Archiv für November, 2013

Im Lager der Feilscher

ahmad_al-jarbaWo wir gerade bei Prinzipien und Handel sind, können wir aus aktuellem Anlass auch der sogenannten „syrischen Opposition“ kurz Aufmerksamkeit schenken. Noch vor kurzem haben es deren Führer kategorisch abgelehnt, sich an irgendwelchen Gesprächen wie etwa Genf-2 zu beteiligen, wenn Baschar al-Assad daran teilnimmt oder vertreten sein wird.

Die Lage ändert sich aber. Saudi-Arabien versucht wie ehedem nach wie vor, die kommende Konferenz in Genf zu sabotieren; die „offizielle syrische Opposition“, die man in Doha unter enormer Anstrengung zu einer losen Koalition zusammengezimmert hat, erleidet einerseits schwere Verluste gegen die Regierungskräfte, andererseits schmelzen ihre Kommandostrukturen ohnehin, da ganze Einheiten ins Lager diverser islamistischer Brigaden übergehen. Noch ein wenig, und diese Opposition wird für niemanden mehr von Interesse sein.

Aus diesem Grunde verlagert sich der Chef der Koalition, Ahmad al-Dscharba (ein Schammar-Scheik und dadurch mit dem saudischen Königshaus verschwägert) aufs Feilschen, denn ansonsten blüht seiner Gruppierung die schiere Auflösung.

Al-Dscharba ist nun fast bereit, an der Konferenz teilzunehmen. Er würde sogar mit Assad sprechen, wirft aber weiterhin Bedingungen auf, die nicht allzu gesund aussehen. Das liegt wohl darin begründet, dass er einerseits in der Politik bleiben und wenigstens irgendeine Macht haben, es sich auf der anderen Seite natürlich nicht mit seinen Gönnern verderben möchte.

Ein kleiner Bluff unter Nachbarn?

ergaspipelineVorgestern hat sich der Erdölminister des Iran mit einer Nachricht an die Öffentlichkeit gewandt, die eigentlich Sensationswert hat. Er teilte mit, dass der Iran durchaus davon abkehren kann, das Multi-Milliarden-Projekt einer Richtung Pakistan gehenden Pipeline zu realisieren.

Anzunehmen, dass die Perser so mir nichts, dir nichts ein Projekt von strategischer Bedeutung zumachen, und das auch noch zugunsten des Konkurrenzprojekts TAPI, grenzt an Irrsinn. Der Grund für den Verzicht muss so schwerwiegend sein, dass es daraus Vorteile geben muss, die wirklich merklich und bedeutend sind.

Man kann theoretisch annehmen, dass diese Verlautbarung eines der Resultate der jüngsten Unterredungen mit den USA ist. Der Verzicht auf dieses für die Amerikaner doch recht unangenehme Projekt, Erdgas Richtung Pakistan und in der weiteren Perspektive auch in Richtung China zu liefern, kann vom Iran nur gegen eiserne Garantien aus den USA erwogen worden sein. Garantien darüber, dass die Sanktionen fallen und es Unterstützung bei der Leitung dieses Erdgases in anderer Richtung gibt zum Beispiel. Diese andere Richtung ist im Endeffekt nur Europa. Alles andere wäre unbedeutend.