andere bekannte religiöse Persönlichkeiten bekommen ständig Drohbriefe. Nach einem solchen Drohbrief wurde der Sohn des Mufti umgebracht. Am nächsten Tag bekam der Mufti selbst einen solchen Brief, worin davon die Rede war, dass er der nächste sein wird, wenn er weiterhin die Position Syriens und nicht die der anderen Länder unterstützt – das hat er uns selbst berichtet.
Ahmad Badr Al-Din Hassoun, der oberste Mufti Syriens (Mitte): sein Sohn wurde von Banditen umgebracht.
Wir haben schreckliche Bilder gesehen: am Mittwoch haben bewaffnete Rebellen ein Fernsehstudio gestürmt und besetzt, haben die dort arbeitenden Journalisten gefesselt, das Gebäude vermint und es verlassen, dann das Gebäude mitsamt den darin befindlichen Menschen gesprengt.
Vzglyad: Sind Sie auch an anderen Orten als Damaskus gewesen?
M.G.: Wir hatten nur in der Hauptstadt Treffen, es kamen Leute zu uns, und wir hatten ja nur ein paar Tage zur Verfügung. Allerdings sind jetzt Fachleute aus unserem Fonds für Demokratieforschung in Syrien aktiv, die unter anderem auch in anderen Städten tätig sein und die Situation in den Regionen betrachten werden. Sicher, das kann nicht in solchen Orten sein, die von den Terroristen besetzt sind oder in solchen, die umkämpft sind – das betrifft in erster Linie die Grenzgebiete zum Irak, zur Türkei und zu Jordanien.
Vzglyad: Konnten Sie mit jedem sprechen oder nur mit Leuten, die Ihnen von der Regierung empfohlen wurden? Haben Sie Bewegungsfreiheit genossen oder durften Sie nur in Begleitung an bestimmte Orte gehen?
M.G.: Nein, wir hatten keine Eskorte in diesem Sinne, allerdings hat man uns Wachschutz bei den Treffen mit Regierungsvertretern zur Verfügung gestellt. Zum Beispiel haben wir uns mit Mohammad Al-Lahham, einem Vertreter des Syrischen Volksrats getroffen. Solche Treffen wurden von der syrischen Seite eingeplant, das ist klar.
Aber natürlich hatten wir auch Treffen mit Menschen, die nichts mit der Regierung zu tun haben. Die Möglichkeit, alle möglichen Fragen zu besprechen, war immer gegeben, und natürlich wurde auch die Regierung kritisiert.
Vzglyad: Welche Atmosphäre herrscht in den Regierungsstellen und wie ist die Lage auf den Straßen von Damaskus?
M.G.: Viele Regierungsvertreter sind sich darüber im Klaren, dass Reformen dringend notwendig sind, dass die Zeit dafür reif ist. Doch unter Bedingungen, in denen es täglich Terror und bewaffnete Übergriffe gibt, die vom Ausland unterstützt werden, sind Veränderungen äußerst schwierig.
Ich habe den Eindruck, dass der Großteil der Regierungsvertreter eine sehr ernste Einstellung hat, dass sie sich nach Kräften bemühen werden, die Souveränität ihres Landes zu verteidigen. Es gibt keine Anzeichen für innere Schwäche oder einer Demoralisation.
Wie bekannt ist, spielen die Alawiten in Syrien eine wichtige Rolle. So, wie ich das verstanden habe, konsolidiert sich jetzt einerseits diese Gruppe jetzt um die Regierung, andererseits aber auch viele andere Gesellschaftsschichten, denn die Aktivität der Terroristen hat eine starke Verminderung der Lebensqualität nach sich gezogen. Man hört auch vielfach eine sachliche Kritik an der Regierung (besonders im sozialen und wirtschaftlichen Bereich), und diese Kritik wird von der Regierung vielfach auch akzeptiert, und gleichzeitig gibt es bei allen eine strikte Ablehnung jedweder auswärtigen Einmischung, selbst unter Vertretern der Opposition.
Was diese Opposition angeht, so ist sie vollkommen verschieden. Es gibt die „Freie Syrische Armee“. Dabei ist es sehr schwierig zu sagen, was genau diese Gruppierung eigentlich darstellt. Aber der Terror hängt nicht nur mit ihr zusammen, auch radikale Islamisten spielen hier eine große Rolle. Es ist nicht endgültig klar, wer alles hier aktiv ist.
Eine dritte Kraft sind einfach nur Schmuggler und kriminelle Elemente, die jetzt eine günstige Gelegenheit wittern, großes Geld zu machen. Sie kooperieren recht eng mit der Oppositionsbewegung, verfolgen dabei aber ihre eigenen Geschäfte. Sie rauben die Bevölkerung aus, überfallen zum Beispiel auch Museen. Von solchen Leuten gibt es recht viele. Eine vierte Kraft sind ausländische Söldner. Es gibt viele Zeugnisse dafür, dass ausländische Söldner in den Reihen der Opposition kämpfen. Darunter sind vor allem Söldner aus Libyen und den Golfstaaten.
In den Straßen von Damaskus ist die Lage jedoch vollkommen ruhig. Das einzige, was uns aufgefallen ist – staatliche Einrichtungen werden von Wachpersonal gesichert. Aber sonst – die Leute spazieren, sitzen abends in den Cafés, in den Restaurants und besuchen ihre Clubs. Ich habe keine Anzeichen von Demoralisierung bei den Menschen erkennen können.
Treffen mit Vater Loukas von der Kanzlei des Patriarchen von Antiochia. In Syrien gibt es rund 700.000 orthodoxe Christen. Im neuen Kabinett gibt es 4 orthodoxe Minister, darunter der Verteidigungsminister
Vzglyad: Ihre Kollegen von der Gesellschaftlichen Kammer haben die russische Regierung dazu aufgerufen, eine Evakuierung der russischen Staatsbürger aus Syrien vorzubereiten, das heißt auch der syrischen Tscherkessen. Was denken Sie, ist es sinnvoll, so viel für diese Bevölkerungsgruppe zu riskieren, die ja nicht einmal russische Staatsbürger sind?
M.G.: Das zu lösen, was jetzt in Syrien vor sich geht, ist in erster Linie Sache des syrischen Volks selbst. Die Angelegenheit jedweder auswärtigen Macht wäre es, das syrische Volk und auch dessen Regierung dabei zu unterstützen, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Auch die einzelnen ethnischen Minderheiten müssen selbst über ihr Schicksal entscheiden können. Ob sie irgendwohin evakuiert werden wollen oder nicht, müssen sie selbst sagen. Ich hatte zum Beispiel auch Treffen mit Tscherkessen, doch habe ich dabei nicht den Eindruck gehabt, als wollten sie das Land verlassen.

Hoffähige Intellektuelle

RIA Nowosti meldet, dass Vertreter der in Syrien Krieg führenden Auslandsopposition (dieser sperrige Begriff, um nicht gleich zu Beginn mit Anführungszeichen hantieren zu müssen) demnächst auf hoher Ebene in Moskau empfangen werden sollen. Zu den geladenen Gästen gehört der Chef des SNC, Abdulbaset Sieda, sowie auch der „namhafte Politiker und Menschenrechtsaktivist Michel Kilo“.
Beide dieser Figuren leben nicht in Syrien. Von letzterem musste der russische Vizeaußenminister noch dazu erläutern: „Michel Kilo nimmt derzeit am Kairoer Treffen der Opposition teil… Er lebte in Paris und ist ein ziemlich einflussreicher Politiker“.

So, so. Es ist nicht ganz klar, in welchem Volk dieser, ein paar Ellen von Syrien entfernt lebende Politiker Einfluss und Autorität genießen soll. Aber nun hat man ihn schon einmal eingeladen, dann muss man ihn zumindest als wichtig beschreiben und Interesse demonstrieren.
Die von vornherein zu einer Totgeburt verdammte Idee einer Koalitionsregierung für Syrien, wie sie am Samstag in Genf aus dem Hut Kofi Annans gezaubert wurde, wird trotz aller Unsinnigkeit vorangetrieben. Wahrscheinlich sind sich alle der Mangelhaftigkeit und des fehlenden Realismus dieser Idee im Klaren. Bedenkt man die ganze Fülle der Probleme, vor denen Syrien bereits vor dem bewaffneten Konflikt stand, plus die massiv während des letzteren durch internationale Söldnertrupps hinzugekommenen, so kann man mit etwas Menschenverstand eigentlich nur konstatieren, dass die Lage im besten Fall von einer parteineutralen Regierung von „Technokraten“ gebessert werden könnte, die keine Zeit für Streitereien untereinander verschwenden, sondern ihre Energie auf die Lösung der anstehenden Probleme richten würden.
Abdulbaset Sieda (SNC)
Nichts desto trotz sieht die Genfer Idee vor, ein paar dem syrischen Leben vollkommen entfremdete Intellektuelle zusammenzuklauben und sie mal ein wenig „mit voller Exekutivgewalt“ ans Regierungssteuer zu lassen. Selbst, wenn man politische Betrachtungen außen vor lässt, so kann man sich leicht vorstellen, wozu solche Dilettanten beim Versuch, die recht verfahrene Lage zu entwirren, letztendlich kommen werden. Es ist ja nicht so, als gäbe es keine Beispiele in der jüngeren Weltgeschichte. Die Regierungen der meisten ehemaligen Sowjetstaaten hatten eine solche Phase: Gamsachurdia in Georgien, Eltschibei in Aserbaidschan, Ter-Petrosjan in Armenien… und von den diversen Machthabern im Kaukasus ganz zu schweigen, die in Zeiten ihrer Regierungsgewalt oder auch nur irgendeiner Machtausübung faktisch Non-Stop-Massaker vom Zaun brachen – Blut, besonders das von Fremden, war für sie wie Wasser, das schnell versickert. Das, was diese ganzen Redner und Schöngeiste zuallererst mit Feder und Mundwerk geschafft haben, war es, alles kaputtzubekommen, was sich noch irgendwie bewegte. Es wäre naiv anzunehmen, dass die nun nach Moskau und anderswohin zitierten „syrischen“ Intellektuellen da besser seien.
Trotz all dieser Dinge nicken alle weiter brav mit ihren Denkerhäuptern und machen bedeutsame Gesichter – ja, nur diese Leute können das ächzende syrische Volk retten. Wenn das Optimismus sein soll, dann ist er idiotisch. Eine andere Erkenntnis ist in diesem Zusammenhang viel wichtiger: wenn solche Leute auf dieser Ebene in Moskau empfangen werden sollen, dann hat Moskau Assad sehr wahrscheinlich aufgegeben. Die Aufgabe der hier eingeladenen  „Oppositioniellen“ wird es wohl sein, den Russen zu gefallen. Mal sehen, ob ihnen das gelingt.

Die Befreiung von Baba Amr

ANNA-News berichtet wieder aus Homs. Die verbliebenen Rebellenstellungen befinden sich inzwischen voneinander isoliert über mehrere Stadtteile zerstreut. Interessant ist die Dokumentation auch dahingehend, dass man hier den bewaffneten Rebellen nachweist, wie diese – und nicht die syrische Armee – Wohnviertel mit ungezieltem Artilleriefeuer aus selbstgebauten Katapulten (@02:55) eindecken.

Unter dem russischsprachigen Videobeitrag findet sich die Übersetzung des Transkripts, in dem ich an manchen Stellen die der jeweiligen Nachricht entsprechenden Stellen im Video mittels Zeitcodes (@mm:ss) einfüge.

Bis zum März 2012 hatten sich im Stadtteil Baba Amr der syrischen Stadt Homs mehr als 3.000 bewaffnete Kämpfer eingenistet. Die Militäroperation zur Befreiung dieses strategisch wichtigen Stadtteils dauerte 27 Tage. Das Militärkommando hatte zuvor die Entscheidung getroffen, dass für diesen Einsatz genügen würde, nicht mehr als 1.000 gut ausgebildete Soldaten und Offiziere in den Kampf zu schicken. Die besten wurden dafür ausgewählt. Im Wesentlichen handelte es sich dabei um Offiziere der Spezialeinheiten und einen Teil Zeitsoldaten. Die Zugänge zur Stadt sind durch weitere Armeeeinheiten abgeschnitten worden.
Die Militäroperation hat die syrischen Streitkräfte im Straßenkampf von Homs 50 Tote und 200 Verletzte gekosten, vor allem durch Scharfschützenfeuer, Beschuss aus Granatwerfern und Raketenwerfer. Mehr als 1.000 bewaffnete Kämpfer wurden liquidiert. Seitens des Militärs wurde die Taktik von häufigen Entlastungsangriffen von zuvor besetzten Stellungen genutzt. Auf die AK-47 der Sturmgruppen wurden optische Zielvorrichtungen montiert, da aufgrund der räumlichen Nähe zum Feind Scharfschützengewehre kaum notwendig waren. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach Beginn der Angriffe sind von den Sturmgruppen ungefähr 800 bewaffnete Banditen liquidiert worden. Während dieser ersten Angriffswelle konnte kaum jemand von den Soldaten der Spezialeinheiten sein Magazin auch nur zur Hälfte verbrauchen – geschossen wurde gezielt im Einzelschussmodus. Während dieser Angriffe und unter den Bedingungen des Nahkampfs und Scharfschützengefechten war es ebenso sinnlos, schwere Waffen zu gebrauchen.
Wenn man durch die Stadtteile von Homs fährt, die nicht von den Einheiten der Terroristen behelligt wurden und dann in die Randgebiete der von den bewaffneten Rebellen besetzten Quartale gelangt, fällt einem der krasse Unterschied sofort ins Auge. In den freien Stadtteilen geht das friedliche Leben normal weiter; die Händler fürchten die Banditen nicht und malen ihre Läden demonstrativ mit den Farben der syrischen Staatsflagge an (@01:25). Die Straßen machen einen geordneten, friedlichen Eindruck. Kommt man allerdings in Gebiete, die an die besetzten grenzen – wie zum Beispiel Bab al-Sebaa, an der Grenze zur Altstadt – so sieht man von den bewaffneten Banden zerstörte und abgebrannte Schützenpanzerwagen (@01:37) und Pkws, die noch bei den gestrigen Kämpfen zerstörten Straßen und Häuser, auf der Straße von den flüchtenden Banden liegen gelassenes Gut und selbst Waffen, überall sieht man die Überbleibsel ihrer Hinterhalte…
Die jetzt noch übrigen Rebellenbanden sind in den Stadtteilen Al Hameediye, Al Khaldeeye und in der Altstadt umstellt. Durch die strahlenförmig radiale Anordnung der Straßen können die Scharfschützen der Terroristen Straßen mit einer Länge von 800 – 1.500 Metern abdecken, abhängig vom Kaliber ihrer Präzisionswaffen. Aus diesem Grunde sind viele Straßen durch Panzerfahrzeuge blockiert, man sieht aufgespannte, quer laufende Stoffbahnen (@02:06), welche die Sicht in diese Straßen blockieren.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben die Spezialeinheiten den größten Teil des christlichen Viertels Al Hameediye von bewaffneten Banden befreit. Ein größeres Munitionslager der Terroristen wurde eingenommen (@02:20). Dort gab es Unmengen von Waffen jordanischen Fabrikats: unzählige panzerbrechende und Sprenggranaten, Kaliber 12.7 mm, Gewehr- und Maschinengewehrmunition vom Kaliber .308, das häufig bei Scharfschützengewehren zum Einsatz kommen, dutzende Raketenwerfer und Hohlladungen dazu, Mörsergeschosse und so weiter. Auch zwei Pickups mit darauf montierten rückstoßfreien schweren Maschinengewehren wurden durch die Spezialeinheiten erbeutet. Vor einigen Monaten hatten die Banditen in Homs zwei von der Armee erbeutete Schützenpanzer in den Kämpfen eingesetzt.
Die intensivsten Kämpfe gibt es in der Regel an Donnerstagen und Freitagen. Die Rebellen setzten Granatwerfer und selbstgebaute Katapulte ein (@02:55), aus denen regelmäßig Wohnviertel beschossen werden. Ein Offizier der Sicherheitskräfte und Luftaufklärung demonstriert uns, wie diese Katapulte eingesetzt worden sind. Unserem Filmteam wurde eine Heimwerkstatt zur Herstellung von Sprengsätzen für diese Katapulte und die Verminung von Gebäuden gezeigt (@03:02), wo die Terroristen in ganz normalen Backöfen Sprengstoff geschmolzen haben. Diese ganze, inzwischen stillgelegte Todesfabrik befindet sich nur 10-15 Meter von den jetzigen Stellungen der Rebellen entfernt. Von diesen wird die Stadt unentwegt auch durch selbstgebaute Raketen beschossen, Ziel sind vorwiegend die christlichen und alawitischen Stadteile. Während eines unserer Besuche in Homs haben die Terroristen zum Beispiel eine Schullehrerin direkt während einer Prüfung in einer der städtischen Schulen durch Granatwerferbeschuss getötet.
Durch die kurzen Strecken zwischen den Kampfstellungen der Armee und der Rebellen werden von beiden Seiten vor allem normale Schusswaffen gebraucht. Panzerfahrzeuge werden zum Blockieren der Straßen, zum Schutz von Checkpoints und zur Evakuierung Verwundeter genutzt. Die schwersten, heute in Homs zum Einsatz kommenden Waffen sind schwere Maschinengewehre (Kaliber 12,7 mm) (@03:46), deren Feuer man häufig mit Artilleriefeuer verwechselt.
In den Rebellenbanden trifft man häufig auf Halbwüchsige, die von ihren erwachsenen, bei den Banditen mitkämpfenden Verwandten zu den Kämpfen hinzugezogen werden. Wir besitzen, darüber hinaus, Videoaufnahmen davon, wie die Terroristen folgende Waffenkategorien einsetzen: rückstoßfreie Geschütze, schwere Maschinengewehre, erbeutete Schützenpanzer mit Kanonenbestückung, finnische Scharfschützengewehre des Kalibers .308.
Wenn die NATO nicht innerhalb der nächsten Tage damit beginnt, Syrien zu bombardieren, so wird die Militäroperation zur vollständigen Befreiung der Stadt Homs innerhalb von 2-3 Wochen erfolgreich abgeschlossen sein.
Marat Musin, Olga Kulygina, Agentur ANNA-News. Homs, Syrien.

Die Blase von Genf

Die nächste, in manchen Medien als „Durchbruch“ verkaufte Konferenz zu Syrien, diesmal in Genf, hat ein Dokument hervorgebracht, das eine banale Nullnummer ist. Es beruht auf der Initiative von Kofi Annan, von der hier schon die Rede war – auch davon, dass und warum sie von vornherein aus vollkommen objektiven Gründen unerfüllbar war und bleibt.

Schon aus diesem Grunde braucht man nicht noch einmal zu erörtern, warum das Fazit dieser Konferenz keinerlei praktische Wirkung haben wird. Es gibt lediglich ein paar Ergänzungen.
Erstens, zur Zusammensetzung der Konferenz. Die Vereinigten Staaten, das Euro-Trio, Russland, die Türkei – soweit ist alles klar. Der Iran ist nicht mit dabei gewesen – symmetrisch dazu wurde Saudi-Arabien ausgeschlossen. Der Katar – das ist schon nicht mehr so klar. Und Kuwait? Irgendwie daneben. Kuwait ginge höchstens noch wegen seines Vorsitzes in der Arabischen Liga, aber dann stellt sich umso mehr die Frage, was der Katar da soll. Dass man zur syrischen Frage Syrien selbst nicht eingeladen hat, ist natürlich erbärmlich, aber charakteristisch. Man ist fast versucht zu sagen, dass es sich hier um eine Art Konferenz von künftigen „Siegermächten“ gehandelt hat.
Zweitens. Die Türkei vermeidet es verdächtig, das Thema des Schmerzes über den Verlust oder die Inhaftierung ihrer F-4-Piloten voranzutreiben. Auf den Titelseiten der Blätter gibt es keine Bilder von untröstlichen Ehefrauen und Müttern. Die rauen Kampfgenossen ballen nicht die Fäuste und schwören nicht, sich an der feigen syrischen Luftabwehr für den verräterischen Abschuss zu rächen. Man kann inzwischen viel sicherer davon sprechen, dass es gar keine Piloten gegeben hat. Allerdings ist eine F-4-Drohne (QF-4) nicht ganz dasselbe, wie eine von einem Piloten gesteuerte Maschine. Man kann die Luftraumverletzung also nicht mehr auf eine Schnarchnase von Pilot schieben, eine Drohne ist kein Heißluftballon, sondern sie wird normalerweise von einem ganzen Stab an Leuten gesteuert, und wenn ein solches Ding „aus Versehen“ in den syrischen Luftraum geraten sein sollte, dann steht hinter dem Operateur am Joystick sicher dessen Chef, der im Zweifelsfalle Kopfnüsse austeilt, es müsste einen automatischen „Plan B“ geben, der die Steuerung in einer solchen Situation übernimmt. Alles in allem war folglich dieser Feindflug im syrischen Himmel kein Zufall. Das wäre aber schon eine ganz andere Geschichte.
Die dritte Sache. Und auch die wichtigste. Das Dokument von Genf enthält keinerlei verpflichtende Elemente. Folglich droht gar nichts dafür, falls es von jemandem nicht umgesetzt wird. Wozu hat man sich dann versammelt?
Es hat den Anschein, als zwinge die Hartnäckigkeit und Beständigkeit Syriens die Aggressoren, eben richtig damit zu rechnen und nun irgendwie zu versuchen, die Sache wenigstens nach jemenitischem Beispiel auseinanderzudividieren – also mittels eines freiwilligen Abdankens des Präsidenten gegen bestimmte Garantien. Solche Garantien gibt aber niemand. Ohne solche ist ein Weggang Baschar al-Assads aber vollkommen undenkbar – es ist viel zu transparent, was ihm und seinem Land in so einem Fall garantiert widerfährt.
Kofi Annan fügt seiner Reihe an gescheiterten Vermittlungsversuchen (und das ging schon in Jugoslawien los) noch einen weiteren hinzu und festigt damit seine Reputation – wollt ihr was versauen, so ruft Kofi Annan…