Den Freunden der usbekischen Tanzkunst

Al-Buchari-Brigade in Syrien

Al-Buchari-Brigade in Syrien

Im Zusammenhang mit der jüngsten Terror-Offensive in Latakia fallen die Namen einer ganzen Reihe an mehr oder weniger bekannten Islamistenbrigaden, deren bedeutendste wieder die Al-Nusra-Front ist; ebenso taucht die bekannte Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar, also die “Auswandererbrigade”, wieder als ein Oberbegriff für zahlreiche kleinere Formationen auf.

Unter diesen “kleineren” fällt seit jüngster Zeit eine Brigade namens “Imam al-Buchari” auf, für die man auf Islamistenwebseiten wie Kavkazcenter oder Umma-News plötzlich verstärkt Werbung zu machen scheint. Diese Brigade besteht komplett aus Usbeken.

Der Namensgeber dieser Terrorgruppe ist der islamische Gelehrte Muhammad al-Buchārī, der vor ca. 1.200 Jahren im heutigen Usbekistan lebte und lehrte. Seinen Beinamen “al-Buchārī” trug er aufgrund seines Geburtsorts – Buchara. Er war wohl einer der herausragendsten islamischen Enzyklopädisten – sein Hauptvermächtnis sind die Sahih al-Buchari, die wichtigste unter den 6 großen sunnitischen Hadith-Sammlungen des Islam. Er soll dafür mehr als eine halbe Million Hadithen (also Überlieferungen über das Leben des Propheten) durchforstet und systematisiert haben, um etwa 2.800 unikale und “orthodoxe” davon zu dieser Hadithensammlung zusammenzustellen. Im Grunde handelt es sich bei diesen Hadithen um die Basis aller möglichen islamischen Schulen. Die Pilgerschaft zum Grabmal des Imam al-Buchārī gilt als eine kleine Haddsch.

Wahrscheinlich würde sich Imam al-Buchārī alle dreizehn Barthaare raufen, wüßte er, welch hirnverbranntes und -gewaschenes Gesindel sich heute mit seinem Namen schmückt, wohl nur, um ihrer einzigen Bestimmung – dem Umbringen von Menschen – eine Art frommes Mäntelchen zu verleihen.

Euromaidan: Faktor Erdgas (Teil 1)

Seinerzeit gab es das Rätsel zu lösen, aus welchem kühlen Grunde der “Zwergenstaat” Katar ein scheinbar vollkommen unbegreifliches Engagement im “Arabischen Frühling”, und insbesondere den Kriegen gegen Libyen und Syrien, an den Tag legte. Weshalb wurden in der arabischen Wüste Nachbildungen des Zentrums von Tripolis gebaut, warum waren ausgerechnet katarische Spezialeinheiten unter den Kräften, die am 22. August 2011 das reale libysche Tripolis ausschalteten? Wieso war Katar einer der Hauptsponsoren der Aggression gegen Syrien? Die Antwort damals lautete verallgemeinernd: Umverteilungskämpfe auf dem globalen Markt für Erdgas. Insbesondere ging es im Fall von Katar um die Auswirkungen einer indigenen Sättigung des US-amerikanischen Marktes, der dem Nahost-Gasriesen demnach nicht mehr als Abnehmer zur Verfügung stand, so dass den gigantischen Infrastrukturprojekten des Katar ohne eine Neuausrichtung der Absatzrouten die Sinnlosigkeit drohte.

Katars LNG-Flaggschiff und Lieblingsfrau des Emir Hamad bin Khalifa al Thani, die "Mozah", am Regasifikationsterminal Bilbao

Katars LNG-Flaggschiff und Lieblingsfrau des Emir Hamad bin Khalifa al Thani, die „Mozah“, am Regasifikationsterminal Bilbao

Nur auf den ersten, flüchtigen Blick scheint es befremdlich, dass ganz ähnliche Rangeleien um Verteilung und Transitrouten etwas mit den jüngeren Ereignissen in der Ukraine zu tun haben. Aber einmal kurz innegehalten, fällt einem ein: die Ukraine ist seinerzeit fast jährlich wiederkehrendes Thema im Zusammenhang mit den Erdgaslieferungen aus Russland gewesen. Die in der Prä-South-Stream-Ära wichtigsten Transportrouten für russisches Erdgas nach Europa verlaufen über die Ukraine. Gab es da nicht auch einmal etwas mit einem Kartellverfahren der EU-Kommission gegen Gazprom? Und Julia Timoschenko trug noch vor ihrem Knast-Karriereknick den inoffiziellen Kosenamen “Gasprinzessin”. Als wären das nicht Hinweise genug gewesen, dass es auch hier zu “Revolutionen” kommen muss.

Was hier in mehreren Teilen nun folgen soll, ist eine “für hierzulande” aufbereitete, ergänzte und teilweise erweiterte Übersetzung einer Analyse aus den Hinterzimmern der bekannten russischen Nachrichtenagentur ITAR-TASS (die bald, zu ihrem 110-jährigen Jubiläum, wieder zum Eigennamen aus Sowjetzeiten – TASS – zurückkehren will, sofern die Regierung als Gesellschafterin das genehmigt). Da es sich bei ITAR-TASS nun einmal um eine Nachrichtenagentur handelt, bei der Analysen und Meinungen bestenfalls Randthema sind, wurde der Text – wie die meisten der „Jahresrückblicke“ für 2013 – dort nicht publiziert, sondern vom Autor u.a. mir zur Verfügung gestellt.

Das Thema ist zu komplex, als dass man es in einem einzigen Beitrag abhandeln könnte, deswegen folgt heute nur der erste Teil, der nichts anderes als eine Vorrede darstellt. Die weiteren Teile – dann schon speziell zur Ukraine und den Strategien der jeweiligen Interessensgruppen dort – folgen später, voraussichtlich aber nicht vor Ende kommender Woche. Hierunter also Teil 1 als Einstimmung.


Der globale Markt für Erdgas und seine Neuordnung

Die Schaffung eines globalen Marktes für Erdgas, das Erdöl als Energieträger ablösen kann, erweist sich zweifelsohne als einer der Faktoren für die vor unseren Augen entstehende neue Weltordnung. Dabei wird das Erdöl selbstverständlich nicht von der Bildfläche verschwinden, sondern auch weiterhin einen wichtigen Teil des weltweiten Energiehaushalts darstellen, wie dies zum Beispiel auch für die Kohle der Fall ist. Ungeachtet dessen sind Veränderungen allerdings bereits wahrnehmbar: laut einer Studie von BP betrug der Anteil des Erdöls als Energieträger auf dem Höhepunkt seiner Bedeutung im Jahre 1973 48 Prozent und wird sich bis zum Jahr 2030 auf 28 Prozent verringern. Gleichzeitig wird sich der Anteil des Erdöls an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2030 auf 2 Prozent reduzieren:

After the oil price shocks of the 1970s, oil’s share in primary energy consumption fell from a peak of 48% in 1973 to 39% in 1985. Rising oilprices have again increased the burden of oil on the economy in recent years and oil has lost market share again – falling to 33% in 2011. We project this to fall further to 28% by 2030.

High relative prices have led to the substitution of oil by other fuels outside the transport sector where cheaper alternatives are available. Oil’s share in power generation, for example, fell from 22% in 1973 to 4% in 2011 and is forecast to decline to just 2% by 2030.

Quelle: BP Energy Outlook 2030; cf.: BP Energy Outlook 2035

Daten vom September 2013, Preise pro Mio. BTU. Quelle: stansberryresearch.com

Daten vom September 2013, Preise pro Mio. BTU. Quelle: stansberryresearch.com

Im Gegensatz dazu wird das Erdgas zunehmend an Bedeutung gewinnen: der weltweite Handel mit Erdgas wird bis zum Jahr 2030 jährlich im Mittel um 3,7 Prozent zulegen.

Die Schwierigkeiten des Gasmarktes sind von ganz grundlegender Natur:  auf Grund der besonden physikalischen Eigenschaften von Erdgas bestehen gewisse Herausforderungen im Zusammenhang mit dessen Transport. Auf Grund der ungleichmäßigen Verteilung der Regionen, in denen dieses Gas gefördert wird, sind stabile lokale Märkte entstanden, auf denen Erdgas aber zu sich wesentlich unterscheidenden Bedingungen gehandelt wird.

Unter diesen Märkten zeichnen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt die “vier großen” Schlüsselmärkte ab: der amerikanische, der russische, der europäische und der südostasiatische.

Dabei konnten Russland und inzwischen auch die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit im Energiebereich auf Grund eigener Erdgasvorkommen (in den USA auch Schiefergas) und der Entwicklung einer dazugehörigen Industrie sicherstellen. Die wesentlichen Verteilungskämpfe laufen jetzt um den europäischen und südostasiatischen Markt ab.

Putins Rede zum Beitritt der Krim

Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin am 18. März 2014 im Kreml vor Abgeordneten der Staatsduma, vor Mitgliedern des Föderationsrats, Gouverneuren des Landes und Vertretern der Zivilgesellschaft bezüglich der Bitte der Republik Krim und der Stadt Sewastopol um Aufnahme in den Bestand der Russischen Föderation

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Guten Tag, sehr verehrte Mitglieder des Föderationsrats, sehr verehrte Abgeordnete der Staatsduma! Sehr geehrte Vertreter der Republik Krim und der Stadt Sewastopol – ja, sie sind hier, unter uns, als Bürger Russlands, Einwohner der Krim und Sewastopols!

Verehrte Freunde, heute haben wir uns zur Besprechung einer Frage hier versammelt, die lebenswichtig und von historischem Ausmaß für uns alle ist. Am 16. März hat auf der Krim ein Referendum stattgefunden. Dieses Referendum verlief in voller Übereinstimmung mit demokratischen Normen und internationalen Vorschriften.

An der Abstimmung haben mehr als 82% der Wähler teilgenommen, über 96% sprachen sich für einen Anschluss an Russland aus. Diese Zahlen sind durchaus überzeugend.

Um zu verstehen, warum es zu genau dieser Wahl gekommen ist, genügt es, die Geschichte Russlands zu kennen und zu verstehen, was die Krim für Russland und was Russland für die Krim bedeutet.

Alles auf der Krim ist von unserer gemeinsamen Geschichte, unserem gemeinsamen Stolz durchdrungen. Hier liegt das antike Chersones, wo der heilige Fürst Wladimir getauft wurde. Seine geistliche Aufopferung – die Annahme des orthodoxen Glaubens – bestimmte die allgemeine kulturelle Basis, das Wertesystem und die Zivilisation voraus, welche die Völker Russlands, der Ukraine und Weißrusslands vereint. Auf der Krim gibt es Gräber der russischen Soldaten, durch deren Heldenmut die Krim im Jahre 1783 unter russische Herrschaft kam. Die Krim – das ist Sewastopol, eine Legende von einer Stadt, eine Stadt mit einem großartigen Schicksal, eine Festungsstadt und die Heimatstadt der Schwarzmeerflotte. Die Krim – das ist Balaklawa und Kertsch, Malachow und Sapun-gora. Jeder dieser Orte ist ein Heiligtum für uns, all das sind Symbole für militärischen Ruhm und Heroismus.

Die Krim ist eine einmalige Mischung aus den Kulturen und den Traditionen verschiedener Völker, und auch dadurch ähnelt sie dem großen Russland, wo im Verlauf der Jahrhunderte keine einzige der zahlreichen Völkerschaften verschwunden ist oder sich aufgelöst hat. Russen und Ukrainer, Krimtataren und Vertreter anderer Völkerschaften lebten und wirkten gemeinsam auf dem Boden der Krim, sie bewahrten sich ihre Eigenständigkeit, ihre Sprache und ihren Glauben.

Übrigens sind von den 2.200.000 Einwohnern der Krim heute fast anderthalb Millionen Russen, 350.000 Ukrainer, die überwiegend die russische Sprache als ihre Muttersprache betrachten, sowie ungefähr 290-300.000 Krimtataren, ein bedeutender Teil derer, wie das Referendum gezeigt hat, sich ebenfalls in Richtung Russland orientiert.

Ja, es gab eine Zeit, als man den Krimtataren, wie auch anderen Völkerschaften der UdSSR gegenüber mit Härte und Ungerechtigkeit aufgetreten ist. Ich will eines sagen: Millionen von Menschen verschiedener Nationalitäten wurden Opfer der damaligen Repressionen, vor allem natürlich auch Russen. Die Krimtataren sind inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt. Ich bin der Ansicht, dass es notwendig ist, alle politischen und rechtlichen Schritte dazu zu unternehmen, die Rehabilitation der Krimtataren zu vollenden und ihren guten Namen in vollem Umfang wiederherzustellen.

Der Krieg, eine Bürde

Die Ukraine war seinerzeit mit „Am Rande“ genau so in die Themen hier hineingeschlittert – am Rande. Inzwischen dominiert sie die Meldungen. Was den vorigen, lang dominierenden Newsmaker – Syrien – angeht, so geht er vollkommen vorhersehbar auf die zweiten und dritten Seiten zurück. Vorhersehbar, weil die Sache in den Kabinetten weitestgehend entschieden ist. Was bleibt, ist Arbeit am Boden, was es den Menschen vor Ort natürlich nicht leichter macht. Nichtsdestoweniger konsolidiert sich die Region scheinbar, eine Isolation des letzten großen Kriegstreibers in Syrien – des Königreiches Saudi-Arabien – nimmt allem Anschein nach allmählich Gestalt an. In diesem Zusammenhang gibt es hier zur Information über die derzeitigen Kräfteverhältnisse und Bestrebungen einen aktuellen Artikel von ITAR-TASS.


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Bei einer Pressekonferenz zu den Ergebnissen zwischen Iran und Katar dementierte der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif am 26. Februar in Teheran die Schaffung eines politischen Blocks aus Iran, Irak, Türkei und Katar, von dem eine politische Lösung der Probleme in Syrien betrieben werden solle.

Nichtsdestoweniger ist diese Frage der Journalisten durchaus nicht müßig und ganz sicher von den objektiv stattfindenden Prozessen aufgeworfen, die einen solchen Block nicht nur möglich, sondern sogar für alle beteiligten Seiten wünschenswert erscheinen lassen. Mit seinem Dementi mag Sarif aber sogar die reine Wahrheit gesagt haben – formal wird niemand einen solchen Block ins Leben rufen, aber für einen Diplomaten ist nicht nur das wichtig, was er sagt, sondern auch das, wovon er schweigt.

Es ist bereits offenbar, dass Katar, einst unter den aggressivsten Sponsoren des “Arabischen Frühlings”, ab dem Zeitpunkt der doch recht ungewöhnlichen Abdankung des ehemaligen Emir Hamad bin Khalifa al-Thani, seine Beteiligung an dem regionalen Konflikt faktisch eingestellt und Saudi-Arabien dadurch mit den Problemen und Folgen seiner Fortführung alleingelassen hat. Das liegt natürlich nicht an der Friedliebigkeit des neuen Emir Tamim, sondern an vollkommen objektiven Umständen, die letztlich zum Machtwechsel in Katar und zu einer Einstellung der Finanzierung des Syrienkriegs geführt haben.

Ukraine, Mission R2P

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Parlament der Autonomen Republik Krim, 01.03.2014

So, wie es inzwischen aussieht, hat sich wohl die militärische Option bei der Eindämmung des Bandera-Putsches als die einzig vernünftige erwiesen. Es ist immer noch schwer zu sagen, aufgrund welcher Fakten am Boden Russland eine solche Entscheidung getroffen hat, aber man kann gut und gern davon ausgehen, dass die Staats- und Militärführung Informationen und analytische Ressourcen haben, von denen unsereins nur träumen kann.

Der derzeitige patriotische Jubel der Russen und der ihrer Sympathisanten ist verständlich und bestimmt irgendwo auch gerechtfertigt – das Aufbegehren des Faschismus in der Ukraine, allzu deutlich als Rammbock gegen bestehende Staats- und Gesellschaftsordnungen eingesetzt, ist eine Schande. Eigenartig natürlich, dass weit weniger Menschen den Wahhabismus als ein ganz gleichartiges Instrument erkennen. Kein Wunder, dass Dmitrij Jarosch, Chef des ukrainischen “Rechten Sektors”, angesichts der Entscheidung des Föderationsrats der RF ausgerechnet Doku Umarov zum aktiveren Kampf gegen den russischen Staat aufruft:

“Das ukrainische Volk und die Völker des Kaukasus einigt das gemeinsam vergossene Blut. Viele Ukrainer haben mit der Waffe in der Hand den Freiheitskampf des tschetschenischen und anderer kaukasischer Völker unterstützt. Jetzt ist es an der Zeit die Ukraine zu unterstützten!”

Um wessen vergossenes Blut es hierbei geht, wird wohlweislich verschwiegen. Ramsan Kadyrow, der erst im Januar verlauten ließ, es sei sicher, dass Umarov “in die Hölle geschickt” worden sei, versprach Jarosch heute, ihm eine Einwegfahrkarte ebendahin zu organisieren.

Erlass Nummer 90

Erlaß des Präsidenten der Ukraine Nr. 90/2014 vom 27. Februar 2014

Am 22. und 23. Februar ist es in der Ukraine zu einem gewaltsamen Putsch gekommen, in dessen Verlauf bewaffnete Banden vom Nazi-Typus mit militärischer und politischer Unterstützung ausländischer Mächte zentrale Staatsorgane in der Hauptstadt des Landes, Kiew, sowie eine Reihe von Provinzverwaltungen im Westen des Landes besetzt haben.

Ein Teil der politischen Kräfte der Ukraine entpuppte sich als Volksverräter und Kollaborateure, indem sie mit den faschistischen Brigaden, welche die Regierungsgewalt in der Hauptstadt an sich brachten, kooperierten, um auf diese Weise eine Marionettenregierung heranzubilden, die gänzlich von den äußeren Sponsoren dieses gewaltsamen Putschs abhängig wäre, insbesondere von den Vereinigten Staaten von Amerika und NATO-Ländern, darunter insbesondere Deutschland und Polen. Die faschistoiden Banden haben Mitarbeiter der Präsidialadministration aus Kiew vertrieben, die Rada [das Parlament] eingenommen und begannen mit Repressalien gegen Abgeordnete, die den Putsch nicht unterstützen – bis hin zu Prügeleien, Verschleppungen, Brandstiftung an deren Wohnhäusern und Gewaltandrohung gegenüber ihren Familien. Im Zusammenhang mit alledem ist die weitere Arbeit der verfassungsgemäßen Machtorgane in Kiew aufgrund der Gewalt [wörtl. “aus Gründen militärischer Art”] nicht mehr möglich.

Zum Kaschieren der Ziele des Staatsstreichs haben dessen Protagonisten das “Abkommen über die Beilegung der Krise in der Ukraine” vom 21. Februar 2014 mißbraucht, in welchem sie gemeinsam mit mir “die Absicht der Bildung einer Koalition und der Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit innerhalb von 10 Tagen” erklärt haben, mit Frist bis zum ersten März. Dieses Abkommen wurde von den Außenministern Frankreichs, Deutschlands und Polens mit unterzeichnet; selbige haben im weiteren Verlauf nicht nur die ihnen auferlegten Pflichten als Garanten dieses Abkommens verletzt, sondern waren auch unmittelbar an Ermunterungen zum Staatsstreich in der Ukraine beteiligt.

Somit verbleibt der Präsident der Ukraine die einzige Partei dieses Abkommens, welche die ihr auferlegten Verpflichtungen genauestens und in vollem Umfang erfüllt hat. Im Zusammenhang mit der ablaufenden, im Abkommen vom 21. Februar gesetzten Frist zur Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit der Ukraine und den Versuchen eines Teils der Putschisten, eine eigene, illegitime Marionettenregierung in Kiew zu installieren, ordne ich die folgenden Maßnahmen der legitimen ukrainischen Staatsmacht zur Wiederherstellung der verfassungsgemäßen Ordnung an:”

Und nun aber nur eine kurze Zusammenfassung dessen, was noch folgte:

  1. Die Absetzung des Premierministers Asarow vom 28. Januar 2014 wird rückgängig gemacht. Das Ministerkabinett, Ministerial- und Amtsleiter werden an einen anderen Ort als Kiew berufen, um von dort aus die Arbeit der legitimen ukrainischen Regierung fortzusetzen.
  2. Das Hauptquartier des Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte wird nach Sewastopol verlegt.
  3. Polizei und Sondereinheiten der Polizei gehen in “Militärmodus” (Unterstellung unter das Militärkommando) über. Den jeweiligen Polizeikommandos werden 24 Stunden Zeit gegeben, sich mit dem Hauptquartier in Sewastopol in Verbindung zu setzen. Wer das nicht tut, gilt als Verräter und wird abgesetzt und festgenommen.
  4. Staaten, die ihre diplomatischen Beziehungen mit der Ukraine fortzusetzen wünschen, haben ihre Militärattaches zur Kontaktaufnahme mit der legitimen Regierung nach Sewastopol zu senden.
  5. Das Außenministerium und die ukrainische Nationalbank werden nach Sewastopol verlegt.
  6. Alle verfassungstreuen Abgeordneten der Rada werden zu einer außerordentlichen Parlamentssitzung am 3. März nach Sewastopol geladen.
Gestern vor dem Parlament der Krim in Sewastopol

Gestern vor dem Parlament der Krim in Sewastopol

Es gibt noch eine Chance, dass dieser Erlass nicht echt ist. Er tauchte am Morgen des 27. Februar auf und wurde später, durch Janukowitschs Wortmeldung aus Russland, indirekt in seiner Echtheit bestätigt. Auch der Chef des Nationalen Sicherheitsrats der Ukraine, Jewgenij Martschuk, bestätigt – rein inhaltlich – die Authentizität. Freilich gibt es auch Fakten, die dagegen sprechen: einen vollkommen anderslautenden Erlaß Nummer 90 vom 21.02.2014 – der letzte in der Zeit, in der Janukowitsch noch in Kiew war – gibt es auf der Webseite des ukrainischen Präsidenten, Jemand “aus dem Umkreis” von Janukowitsch habe diesen Text ebenso als “Fälschung” bezeichnet. Wahrscheinlich muss man die morgige Pressekonferenz Janukowitschs abwarten, um die Sache klarzustellen.

Dieser Erlass, so er echt ist, würde die Karten vollkommen neu auslegen: die legitime Staatsmacht befindet sich demnach auf der Krim. “Abspalten” wird sich folglich nicht die Krim, sondern potentiell der Rest der Ukraine. Rechtsnachfolger der Ukraine, Ansprechpartner z.B. für Russland wäre nach einer möglichen Spaltung also die Krim. Das ist schon etwas anderes als “Separatismus”, “Okkupation” oder auch nur “Einmischung” durch Russland. Gewieft, ob Fälschung oder nicht.

Blitzkrieg, die nächste Generation

Die Kapitulation Janukowitschs dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Aber jenseits von diesem jetzt wieder als “Durchbruch” verkauften Zwischenstand finden andere Dinge keine mediale Beachtung, die einer solchen Beachtung im demokratischen Europa theoretisch wert wären.

Nach dem “Maidan 2013/14” haben radikale Nazis sich zu organisieren gelernt, sind bewaffnet und haben erste Erfahrungen in Straßenschlachten mit Sicherheitskräften bekommen. Wer soll diese Banden jetzt entwaffnen, um sie daran zu hindern, künftig die “Feinde der Nation” niederzuknüppeln und zu -schießen?

Das folgende Bild zeigt jemanden, den man sich am Rande merken sollte. Er gehört zu den Siegern beim heutigen “Durchbruch”:

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Das ist der Anführer des “Rechten Sektors” in der Westukraine, Aleksandr Musytschko. Ein Geschäftsmann und Mitglied der “Wiking”-Einheit der UNA-UNSO. Das Foto zeigt ihn inmitten von ihm untergebener Guerilla der sogenannten “nationalen Selbstverteidigung”. Das Foto wurde dieser Tage auf dem Kiewer „Maidan“ gemacht.

Der “Rechte Sektor” ist zwar ein eigens für die Ereignisse der vergangenen Monate geschaffener, faschistischer und gewalttätiger Dachverband verschiedener ukrainischer Nazibewegungen, Herr Musytschko ist aber schon sehr viel länger einschlägig bekannt. 1994 hat er zusammen mit einer Rotte “ukrainischer Freiwilliger” in Tschetschenien auf Seiten der Separatisten gekämpft und reichhaltige Erfahrungen in der Guerilla-Kriegsführung insbesondere in und um Grozny gewinnen können. Falls noch jemand den Zusammenhang zwischen Nazibanden und Wahhabiten vermißte – das hier ist ein Beispiel dafür; insgesamt also noch eine weitere Veranschaulichung für ein und dieselbe Methode der Demontage von Staatswesen, bei der Wahhabiten / Naziguerilla / radikale Strömungen als Instrumente der jewiligen auswärtigen Interessenten auftreten.

In einer kurzen Videoreportage aus der Zeit des ersten Tschetschenienfeldzugs wird Musytschko (Nom de guerre: “Saschka, der Weiße”) interviewt und verkündet: “Solange in meinen Adern Blut fließt, werde ich gegen Kommunisten, Juden und Russen Krieg führen. Das ist mein Credo.”

Dieser Mann ist heute unter den Siegern auf dem Maidan, gepusht, gebraucht und hofiert vom RMfdbO der EU in Person von Walter Steinmeier und Laurent Fabius. Er und die seinen sind bewaffnet und euphorisch.

ISIS: Ruhe im Karton!

going-underVorgestern gab es erste Meldungen darüber, dass die ISIS (“Islamischer Staat im Irak und Syrien”) nach schweren Gefechten mit der Al-Nusra-Front & mit “mehr als einem Dutzend” von mit dieser alliierten Terrororganisationen die syrische Provinz Deir ez-Zor räumt und in Richtung al-Raqqah und Hasaka abzieht. Die Suche nach dem Ursprung dieser Nachricht stößt auf Umwegen wieder zum “Syrischen Observatorium”, dessen Ein-Personen-Team in einem Telefoninterview mit AFP erklärt haben soll, ISIS-Einheiten hätten die Provinz Deir ez-Zor bereits komplett geräumt und seien nur noch an den Grenzen zur Provinz al-Raqqah präsent.

Die ISIS wurde durch die Kräfte anderer Terrororganisationen verdrängt, so dass man hier schwerlich von “Erfolgen” sprechen kann. Es handelt sich einzig um eine Art Frontbegradigung im Kontext von größeren Hintergrundereignissen, denn so nehmen die Bemühungen Saudi-Arabiens, die ISIS aus dem verlorenen Syrienexperiment in den Irak zurückzuziehen und damit “Rebellen” umzusortieren, langsam Gestalt an. Noch ist nicht hundertprozentig klar, ob diese Rechnung aufgeht, aber ein Meilenstein ist es allemal.