Beiträge mit Tag ‘ägypten’

Mursibey

Kaumi schreibt:

Meine große Hoffnung ist erfüllt. Ein sunnitisches Land befreit sich von den Ichuan und erteilt dem rückständig-salafistisch angehauchten Islamismus made in Gulfstates eine Abfuhr. Der Kreis ist geschlossen: Die Bruderschaft stirbt dort wo sie geboren wurde. Ein guter Tag für Syrien, ein fabelhafter Tag für Ägypten und ein dunkelschwarzer Tag für die dicken Scheichs.

Sagt Kaumi. Den Optimismus hinsichtlich Syrien würde ich gern teilen, könnte ich nur. Elchibey lässt mich nicht – dazu gleich. Aber: die Bruderschaft stirbt? Ein Land befreit sich? Wohl kaum. Das Land ist nach wie vor in etwa 50/50 gespalten. Das Militär hat gesprochen und mag statt demokratischer Experimente nun eventuell einmal ein Krisenmanagement durchsetzen. Das wird sich zeigen.

Es gab seinerzeit einen Mann namens Abulfaz Elchibey. Wen Details dazu interessieren, der kann getrost nachlesen. Kurz gesagt: ein Dissident aus Sowjetzeiten, Panturkist, hausgebackener Intellektueller, Russophobe, dabei ein durch und durch anständiger Mann und genauso durch und durch inkompetent in allen Dingen mit Ausnahme der Philologie, speziell arabischen und der Turksprachen. Er wurde auf der Welle der dominomäßig um sich greifenden Unabhängigkeitserklärungen der ehemaligen Sowjetrepubliken von den aserbaidschanischen Volksmassen mehr oder weniger in das Präsidialkabinett getragen, umgab sich mit “makellosen Patrioten” und ging daran, das aserbaidschanische Nationalparadies zu erbauen. Recht schnell ließ er allerdings die Nase hängen, das Land verfiel in noch schlimmeres Chaos, was anfangs unvorstellbar war – schlimmer geht nimmer, dachte man. Doch es ging. Die Korruption und die Armut der Massen wurden durch die Serie militärischer Niederlagen in Berg-Karabach zum Zeichen seiner kurzen Amtszeit, so dass er schließlich, nun schon aller Leute Buhmann und von allen gehasst, die ihn gerade noch vergöttert hatten, durch einen Militärputsch abgesetzt und ins Exil geschickt wurde. Heydar Aliyev übernahm und machte recht schnell Schluss mit den Unruhen und etablierte seinen Clan an der Spitze Aserbaidschans.

Islamische Kredite

Ägypten manövriert sich immer sicherer in die Lage der späten UdSSR. Präsident Mursi nimmt behende Kredite und Schulden auf. Inzwischen gibt es auch vom Nachbarland Libyen einen sogenannten “islamischen”, also zinslosen, Kredit in Höhe von 2 Milliarden US-Dollar. Vorher hatte Katar 2,5 Milliarden USD zur Verfügung gestellt und stellt nun weitere 3 Milliarden in Aussicht. Nebenbei verhandelt Ägypten mit dem IWF über weitere fast 5 Milliarden. Das ist geradezu ein spätsozialistisches Tempo.
Dabei ist Ägypten kein armes Land. Es fördert Erdöl und Erdgas, es ist im Besitz eines der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Welt – des Suezkanals, und sieht damit wie ein durchaus solider Kreditnehmer aus. Nun wird aber der Großteil der aktuellen Kredite aus der Not heraus und zum sofortigen Verzehr aufgenommen. Das damit verfolgte kurzfristige Ziel ist klar: Abbau der akuten sozialen Spannungen. Doch sieht eine solche Behandlung der Krankheit aus, als wolle man das jetzige akute Stadium im Eiltempo in ein chronisches Leiden verwandeln wollen.
Im Endeffekt wird Ägypten nach der Aufnahme solcher kaum zu bewältigender Kredite schätzungsweise gezwungen sein, sich von seinen Aktiva zu trennen und den Gläubigern seine Industrie, seine Rohstoffvorkommen und weitere wichtige Einnahmequellen zu überlassen. Eine Staatsmacht im nicht nur nominellen Sinne dieses Worts gibt es nach wie vor nicht. Die Eliten sind gespalten, die Revolution geistert immer noch durchs Bewußtsein der Massen. Es wird kaum möglich sein, unter solchen Umständen zu garantieren, dass die Kreditmittel nicht simpel und einfach in düsteren Kanälen verschwinden.
Bisher führt die Politik der ägyptischen Regierung das Land direkt und ohne Umweg in die Katastrophe. Ein Zusammenbruch des bevölkerungsreichsten Landes in Nordafrika und Nahost bringt mit Sicherheit Effekte mit sich, in Vergleich mit denen der ganze Arabische Frühling mit all seinen Revolutionen und Kriegen sich wie ein Sommertraum ausnehmen mag.
Noch ein Detail zur Stimmung im Lande: Demnächst läuft die 15-tägige Frist der neuerlichen Festnahme Hosni Mubaraks ab. Das ist eine formaljuristische Sache – das Verfahren gegen ihn ist in Berufung gegangen, das vormalige Urteil ist aufgehoben worden, folglich muss die Festnahme befristet sein. Diese Formalität kann aus einer juristischen aber zu einer politischen werden, die imstande ist, eine neue Welle von Unruhen zu provozieren.
Der Richter, welcher dem Prozess gegen Mubarak vorstehen sollte, hat heute schnell mal das Handtuch geworden, und nun stehen die Machthaber vor dem Dilemma, entweder wider das Gesetz zu handeln und Mubarak länger festzuhalten, oder aber Unruhen zu riskieren. Weder das eine, noch das andere ist eigentlich annehmbar.
Die dritte Gewalt Ägyptens, nämlich die Nomenklatura der vormaligen Mubarak-Regierung, werden immer selbstsicherer, wenn es darum geht, die aktuellen Machthaber zu diskreditieren und sie in scheinbar ausweglose Situationen zu manövrieren. Es ist ja immer geschickt, wenn die “Revolutionäre” sich gegenseitig die Köpfe einrennen, immer wieder Unruhen aufflammen, Instabilität herrscht, die man regulieren und dosieren kann und irgendwann, zum passenden Zeitpunkt, genügend “vorglüht”, so dass eine Rückkehr an die Hebel der Macht durchaus realistisch wird. Die Frage ist nur: wer will schon an die Macht? Jeder beliebige Machthaber wird in der derzeitigen katastrophalen Lage in Ägypten schleunigst hunderte von Problemen anzugehen haben, die sich teilweise schon vor der Revolution angesammelt hatten, das Land aber in den seither vergangenen zwei Jahren der Anarchie weiter in Richtung Koma gebracht haben.
Nichtsdestotrotz wird die alte Garde nicht so einfach verschwinden. Es sieht ein wenig so aus, als versuche sie die Strippen an die Moslembrüder zu legen, derer sie sich dann und wann bedienen will, damit es letzteren niemals einfallen möge, die Privilegien und das Eigentum der “Aristokratie” aus Mubarak-Tagen anzutasten. Wenn die “Brüder” solche Winke allerdings nicht verstehen sollten, so kann es sein, dass es weiteren Druck und am Ende vielleicht doch einen Versuch geben wird, sich die Macht zurückzuholen.

Ägypten: einen Anfang kennt die Revolution…

Die Scheichs gönnen sich mal wieder etwas: Katar mietet die Gizeh-Pyramiden. Israels Kriegsschiffe dürfen beim Durchfahren des Suezkanals nun Flagge zeigen. Eigentlich alles keine große Sache, irgendwie muss man ja schließlich an Geld kommen. Aber für die jetzt in ständiger Hysterie torkelnde ägyptische Masse noch weitere Gründe zu “Protesten” nach Art des Hauses. Port Said, Brennpunkt der derzeitigen Unruhen, ist übrigens einer der Orte, an dem Katar vornehmlich in Ägypten investiert.
Die chaotischen Ereignisse im Land rufen selbst beim konsequentesten Gegner der jetzigen nominellen Machthaber aus Moslembrüdern Ungemach hervor: Husni Mubarak meldet sich unerwartet aus seiner Gefangenschaft und ruft über seinen Anwalt die Ägypter dazu auf, sich hinter den gewählten Präsidenten Mohammed Morsi zu stellen, um ein Auseinanderfallen des Landes zu verhindern.
Freilich reden Leute, die so halbwegs über die Hintergründe der derzeitigen Ereignisse in Ägypten informiert sind, immer öfter davon, dass diese Ereignisse nichts anderes als Stadien eines gewissen Projekts sind – und zwar keines einer böswilligen auswärtigen Macht, wie man das inzwischen gewohnt sein mag, sondern des Strebens der ehemaligen Nomenklatura, welche gezwungen gewesen ist, von der Macht im Staate zu lassen.
Ein Teil der Armee, der Sicherheitsdienste und der bürgerlichen Elite des Landes wollen bewußt eine chaotische Situation herbeiführen. Wenn man sehr will, stellt das auch keine allzu große Schwierigkeit dar, denn der größte Teil des Machtapparats bis hinauf in die Spitzen ist nach wie vor mit den alten Kadern besetzt, die schon unter Mubarak an diesen Stellen saßen. Die Handlungsunfähigkeit und der Unwille der Polizei, die durchaus betont provokanten Gerichtsurteile, die demonstrative Gleichgültigkeit der Armee – all das führt letzten Endes zu einer kompletten Diskreditierung sowohl der Regierung als auch der Opposition. Dabei sitzen sowohl Regierung als auch Opposition in einem Boot – sie haben weder die Ideen, noch die Mittel, die anstehenden – vor allem wirtschaftlichen – Probleme in Angriff zu nehmen. Und da sie nicht wissen, womit und wie genau man diese Probleme angeht, können weder Regierung, noch Opposition ihre Position dazu klar artikulieren.
Man kann eigentlich inzwischen davon reden, dass hier de facto die Voraussetzungen für einen Militärputsch geschaffen werden.
Der ägyptische “Arabische Frühling” war von Beginn an betont säkular – die Protestierenden wandten sich gegen die “Unablöslichkeit” der Staatsführung und die grassierende Korruption der Beamten. Allerdings haben es die Islamisten geschafft, den revolutionären Antrieb der Massen in ihrem Sinne zu steuern und darüberhinaus den niedrigen Bildungsgrad der Jugend dazu zu nutzen, den jungen und energischen Massen recht einfache und geradlinige Ideen einzugeben.
In Folge der Revolution kam es in Ägypten zur Bildung dreier antagonistischer politischer Kräfte: die vom Futtertrog weggestoßene Nomenklatura, der von einfachen Lösungsversprechen verführte Pöbel aus den “Randgebieten” und die wie immer hilf- und zahnlosen Westler-Intellektuellen. Die erste dieser drei Kräfte ist momentan damit beschäftigt, die beiden anderen gegeneinander aufzuhetzen und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen zu lassen, wodurch sie den Boden für ihre Rückkehr an die Macht bereitet.
Das ist denn wohl auch der Grund dafür, dass Mubarak sich so plötzlich und unerwartet für Morsi ausspricht. Morsi ist und bleibt natürlich ein Feind Mubaraks und seiner Weltanschauung. Doch die alte ägyptische Nomenklatura hat Mubarak seinerzeit verraten und ausgeliefert, deshalb ist er ihr gegenüber durchaus nicht von zärtlichen und nostalgischen Gefühle erfüllt. Das liegt in der Vergangenheit. Kommt diese alte Nomenklatura wieder vollumfänglich ans Steuer, so kann das umso mehr ein Auseinanderfallen des Landes bedeuten. Schon allein deshalb, weil auch sie sich bis jetzt keine Ahnung von einem Ausweg aus der momentanen Sackgasse anmerken lässt.
PS. Zur Revolution in der Überschrift: „…ein Ende kennt sie nicht!“

Verspätetes zum Frauentag

Samira Ibrahim; Bild: Gigi Ibrahim, Flickr
„(In) quasi letzter Minute kam ans Licht, dass eine der zu ehrenden Frauen, die Ägypterin Samira Ibrahim, eine hasserfüllte Antisemitin und Antiamerikanerin ist… Man fragt sich, wie das amerikanische Außenministerium einer solchen hasserfüllten Frau auf den Leim gehen konnte. Und ob die Amerikaner in der arabischen Zivilgesellschaft wirklich nach den richtigen Verbündeten gesucht haben.“ 
Tatsächlich ist es so, dass wenn schon jemand eine Ehrung für Zivilcourage verdient hat, das zweifelsohne Frau Ibrahim wäre. Abgesehen davon, dass sie eine der ersten Frauen war, die damals auf den Tahrir-Platz gegangen ist, als die Lage noch vollkommen unklar und wahrscheinlich auch hoffnungslos schien, dass sie auch eine der ersten gewesen ist, die es riskiert hat, mit westlichen NGOs zusammenzuarbeiten – auch in den Verliesen des „blutigen Regimes“ bot sie gar dem Militär und dem ganzen Apparat die Stirn und hat’s doch im Endeffekt tatsächlich geschafft, das System zu besiegen. Bedenkt man die Spezifik einer arabischen Gesellschaft, so hat sie nicht nur Zivilcourage, sondern wahren Heldenmut bewiesen, und alle „FeministInnen“ der ganzen Welt wären eigentlich verpflichtet, Samira noch zu Lebzeiten Denkmäler zu errichten. 
Was nun ihre beanstandeten Tweets angeht, so ist Frau Ibrahim eine bekannte pro-palästinensische Aktivistin, mit anderen Worten, und wieder unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Verhältnisse, kann sie per definitionem keine Sympathien für Israel und die Juden hegen. Weshalb sie, wie die Presse ganz richtig bezeugt, sich positiv zum Anschlag in Burgas äußerte und eine relativ blöde Bemerkung zum Thema „11. September“ machte. Außerdem, was weniger aufgebauscht wird, nannte sie während der Tragödie in Libyen die Islamisten Dernas „prächtige Krieger der Revolution“. Aus ihren Ansichten hat sie dabei nie ein Hehl gemacht.
Da kommt man doch ins Grübeln. Bedenkt man: 
  1. die hervorragenden Beziehungen der USA und des State Department im Besonderen zu den arabischen Scheichs, welchselbige solche Anschläge wie den in Burgas sponsorn und sowohl den Staat Israel als auch die Juden generell ganz unverhohlen in die Hölle wünschen, und
  2. die aktive Zusammenarbeit der USA mit den „Revolutionären“ in Libyen, und die Lobeshymnen, die man ihnen 2011 in den Medien sang, 
ist es unmöglich, den Sinn hinter den Einwänden des State Department gegen die junge Ägypterin, die sich tatsächlich um ihresgleichen Willen in wirkliche Gefahr begeben hat und alles riskierte, zu erkennen. 
Klar ist aber zweifellos einmal mehr: kommt man auch nur um ein µ vom durch das jetzige Imperium des Guten verordneten Kurs ab, oder gibt es da auch nur eine Andeutung abweichender Ansichten, so wird die einstige „Zivilcourage“ selbst der eigenen Helden zu einem Grund, diese Leute weltweit an den Pranger zu stellen und schnell wieder zu demontieren. In diesem Sinne, liebe Demokraten: stillgestanden und Schnauze gehalten. Big Brother liebt euch.

Wochenschau, Folge 60

Pakistanische Armee bei der traditionellen Stechschritt-
Entspannungsübung; im Hintergrund ein Troß Orthopäden

Militärparaden sind seit geraumer Zeit nicht mehr Usus im „deutschen Sprachraum“, jedenfalls ist unsereins schon ein gewisses Unverständnis daran anerzogen worden, woran sich die Russen, Chinesen, Nordkoreaner und ein paar andere regelmäßig erbauen. Das mag damit zu tun haben, dass „Patriotismus“ hier ein Begriff ist, der überkommen anmutet: wer einen Krieg „verliert“, muss eben wohl damit leben, dass er vom Überlegenen in seinen Ambitionen klein gehalten wird.

Hier jedenfalls ist indirekt die Rede davon, was der russische Generalstab vor ein paar Tagen mysteriös angedeutet hat: „Russische Armee bereit zu einem Großkrieg“. Es wird gerasselt und mit Muskeln gespielt, und wenn da die Schubskinder der SU und der EU, die Letten, eine ähnliche Show abziehen wollen, kann man sich eigentlich wirklich nur darüber belustigen. In diesem Sinne sind die also in der aktuellen Folge dran.
Hintergrund: Tatsächlich glorifiziert das EU-Mitglied Lettland offen seine NS-Vergangenheit. Vielleicht eine Art Identitätsfindung in Opposition zur russisch dominierten UdSSR-Zeit. Tatsächlich wird in Lettland die russische Sprache „abgeschafft“. Die diesbezüglichen Noten der russischen Diplomatie sind eigentlich in aller Ohren. Beim „Militarismus“ sind die Balten aber doch ziemlich schwachbrüstig, was sie nicht daran hindert, sich auch damit noch lächerlich zu machen.
In Ägypten wurde der zweite Jahrestag der Revolution ausgiebig gefeiert. Und zwar mit den schon traditionell gewordenen Versuchen, Präsidentenpalast und Innenministerium zu erstürmen. Tausende Demonstranten fordern die sofortige Amstsenthebung Mohammed Morsis und eine Auflösung des Parlaments. Büros der “Moslembrüder” und staatliche Einrichtungen wurden demoliert, und die unternehmenslustigen Ägypter nahmen von dort alles mit, was irgendwie von Wert ist. In Zusammenstößen mit der Polizei sind rund dreißig Menschen ums Leben gekommen, einige hundert wurden verletzt. Zusätzliche Armeeeinheiten wurden nach Suez verlegt. Präsident Morsi hat vorsorglich das Land verlassen und rief seine Landsleute von Äthiopien aus dazu auf, die öffentliche Ordnung zu wahren.
Durch eine Entscheidung eines ägyptischen Gerichts wurde weiteres Öl ins Feuer gegossen. 20 Fussballfanatiker wurden zum Tode durch Erhängen verurteilt. Noch nirgends auf der Welt hatten es Hooligans mit einer solch strengen Verurteilung zu tun. Zur Erinnerung, der Grund für die harte Strafe ist die Randale bei einem Fussballspiel im vergangenen Jahr in Port Said. Infolge einer Massenschlägerei waren dort mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen. Die nunmehr mit dem Richterspruch unzufriedenen Ägypter gingen auf die Straßen und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, was nur zu weiteren Toten führte.
Die Lage in Ägypten ruft inzwischen weder Verwunderung, noch Belustigung, noch überhaupt irgendwelche Emotionen hervor. Es gibt keinen Zweifel daran, dass auch der dritte, vierte und alle folgenden Jahrestage der befreienden Revolution nach diesem Muster ablaufen werden. Hierbei darf man nicht vergessen, wer hinter dieser und auch anderen Revolutionen stand und immer fleißig Öl ins Feuer goß. Das sind jene, welche jetzt versuchen, sich elegant aus der Affäre zu ziehen.
Die aus ihrem Amt scheidende Chefin des US State Department, Hillary Clinton, wird sich wohl kaum irgendwo zu verantworten haben, für all die Fehler, welche zur Ursache des Todes unzähliger Menschen in den verschiedensten Teilen der Welt wurden.
Diese Woche hatte sie dem Senat Rede und Antwort zu stehen, doch aus diesem Auftritt machte sie eine in Erinnerung bleibende Show, ohne in der Sache Antworten zu liefern – nämlich, warum das State Department nicht auf die Signale des US-Botschafters in Libyen, Chris Stevens, reagiert hatte, in denen dieser deutlich machte, dass er bedroht werde; oder warum das State Department zwei Wochen dafür gebraucht hatte anzuerkennen, dass das ein geplanter terroristischer Angriff und nicht etwa affektives Handeln gewesen sei. Auf die direkten Fragen der Senatoren hämmerte Clinton mit der Faust auf den Tisch, ließ Tränen blicken und sprach vom Patriotismus der “einfachen amerikanischen Jungs”, alles in den übelsten Hollywood-Traditionen.
Hillary Clinton:

Was macht das an dieser Stelle für einen Unterschied? Fakt ist, dass vier Amerikaner ums Leben gekommen sind; wer sie umgebracht hat, ist nun schon nicht mehr so wichtig – ob es Demonstranten oder Terroristen waren.

Und damit hat sie sich tatsächlich herausgeredet. Es ist nicht gelungen, Clinton in die Enge zu treiben, dafür wird sie mit ihrer hohlen, aber flammenden Rede wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Manche sind sogar der Meinung, dies sei der Auftakt für eine große politische Karriere gewesen, denn in lediglich vier Jahren sind in den USA die nächsten Präsidentschaftswahlen, bei denen ein Kandidat der “Falken” mit etwas politischer Erfahrung durchaus gefragt sein könnte.

Im schweren Schritt des Militarismus

Russland setzt die größten Militärmanöver seiner jüngeren Geschichte im Mittelmeer fort. In Nordossetien begannen auf dem Truppenübungsplatz Darjal Übungen von Aufklärungseinheiten des Südlichen Militärbezirks.
In einem anderen Teil des Landes, im Östlichen Militärbezirk, liefen auf Truppenübungsplätzen in den Regionen Primorje und Transbaikalien, in den Bezirken Sachalin und Amursk, ebenso Übungen von Aufklärungseinheiten. Strategische Bomber vom Typ TU-95MS, die am 23. Januar vom Luftwaffenstützpunkt der Stadt Engels gestartet waren, haben ihre Übungsaufgaben im Rahmen einer strategischen Verzögerung erfolgreich absolviert. Die russischen Streitkräfte werden mit neuester Militärtechnik ausgestattet.
All das ruft tiefe Besorgnis unter den westlichen “Partnern” Russlands hervor. Besonders unter den europäischen Staaten, die im Brennpunkt eines hypothetischen russischen Angriffs stehen. Doch auch diese Staaten verlieren nicht das Vorhandensein von Mut und setzen der russischen Militärclique grandiose Militärparaden entgegen. Folgende nicht allzu hastige Aktion lief beispielsweise unlängst in Lettland:
Hier sehen wir, wie der Kommandeur der Parade herankommt… mit einem Säbel.
In weißer Tarnkleidung marschieren unsere Grenzsoldaten. So seltsam das auch ist, mit Kalaschnikows.
Danach kommen zwei Mercedes-Lastkraftwagen, auf deren Pritsche sich Soldaten der lettischen Armee aufgebaut haben.
Und da ist sie, die mächtige Artillerie. Danach kommt noch eine Brigade Fahnenträger, und hinterher kommt schon die mächtige, gewaltige Militärtechnik. Gewaltige schwedische Lastkraftwagen mit einem MG-Stand auf dem Dach.
Und wiederum zwei mächtige Mercedes-Lkws. … Ganz offenbar von der Marine, denn sie ziehen Wasserfahrzeuge hinter sich her.
Und wiederum…. wiederum sehen wir die Technik der Küstenwache. Über die Sicherheit unserer Küsten können wir beruhigt sein.
Quads, und auf ihnen unsere Grenzer. Kein einziger Grenzübertreter kann überhaupt ungestraft unsere Grenzen überqueren. Er wird von einem der schnellen Quads ereilt werden.
Nun, wir haben auch drei Panzer. Die kommen aber nicht hier durch, sonst würden sie den Asphalt beschädigen. Außerdem haben wir einen der Panzer offensichtlich den Esten geliehen, zur zeitweiligen Verwendung…

Nach Abschaffung der russischen Sprache und Aufmärschen von Helden aus Zeiten des faschistischen Deutschlands hat die lettische Führung beschlossen, Russland den Krieg zu erklären und Truppen auf russisches Gebiet vorrücken zu lassen. Vier Personen greifen von Kamtschatka aus an, drei aus Richtung des Schwarzen Meeres. Fünf nehmen die kasachische Staatsbürgerschaft an und fallen von Süden aus ein. Präsident Andris Bērziņš und seine Minister führen einen unerwarteten Schlag von Osten. Zwei Kämpfer der Sondereinheiten umsegeln die Welt und greifen, über die USA kommend, Wladiwostok an. Auf diese Weise wird nach Meinung der lettischen Führung die Russische Föderation umstellt sein, so dass die Taktik der Letten diesmal funktionieren wird.

“Wenn der Atomschlag euch ereilt…”

Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr morgens in der Zeitung einen Aufruf der Regierung lest, eure Keller zu befestigen, Lebensmittelvorräte anzulegen und euch auf einen Atomschlag vorzubereiten? Einen solchen Aufruf bekamen letztens die Bewohner der indischen Kaschmir-Provinz von der Verwaltung der Bürgerwehr:

Es ist angesagt, einen Zufluchtsort einzurichten, in welchem die gesamte Familie zwei Wochen lang überleben kann. Die Lebensmittel- und Wasservorräte sollten regelmäßig aufgefüllt werden. Bevorratet euch mit Kerzen und Taschenlampen mit Batterien. Wenn der Atomschlag euch in offenem Gelände ereilt, legt euch unverzüglich nieder und verbleibt in dieser Lage. Wartet ab, bis die Druckwelle vorüber ist und keine Trümmerteile mehr fallen. Wenn die Druckwelle euch nicht innerhalb von 5 Sekunden trifft, so heißt das, dass ihr weit genug vom Epizentrum der Explosion entfernt seid.

Grund für die Befürchtungen lieferte natürlich das benachbarte, atomar bewaffnete und Indien durchaus nicht allzu freundlich gesinnte Pakistan. Anfang des Jahres kam es zu einem Konflikt, in dessen Verlauf zwei indische und drei pakistanische Soldaten ums Leben kamen. Die beiden Atommächte können sich bezüglich der Aufteilung des Territoriums immer noch nicht einigen. Nicht zu vergessen, vor gar nicht so langer Zeit, nämlich 2002, ist diese Region nur knapp einer atomaren Feuersbrunst entgangen. Damals hatten beide Seiten um die 500.000 Armeeangehörige an den Grenzen zusammengezogen, und allein durch Schusswechsel sind mehr als 1.000 Menschen ums Leben gekommen. Einzig durch Vermittler ist es gelungen, einen weiteren indisch-pakistanischen Grenzkrieg zu verhindern: die USA verhandelten mit Pakistan, Russland mit Indien.
Nunmehr gibt es in Pakistan eine recht präkere Lage. Erstens ist die Wirtschaft in einem jämmerlichen Zustand, und es ist nicht so einfach, die fast 200 Millionen Menschen des Landes zu ernähren. Zweitens befindet sich der Staat vor der Gefahr eines neuerlichen Umsturzes. Zehntausende Prostestler gingen unter der Führung des islamischen Glaubenslehrers Tahir Kadri in Islamabad auf die Straßen und forderten einen Wechsel der politischen Führung des Landes.
Im Mai gibt es in Pakistan Parlamentschaftswahlen. Zu diesem Zeitpunkt soll die Krise ihren Höhepunkt erreicht haben. In diesem Zusammenhang sind die an die Inder ergangene Aufrufe, sich Zufluchtorte zu graben, offensichtlich durchaus nicht aus der Luft gegriffen.

Al-Investinator

Skyline von Doha, Katar

Wie man hört, will Katar 23 Milliarden US-Dollar in die Wirtschaft Ägyptens investieren. Diese Investitionen sollen zu einem großen Teil (10 Milliarden USD) in ein “touristisches Großprojekt” an der Küste des Mittelmeers sowie in den Wohnungsbau und Immobilien in Scharm el-Scheich, Hurghada und in den Vororten von Kairo fließen. ITAR-TASS (niemand sonst) nennt folgende weitere Details: 8 Milliarden USD von der Gesamtsumme fließen in den Bau von Industriezonen, Elektrizitätswerken, Flüssiggasterminals, Eisengießereien, Walzwerken und anderen Betrieben in der Gegend von Port Said. Diese insgesamt 18 Milliarden USD an Investitionen seien für einen Zeitraum von 5 Jahren angesetzt. Das übrige sind Kredite.

Mit anderen Worten: Katar kauft Ägypten, solange die ihm hörigen Moslembrüder dort an der Macht sind. Da es nicht gelungen ist, billigen Reibach in Libyen zu machen – der stiernackige Ali al-Sallabi verdrängt die katarischen Kreaturen aus der Kyrenaika, war vor kurzem in der Türkei, wo er den Türken in unmißverständlicher Form zu verstehen gegeben hat, dass sie in Libyen nicht willkommen sind – zieht der katarische Emir eben seine Schlüsse und ist nun wohl bereit, für strategische Positionen zu bezahlen.

Wochenschau, Folge 57 – Jahresrückblick 2012

Die Leute von „Umgestaltung der Welt“ wagen einen Jahresrückblick mit m.M.n. teils fragwürdigen Schlußfolgerungen. Man kann es sich aber durchaus einmal ansehen. Zugegeben, nicht allzu viele sind darauf gekommen, die US-Außenpolitik sei wegen eines toten Botschafters gleich gescheitert. Aber ich persönlich mag den positiven Grundtenor dieser (wie auch der meisten anderen) Folgen.

Das Jahr 2012 geht dem Ende entgegen und glücklicherweise kam es weder zum Weltuntergang, noch zum Beginn eines Dritten Weltkriegs. Wir wollen ein kleines Fazit wagen und die wichtigsten geopolitischen Ereignisse dabei hervorheben.

Fiasko der US-Außenpolitik

Zweifellos ist die wichtigste Schlussfolgerung des scheidenden Jahres das Fiasko der US-Außenpolitik. Jetzt, da man daran geht, die alten “Falken” aus der neuen Obama-Administration zu streichen, wird das besonders deutlich. Das plötzliche Gebrechen der alten Clinton, das sich bei ihr in Durchfall und einem Sturz mit Gehirnerschütterung zeigte, ist eine absolut treffende Charakterisierung der Ergebnisse der US-Strategen. Diese haben es nicht nur geschafft, sich die Köpfe einzurennen, sondern haben sich dabei auch noch ordentlich in die Hosen gemacht. Schlecht ist natürlich, dass dabei so viele unschuldige Menschen sterben mussten.
Manche sind der Ansicht, dass die USA durch ihre Aktionen in bestimmten Punkten der Welt das so genannte “gesteuerte Chaos” generieren wollten. Im Moment sieht eine solche Behauptung recht fragwürdig aus, da es den USA nirgends gelungen ist, dieses Chaos auch nur ansatzweise zu steuern. Um nicht leerer Worte bezichtigt zu werden, lasst uns einmal schauen, wie das ablief.
In Libyen ist das Resultat der Entmachtung Gaddafis, dass ein einstmals blühendes Land in einen Strudel von Stammeskämpfen verfiel, sowie auch der Mord am US-Botschafter Christopher Stevens. Während die Zerstörung eines blühenden Landes noch irgendwie zu den Interessen der USA paßt, sieht das mit dem Mord am Botschafter wohl anders aus. Dieser hat der Welt deutlich gezeigt, dass Washington bereits nicht einmal mehr in der Lage ist, die eigenen Interessen zu schützen.
In Afghanistan sieht es auch nicht besser aus. In diesem Jahr ist ein bedeutender Teil des ausländischen Militärkontingents abgezogen worden, doch sah das eher nach einem Fluchtergreifen aus. Die Militärbasen der USA sind über das ganze Jahr Angriffsziel der Taliban gewesen, abgeschossene NATO-Hubschrauber fielen vom Himmel, europäische Soldaten wurden von den Minen der Mudschaheddin zerrissen. Man erinnere sich auch an den “amerikanischen Breivik”, den durchgeknallten Robert Bales, der innerhalb einer Nacht ohne jeden Grund 16 friedliche Afghanen massakriert hat.
Fast ohne jede Aufmerksamkeit blieb indes noch ein Reinfall der USA, und zwar im Jemen. Durch die Bemühungen Washingtons wurde hier Präsident Ali Abdallah Saleh vom Posten verdrängt. Danach ging das Land in eine Folge endloser militärischer Zusammenstöße und Terroranschläge über. Die Al-Kaida befestigte sich im Süden des Landes und hat hier de facto ihren eigenen, unabhängigen Staat geschaffen. Auch das Morden zwischen Schiiten und Sunniten geriet im Jemen zu enormem Ausmaß. Der Höhepunkt des Versagens der US-Politik war die Plünderung der US-Botschaft nach einer Vorführung des Films “Die Unschuld der Moslems”. So haben die dankbaren Jemeniten Washington ihre tiefe Verbundenheit für die demokratischen Veränderungen in ihrem Land gezeigt.
Ein weiteres Beispiel für die Flaute, in der die amerikanische Flagge derzeit hängt, ist Ägypten. So viel Trara und PR es um den Sturz des “Tyrannen” Mubarak gab, so verhalten berichten nun die westlichen Medien über die Resultate des Arabischen Frühlings. Das ganze Jahr über ertönte das Gebrüll auf dem Tahrir-Platz. Das ganze Jahr lang haben sich die vom der Demokratie beglückten Ägypter gegenseitig die Köpfe mit Pflastersteinen eingeschlagen und amerikanische Fahnen in Fetzen gerissen. Das Ergebnis des ägyptischen “Frühlings” ist beeindruckend – ein vollkommener wirtschaftlicher Ruin, die Machtergreifung der Islamisten und tausende Opfer bei den nicht enden wollenden Unruhen. Vielen Dank, Großer Bruder!
Wir wollen annehmen, dass wir im kommenden Jahr Zeugen eines Zurückfahrens der militärischen Präsenz der USA im Nahen Osten sowie einer allmählichen Abkehr von der gescheiterten Politik direkter Einmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten werden.

Konfrontation des Jahres

Sicherlich war die Opposition zwischen Russland und den USA in diesem Jahr herausragend. Im Fokus dieser Auseinandersetzung lag Syrien, sie verlief aber auch an anderen Fronten – in Zentralasien, auf den Gebieten der Wirtschaft und der Rechtssprechung. In diesem Jahr fand das berühmte “Reset” der Beziehungen zwischen beiden Ländern faktisch keine Erwähnung mehr. Auch auf höchster Ebene wird inzwischen anerkannt – Russland und die USA haben zu verschiedene Ansichten zu den wichtigsten aktuellen Problemen.
Wer konnte in dieser Auseinandersetzung bisher bestehen? Das ist wohl Russland. Ein Zeugnis dafür ist das zwar ziemlich gebeutelte, aber doch bestehende Land Syrien. Wir wollen sicher nicht den Verdienst der syrischen Armee und des syrischen Volkes an diesem Erfolg schmälern. Doch man muss zugeben: wäre da nicht Russland, hätte Syrien es nicht mit hirnverbrannten Terroristen, sondern direkt mit dem NATO-Block zu tun. Der Ausgang einer solchen Konfrontation wäre offensichtlich. Wir können nur mutmaßen, welcher Anstrengung es bedurft hatte, dass Russland die Situation in diesem Fahrwasser halten konnte.
Einige Male wurde es kritisch: als das türkische Militärflugzeug an der syrischen Küste abgeschossen wurde und als Unbekannte von syrischer Seite aus türkisches Gebiet beschossen haben. In diesen Momenten hing wirklich alles an einem Haar, doch glücklicherweise fehlte es den “Partnern” von der anderen Seite des Ozeans an Entschlossenheit, eine Militärintervention zu starten. Auch die arabischen Sponsoren des Terrors in Syrien hatten nicht genug Mumm für eine offene Konfrontation. Wohl nicht umsonst kreuzte die russische Kriegsmarine über das ganze Jahr im Mittelmeer. Die Andeutung wurde verstanden.
Nicht minder wichtig ist auch die wirtschaftliche Seite der Auseinandersetzung gewesen. Auch in dieser Hinsicht war das Jahr für Russland sehr erfolgreich. Erstens ist mit dem Bau der Pipeline “South Stream” begonnen worden – einer Erdgaspipeline nach Europa, welche die Ukraine umgeht. Zweitens wurde der Bau der Abzweigungen des “North Stream” vollendet. Drittens wurde das Projekt mit dem Namen ESPO-2 in die Tat umgesetzt – eine Erdölpipeline aus Ostsibirien an den Stillen Ozean, welche die Märkte Asiens für russisches Öl erschließt.
In den USA und Europa gibt es in Wirtschaftsbelangen nichts als Enttäuschungen – eine sich übermäßig aufblähende Staatsverschuldung, die sich Richtung Finanzkollaps der Eurozone entwickelt, Arbeitslosigkeit und Rückgang der Produktion.
Im kommenden Jahr wird dieser Widerstreit sicherlich nicht verschwinden, doch es wird wohl die Europäische Union sein, welche an dieser Stelle zur Keule der USA werden soll.

Eurasische Integration

Vielleicht wissen es unsere ausländischen Zuschauer nicht, doch auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion geht man ein globales Integrationsprojekt an. Es soll in der Perspektive die ehemaligen Sowjetrepubliken zu einer einheitlichen Wirtschafts- und Verteidigungsunion vereinen. Das ist ein schwieriger Prozess und er läuft nicht so schnell, wie man das gern hätte, doch es geht alles in allem recht entschlossen voran.
Ein gutes Zeichen dafür ist die kürzliche Verlautbarung von Hillary Clinton darüber, dass man es Russland nicht gestatten dürfe, eine “neue Version der Sowjetunion” zu schaffen, egal, wie diese genannt würde.
Wladimir Putin:

Es befremdet mich immer sehr, wenn manche unserer ausländischen Kollegen sagen, dass – wenn wir den Weg der Integration beschreiten, so seien das wiedererstarkende “Ambitionen” Russlands aus der ehemaligen Sowjetunion. Welch ein Blödsinn! Für uns ist das ein vollkommen natürlicher Prozess, denn bei uns gibt es dafür Voraussetzungen, die andere Integrationsprozesse gar nicht hatten: wir haben eine gemeinsame Sprache, die große russische Sprache, wir haben bis zu gewissem Grad eine gemeinsame Mentalität, da wir alle aus einem Staat hervorgegangen sind; wir haben eine gemeinsame Transportinfrastruktur, eine gemeinsame Infrastruktur in der Energieversorgung, bei uns gibt es enorme, nicht mit anderen Ländern und anderen Integrationsprojekten zu vergleichende Kooperation zwischen den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Und man muss sagen, auch in unseren Kulturen gibt es sehr viel Gemeinsames, und deshalb ist das für uns eine auf Erhöhung unserer Wettbewerbsfähigkeit hinauslaufende Richtung.

Tatsächlich haben die “Partner” von der anderen Seite des Ozeans in diesem Jahr alles mögliche unternommen, um diese Integration zu behindern. So sind die Ukraine und Usbekistan praktisch aus diesem Prozess ausgeschieden. Das aber bis auf weiteres. Dafür bestehen stabile Beziehungen zwischen Russland und Kasachstan. Kasachstan wurde in diesem Jahr besonders beharrlich gesprengt, terrorisiert und destabilisiert, doch all das umsonst. Es ist nicht gelungen, Feindschaft zwischen Russland und Kasachstan zu säen.
Es gelang auch nicht, Kirgisien und Tadschikistan von Russland zu entfremden. Viele fragen sich, wozu Russland diese zentralasiatischen Republiken mit ihrer schwachen Wirtschaft und dem schwachen Militär braucht. Das haben wir mehrmals hervorgehoben – je stärker die Positionen Russlands in Zentralasien sowie auf dem Kaukasus sind, desto ruhiger wird es in Moskau, Sankt-Petersburg, Nowosibirks und anderen Städten sein.
Ende des Jahres wurden Schlüsselfragen geklärt – die Pachtfrist für russische Militärobjekte in Kirgisien und Tadschikistan wurde verlängert. Allen ist klar, dass mit dem Abzug der internationalen Koalition aus Afghanistan im Jahr 2014 die Grenzen dieser Republiken faktisch zu den Grenzen Russlands werden. Genau damit hängen die zahlreichen Militärmanöver im Rahmen der OVKS zusammen. Die OVKS ist ein der NATO und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit analoges Bündnis.
Im kommenden Jahr wird sich der Prozess der eurasischen Integration fortsetzen. Auf der Tagesordnung werden der Beitritt Kirgisiens in die Zollunion stehen, sowie auch die Umrüstung und der Ausbau russischer Militärbasen in Zentralasien, und natürlich der Kampf mit dem Drogenschmuggel aus Afghanistan. 
Alexandr Lukaschenko:

Im Jahr 2015 wird es die Eurasische Union mit Sicherheit geben. Mit Sicherheit. Mit Russland und Weißrussland gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme. Wir vertreten eine gemeinsame Position.

Islamischer Fanatismus

Sicherlich ist religiöser Fanatismus keine Entdeckung aus diesem Jahr. Allerdings war er in diesem Jahr das hauptsächliche Instrument der Destabilisierung der weltweiten Lage. Dabei ist er an Orten aufgetreten, wo man damit eigentlich nicht rechnen konnte. Beispielsweise im Herzen Russlands. Die, welche unsere Folgen gesehen haben, können sich sicher gut daran erinnern, dass plötzlich selbsternannte “Emire” eines wahhabitischen Untergrunds wie die Springteufel in Tatarstan zu erscheinen begannen. Leider wurde diese Bedrohung nicht rechtzeitig identifiziert und kostete so den geistlichen Führer der Moslems in der Wolga-Region, Walliula Jakupow das Leben. Er wurde von Terroristen an der Schwelle des eigenen Hauses ermordet.
Allerdings wurde ein solches Signal richtig gedeutet und bald begann man, sich mit diesem terroristischen Untergrund zu befassen. Das nun aber nicht nur in Tatarstan, sondern in ganz Russland. Es wurden eine ganze Reihe an Zellen der terroristsichen Hisb-ut-Tahrir aufgedeckt und deren Anführer verhaftet.
Gleichzeitig wurde der Anti-Terror-Kampf im Nordkaukasus fortgeführt. Im Zentrum standen Inguschetien und Dagestan. Auch hier ging es leider nicht ohne spektakuläre Auftragsmorde aus. In Dagestan wurde beispielsweise Said Afandi, eine bedeutende religiöse Persönlichkeit, bei einem Anschlag getötet. Die beiden Morde an Afandi und Jakupow stellen eine Herausforderung des radikalen Islam gegenüber dem traditionellen dar, denn beide Prediger waren Kritiker des Wahhabismus. Damit ist also eine potentielle Bruchlinie zutage getreten, an der entlang die Feinde Russlands auch weiterhin tätig sein werden. Das Ziel ist offensichtlich, die Zustände in Russland zu einer endlosen Verkettung von Terroranschlägen zu machen, ähnlich wie in Afghanistan, Jemen und Irak. Also so wie dort, wo Moslems seltsamerweise Moslems umbringen, nur, weil sie ihre heiligen Schriften verschieden auslegen.
Es ist wahrscheinlich, dass genau diese Art der Destabilisierung der russischen Gesellschaft im nächsten Jahr vorherrschend wird; andere Methoden haben sich bislang als wenig passend erwiesen.

Innenpolitik Russland

Im herausragendsten war hier das Fiasko der Protestaktionen in Russland und die neue Machtkonfiguration. Über das Erlöschen der Proteste der russischen Oppositionellen wurde schon viel gesagt, es wäre unsinnig, das alles zu wiederholen. Das Resultat liegt auf der Hand – die frischgebackenen Revoluzzer haben sich auf den Straßen als vollkommen unfähig erwiesen und nur sich selbst diskreditiert. Die Staatsmacht machte sich das zunutze und hat anhand dieser Vorkommnisse gewisse Polittechnologien erproben können. Das ist denn auch alles, was der mißratene “Russische Frühling” bewirkte.
Viel interessanter sind neue Konstellationen in der Staatsmacht. Wladimir Putin kehrte ins Präsidentenamt zurück, das Ministerkabinett wird von Dmitrij Medwedew angeführt. Das erweckt den Anschein einer Doppelherrschaft, denn es sind einige als liberal geltende Minister im neuen Kabinett vertreten. Das ganze Jahr über konnte man die große Show der Privatisierung der Filetstücke der russischen Wirtschaft mitverfolgen. Medwedew und sein Team haben ihren Standpunkt, der Staat solle sich komplett aus allen Wirtschaftsunternehmen zurückziehen, aktiv vorangetrieben, dabei hat Putin jedoch versprochen, dass die “strategischen Branchen”, solche wie die Rüstungsindustrie und die Förderung von Erdöl und Erdgas, keineswegs zur Beute der Privatwirtschaft werden.
Dieses Versprechen hielt er zum offensichtlichen Verdruss des liberalen Blocks innerhalb der Staatsmacht. Allerdings halten wir es für unangemessen, die Tiefe der Spaltung überzubewerten. Ja, es gibt Meinungsverschiedenheiten zu Eigentumsverhältnissen, zum Staatsbudget, selbst zum Kurs, den das Land weiter verfolgen soll, doch sind diese Meinungsverschiedenheiten nicht kritischer Natur und es wird im kommenden Jahr deswegen wohl kaum zu einer Regierungsneubildung kommen, wie das manche Politologen vorhersagen. Schlussendlich liegt das Hauptaugenmerk der Regierung in der Stabilität, um derentwillen es immer Kompromisse geben wird, ganz ungeachtet der politischen Ansichten der jeweiligen Gegner. Freilich müssen wir, die Hand auf’s Herz gelegt, zugeben, dass wir uns einen anderen Kurs wünschen würden – einen, der sich weniger um die Stabilität der Macht kümmert, als vielmehr auf intensives und extensives Wachstum abzielt. Vielleicht werden unsere Hoffnungen im kommenden Jahr wenigstens zum Teil erfüllt.

Nachwort

Vom psychologischen Standpunkt war das scheidende Jahr sehr angespannt. Es hat das Leben einer großen Zahl vollkommen unschuldiger Menschen in allen Teilen der Welt mit sich gerissen. Insgesamt ist das Hauptdefizit der jetzigen menschlichen Gesellschaft zutage getreten – das ist die Besonnenheit. Sie ist zu einem wahrhaft selten anzutreffenden Zug geworden, sowohl bei Politikern, wie auch bei einfachen Leuten. Ich möchte uns allen gern im Namen unseres gesamten Projekts wünschen, im Neuen Jahr besonnen zu sein: keinen Manipulationen nachgeben, an sich selbst arbeiten, neue Erkenntnisse anstreben. Nur dann wird die Umgestaltung der Welt nicht mehr mit neuen Kriegen assoziiert werden, sondern mit einem globalen Vorankommen der Zivilisation.
Viel Erfolg, gute Gesundheit und Besonnenheit im Neuen Jahr!

Wochenschau, Folge 56

Kurzes Vorwort zu Nordkorea: gerade heute wurde gemeldet, dass die Nordkoreaner die Startanlage ihrer Rakete wieder demontieren. Mal sehen, für wie lange.

* * *

Die Visite Waldimir Putins in die Türkei ist genau so verlaufen, wie wir es vermutet hatten – in Wirtschaftsfragen wurde man sich einig, zu Syrien nicht. Wie auf Bestellung zu dieser Visite wird die Welt wieder mit der von den chemischen Waffen Baschar al-Assads ausgehenden Gefahr geschreckt. Zuerst offenbart das Pentagon das furchtbare Geheimnis, die Giftstoffe seien für den Einsatz vorbereitet und müssten innerhalb des Mindesthaltbarkeitsdatums gebraucht werden – also innerhalb von 2 Monaten.

Barack Obama:

Wenn ihr den tragischen Fehler begeht und diese Waffen anwendet, so wird das Folgen haben. Dafür werdet ihr Rechenschaft ablegen.

Leon Panetta:

Das wird mit Sicherheit Folgen haben.

Hillary Clinton:

Das wäre der letzte Tropfen.

Danach bestätigten die Briten unter Verweis auf nachrichtendienstliche Quellen diese Information – das “Assad-Regime” sei bereit, Rebellen und Zivilsten mit chemischen Kampfstoffen einzudecken. Niemand klärt indes, aus welchem Grunde Assad sich auf diese Weise sein eigenes Todesurteil sprechen sollte. Das Ziel des Einwurfs ist aber insofern erreicht, dass Putin vor den Augen der West-Öffentlichkeit mal wieder als Beschützer eines “blutigen Regimes” dasteht.
Als diese Folge noch in Arbeit war, kam die Nachricht, die Rebellen hätten eine Chemiefabrik nahe Aleppo in ihre Hände gebracht. Das Aufbauschen der Hysterie um die Chemiewaffen könnte diesmal also auch wirkliche Folgen haben.
Kaum jemand registrierte dabei, dass die USA hinter dem Lärm um Assads Chemiewaffen einen weiteren unterirdischen Kernwaffentest durchgeführt haben. Die Atomexplosion ereignete sich auf einem Versuchsgelände in der Wüste des Bundesstaates Nevada. Insgesamt ist dies bereits das 27. subkritische Experiment; das vergangene lief im Februar 2011. Zu bemerken ist, dass von Washington seit Ende der 1990er Jahre keinerlei internationale Beobachter zu diesen Tests zugelassen werden. Auch diesmal gab es keine Zeugen. Um die Weltöffentlichkeit allerdings zu beruhigen, wurde ein Video vom Ort der Explosion und eine kurze Pressenotiz veröffentlicht.
Darin wird gesagt, dass die Tests ausschließlich der Sicherheit bei der Lagerung von Atomsprengköpfen dienen.
Die erste Reaktion kam aus dem Iran – bekanntermaßen genießt man es dort, die Amis zu provozieren. “Das Experiment beweist, dass Washington nach wie vor eine Politik verfolgt, welche auf Massenvernichtungswaffen basiert und die weltweiten Rufe nach atomarer Abrüstung ignoriert.” So heißt es in einer Note des iranischen Außenministeriums.
Danach regten sich die Japaner auf. Der Bürgermeister von Hiroshima, Kazumi Mazui, interessierte sich dafür, weshalb die Obama-Administration diese Tests durchführen ließ, obwohl sie immer vorgibt, eine “kernwaffenfreie Welt” anzustreben.
Die Japaner sind ja die, welche die US-amerikanische Friedfertigkeit ganz besonders gut einschätzen können. Im August 1945 stürzte Präsident Truman, ohne mit der Wimper zu zucken, tausende japanische Zivilisten in den Feuertod. Und war dann auch noch stolz auf sich, dass er als gewissenhafter Mensch die Atombombe nicht auf die japanische Hauptstadt abwerfen ließ.
Doch wir schweifen ab. Wichtiger sind die Bewegungen US-amerikanischer Verbände vergangene Woche in der Region. Der Flugzeugträger Dwight D. Eisenhower kam aus dem Persischen Golf über den Suezkanal ins Mittelmeer und befindet sich in unmittelbarer Nähe syrischer Gewässer. An Bord befinden sich 70 Jagdflugzeuge und Bomber, die Gesamtzahl der Seeleute, Piloten und Marineinfanteristen an Bord beträgt 8.000. In der Gegend befinden sich ebenso Landungsschiffe mit insgesamt 2.500 Marineinfanteristen an Bord. Diese Gruppierung ist sicher nicht nur aus Spaß hier.
Die Ankunft der USS “Eisenhower” veranlaßte den russischen Generalstab, den Fortgang russischer Flottenverbände aus dem Mittelmeer zu verschieben. Eine Einheit der russischen Schwarzmeerflotte mit dem Raketenkreuzer “Moskwa”, dem Wachschiff “Smetliwyj”, den zwei großen Landungsboten “Nowotscherkassk” und “Saratow” samt Versorgungsschiffen befindet sich im Ägäischen Meer und hat Befehl, bis auf Widerruf durch den Generalstab in der Region zu verbleiben.

Iranisches Trolling

Man muss schon zugeben, dass der Iran im Trolling nicht nur ein Meister, sondern ein anerkannter Spezialist ist. Alle erinnern sich an die Geschichte mit dem Abfang der US-amerikanischen Drohne, welche dann im iranischen Fernsehen vorgeführt wurde. Damals hat sich das Pentagon lange dagegen gesträubt: das sei iranische Propaganda, sie würden keine Drohne vermissen. Die Iraner machten dann einfach eine Kopie dieser streng geheimen Drohne. Als Spielmodell.
Vergangene Woche wiederholte sich diese Konstellation exakt. Die Iraner fingen noch eine amerikanische Drohne ab – wahrscheinlich wieder unter Anwendung der russischen Radarstöranlage Avtobaza. Und wieder gibt sich das Pentagon vollkommen unbeeindruckt – das ist gar nicht unsere Drohne und das ist wieder eine Erfindung der iranischen Propaganda. Die Iraner zeigten prompt die Beute im Fernsehen und rieten den Amerikanern, ihr Spionageflieger zu zählen, ob denn etwas fehle. Die Dementis der USA sind leicht verständlich – die Fluggeräte wurden in iranischem Luftraum abgefangen und spionierten eben. Übrigens wurde kurz zuvor noch eine US-amerikanische Drohne über dem Iran geortet, doch die iranischen Revolutionsgarden gingen nicht daran, den Vogel vom Himmel zu holen, sondern vertrieben ihn einfach durch Schüsse aus Luftabwehrkanonen.
Hier noch ein Beispiel für das eklatante Verhalten des Iran. Die Beobachter schlagen Alarm – iranische Öltanker senden falsche Signale an Ortungssatelliten, wodurch die Tracking-Systeme durcheinandergeraten. Die Tanker verschwinden, tauchen an seltsamen Orten wieder auf und laufen auf unmöglichem Kurs. Aus diesem Grunde ist es mit diesen Mitteln nicht möglich, ihre Bewegungen zu verfolgen. Damit wird die Überwachung der Sanktionen gegen die Islamische Republik problematisch.
Um es in moderner Sprache zu formulieren, die Iraner sind Trolls, und mitunter bekommt man den Eindruck, dass sie gehörigen Spaß an dieser Rolle haben.

Der Fluch der Pharaonen

Der ägyptische “Arabische Frühling” ist auch zwei Jahre nach dem Sturz Mubaraks nicht zum Halten gekommen. Der Tyrann ist gestürzt, an seiner Stelle steht ein moderner und global denkender Regent, es will aber keine Ordnung einkehren. Immer noch schlagen sich die Ägypter nach den Freitagsgebeten gegenseitig auf dem Tahrir-Platz die Köpfe ein, immer noch hört man Aufrufe, die “Macht zu ergreifen” und demokratische Reformen durchzuführen. Es ist, als schwebe ein alter Fluch über diesem Land, der niemanden, der den alten Pharao ins Verließ beförderte, den langersehnten Frieden finden läßt.
Doch die Realität besteht darin, dass der Machtwechsel die vielen wirtschaftlichen Probleme Ägyptens nicht behoben hat. Treibstoff wurde nicht billiger, es gibt nach wie vor lange Schlangen danach. Die Armen und die Alten haben keine weitreichendere Unterstützung durch den Staat, der Staat selbst ist gezwungen, seine Verschuldung zu vergrößern und sich den räuberischen Bedingungen des IWF zu beugen. Dazu noch beschloss der neue Machthaber, kaum saß er auf dem Thron, die Verfassung zu ändern und sich mit nahezu grenzenlosen Befugnissen auszustatten, dabei das Land de facto zu einem Schariat umzubauen.
Das nun konnten die Ägypter nicht mehr dulden, und so kam es, dass – wie vor zwei Jahren – Zehntausende mit Back- und Pflastersteinen auf die Straßen gingen. Wieder einmal stehen Panzer um den Präsidentenpalast herum, wieder feuert die Polizei mit Tränengas. Dazu brannten die Büros der “Moslembrüder” im ganzen Land. Ägypten balanciert wieder am Rande einer neuen Revolution.
Präsident Mursi legte also den Rückwärtsgang ein und machte der Opposition Zugeständnisse, doch das Volk fordert jetzt bereits seinen Rücktritt. Es ist gar nicht so wichtig, wer an seine Stelle tritt. Scheinbar ist die Luft hier so beschaffen, dass selbst ein noch so fortschrittlich denkender Regent mit den ersten Tagen nach seiner Machtergreifung das Blut seiner Vorfahren in sich zu spüren beginnt und in ihm diktatorische Ambitionen erwachen.

“Woll’n wir… kaboom?”

Noch jemand hält die Welt davon ab, sich in aller Ruhe auf das Weihnachtsfest vorzubereiten – dieser rundgesichtige Jüngling, der nordkoreanische Führer Kim Jong Un. Dabei widerspricht die Welt sich hier auf gewohnte Weise selbst. Einerseits hört man immer, das nordkoreanische Atomprogramm sei ein Fake, andererseits werden enorme Kräfte mobilisiert, um die nordkoreansiche Rakete abzufangen. Die böswillige “Unha-3” zielt vom Kosmodrom “Sohe” aus in den Himmel und ist sogar schon mit Treibstoff betankt. Doch der gewiefte nordkoreanische Fähnrich hat keine Eile damit, den roten Knopf zu drücken.
Er schaut zufrieden dabei zu, wie die kapitalistischen Haie um ihn herum zappeln: die Japaner versetzen ihre Luftabwehr in höchste Alarmbereitschaft, die südlichen Nachbarn sandten bereits zwei Torpedoboote aus, ein drittes folgt in Kürze. Auch die Amerikaner stehen für den Abfang bereit. Weshalb fürchen sich denn alle so vor einem nordkoreanischen Wettersatelliten?
Niemand weiß genau, wann der Start erfolgen soll, aber wahrscheinlich noch vor dem 22. Dezember. Vielleicht passiert das zum Jahrestag des Todes von Kim Jong Il am 17. Dezember, vielleicht wird es aus Gründen des Wetters auch verschoben. Wenn der Start am 21. Dezember erfolgt, geht der Preis für Trolling natürlich verdientermaßen von den Iranern an die Nordkoreaner über. Falls sich dann noch solche finden, die einen Preis verleihen können.