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Fursow: Ukraine – Rammbock gegen Russland

Der “Publikumsliebling” Prof. Andrej Fursow hat dann und wann, immer mal wieder seine Auftritte, so auch ganz selbstverständlich im Zusammenhang mit dem Putsch in Kiew Ende Februar. An seinen Einschätzungen der Lage ist wahrscheinlich der geisteswissenschaftliche Faktor die Komponente, die sie dem Leser unabhängig von Glaubwürdigkeit oder Nachvollziehbarkeit einerseits hochinteressant, andererseits schwer verdaulich macht. Es kann gar nicht anders gehen, als von relativ fest umrissenen, lokalen Problemen gleich auf die Weltarena auszuholen und Dinge herzuleiten, die man selten, wenn überhaupt, je wahrgenommen hat.

andrej_iljitsch_fursowFursow ist dabei Vertreter einer Linie an Ideologen, die vom “westlichen” – oder besser gesagt: liberalen – Standpunkt aus immer falsch eingeordnet werden, indem man sie recht ohnmächtig mal als “post-stalinistisch”, mal als “post-faschistisch” verunglimpft. Am besten erkennt man das an den eigenartigen Versuchen, den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, ideologisch im herkömmlichen – d.h. im liberalen – Weltbild zu platzieren. Er sei “Post-Faschist”, er sei “Neo-Stalinist”, “Zar”, “kein Linker”, will dabei aber die Sowjetunion wieder aufbauen usw. usf. – alles Unsinn, der bestenfalls den Urheber solcher Äußerungen qualifiziert. Es wurde sogar eigens eine neue Kategorie geschaffen, worin die ganzen mühsamen liberalen Gedankengänge gespiegelt werden.

Natürlich gibt es auch Publikationen, die in die richtige Richtung deuten. Die gleichen Medien fallen aber im Allgemeinen recht schnell in gewohnte Schemata zurück, und schon sind wir wieder beim Alten.

Wer sich dem angeblichen “Phänomen” Putin nähern will, kann das, indem er sich – wie Alexander Rahr bei der “Welt” meint – mit Solschenizyn beschäftigt, oder, wer’s etwas eigenartiger und dabei moderner mag – mit Alexander Dugin oder Sergej Kurginjan. Zwar finden sich all diese Personalien vom liberalen Diskurs gewohnt unter “rechtsextrem” verortet – weil da einfach die passenden Kategorien fehlen, so dass man sich einstweilen mit “kreml-nah” oder  “Putin-Versteher” behilft – , aber Dugin beispielsweise ist bekennender Altritualist, steht insofern im Erbe einer klassischen Opposition zur herrschenden Klasse in Russland und kann schon allein deshalb sicher nicht als “kreml-nah” bezeichnet werden. Kurginjan nun ist Restaurator einer Sowjetunion, vertritt dabei aber die Meinung eines russischen “exceptionalism”. Das Schlagwort bei all dem ist aber: Eurasien.

Für Liebhaber von “Light”-Versionen von alledem gibt’s den Historiker Professor Fursow. Viel Spaß beim Lesen. Das folgende Interview mit Fursow erschien am 1. März 2014 auf VZ.ru. Die Übersetzung ist leicht gekürzt.


“Vsgljad” (VZ.ru) führt ein Interview mit Andrej Fursow über die Vorgänge in der Ukraine, über die wichtigsten geopolitischen Herausforderungen für Russland und über das derzeitige Kräfteverhältnis auf dem globalen Schachbrett

Ukraine

Andrej Iljitsch, sind Sie damit einverstanden, dass die “Februarrevolution” in der Ukraine nicht nur vom Verzicht Kiews auf die Euro-Integration hervorgerufen wurde, sondern auch damit zusammenhängt, dass der Westen im Jahr 2013 eine empfindliche geopolitische Niederlage in Syrien einstecken musste?

Im vergangenen Jahr ist es dem Westen in beiden Fällen nicht gelungen, die Ergebnisse zu erreichen, die er sich zum Ziel gesetzt hatte – nämlich die Regierung Assad zu stürzen und in der Ukraine pro-westliche Kräfte an die Macht zu bringen, um damit die Ukraine endgültig Russland zu entreißen. Während es aber nun in der Syrien-Frage Differenzen innerhalb der kapitalistischen Welt-Führungsschicht gab – es gab eine einflußreiche Gruppierung, die eine Eskalation des Konflikts in Syrien und einen daraus erwachsenden regionalen Krieg nicht wünschte – so trat der Westen in der ukrainischen Frage geschlossen auf. Dabei ist vollkommen klar, dass die Ukraine rein wirtschaftlich keinerlei Interesse für die nordatlantischen Eliten darstellt – es geht darum, die Ukraine im geopolitischen Sinne Russland zu entreißen und sie zu einem Aufmarschgebiet gegen Russland zu machen.

Der Westen braucht die Ukraine einzig als geopolitisches Aufmarschgebiet gegen Russland

In der jetzigen Situation mit der Ukraine haben die USA und die Europäische Union deutlich und ohne Scham sowohl Heuchelei, als auch Doppelstandards und Russophobie demonstriert. Nur mit letzterer kann man ihr mehr als nur “tolerantes” Verhältnis zu den ukrainischen Nazis erklären, die zu SS-Marschmusik durch die Straßen Kiews marschierten. Die Logik dahinter ist simpel: wenn die Nazis in der Ukraine (genau wie die im Baltikum) gegen Russland sind, dann lässt man sie gewähren. Daran müssen sich die Amerikaner nun nicht erst noch gewöhnen: in den Jahren 1945-1946 haben sie unter aktiver Mitwirkung des russophoben Vatikan alles unternommen, um hochrangige Nazis (darunter auch offenkundige Kriegsverbrecher) dem Schlag zu entziehen und sie in die USA oder nach Lateinamerika zu verfrachten, um sie dann gegen die UdSSR einzusetzen. Die ukrainischen Ereignisse sind eine anschauliche Demonstration dessen, mit wem wir es hier zu tun haben.

Im Hagel Ihrer Kugeln, Frau Merkel

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vorgestern Unverständnis dafür geäußert, dass Putin an der Siegesparade auf der Krim teilzunehmen gedenkt. Fettnapf. Hier nur beispielhaft eine der Reaktionen, die es von den Russen darauf gab – die Meinung von Dmitrij Steschin, der momentan als Korrespondent von KP.ru in Slawjansk ist. Ein bißchen Polemik zum Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus.

merkel-putinIn der Karriere eines jeden Politikers kommt unbedingt irgendwann ein Moment, wenn nicht einmal mehr sorgfältig ausgewählte Worte helfen und es an der Reihe wäre, einfach einmal zu schweigen und die aktuelle Lage am besten gar nicht zu kommentieren. Im andern Fall kann aus dem Gesagten, wie aus einem geplatzten Abwasserrohr, eine braune Fontäne all dessen hervorsprudeln, was vor den Augen und Ohren der einfachen Leute bislang so behutsam verborgen wurde.

Von Merkels Bemerkung erfuhren wir, als wir bereits im abgeriegelten Slawjansk waren, wo nach Meinung derer, denen die Siegesparade missfällt, die Untermenschen des Ostens oder “Moskali” und “Kazapen” hausen.

Mein erster Gedanke war relativ simpel – “sollen sie sich doch bei ihren Vorfahren beschweren, die sowohl auf der Krim als auch in Slawjansk geschlagen wurden”. Danach dachten wir an eine persönliche Tragödie der Familie Merkel, wir versuchten gar, sie mit der gesamten Breite unserer russischen Seelen und unserem pathologischen Hang zur Allvergebung zu begreifen: “Vielleicht hat ihr Opa, als er zusammen mit Erich von Manstein auf der Krim landete, einfach Pech gehabt, konnte sich nicht schützen und ist dort bis zum Jüngsten Gericht hängengeblieben – vielleicht ist es so eine alte Familientragödie der Merkels, eine Art wunde Stelle?” Eine kurze Internetrecherche ergab, dass der eine Opa von Frau Merkel noch während des Ersten Weltkriegs schwer verwundet wurde. Der andere Opa war, obwohl er seinen polnischen Familiennamen aus politischen Erwägungen in einen deutschen wandeln ließ, ein durchaus frommer Geistlicher und hatte keinen Anteil am “Drang nach Osten”. Worin war also der Grund zu suchen?

Euromaidan: Faktor Erdgas (Teil 3)

Hier folgt der dritte und letzte Teil des „Faktor Erdgas“ – angesichts der jüngsten Ereignisse wirkt er streckenweise ziemlich anachronistisch (er wurde noch vor dem Sturz Janukowitschs verfasst), kann aber recht gut dazu dienen, ein paar Hintergründe zu erhellen.

Links zu den vorangegangenen Teilen:

Der Aufruhr

Die plötzliche Eskalation der Lage Ende 2013 und Anfang 2014 folgte offenbar sowohl aus subjektiven, als auch aus objektiven Faktoren.

Kiew Ende Januar 2014. Bild: Ilya Varlamov

Kiew Ende Januar 2014. Bild: Ilya Varlamov

Zu den subjektiven kann man den Anlass rechnen, auf den unmittelbar der Protest einer nicht allzu großen, aber sehr medienwirksamen Menschenmenge auf dem Maidan folgte: die Nichtunterzeichnung des EU-Assoziationsabkommens durch die ukrainische Regierung. Für sich genommen ist der Grund für den Verzicht auf die Unterzeichnung (genaugenommen handelte es sich um einen Aufschub) durchaus vernünftig: die Bedingungen, zu denen die Ukraine in ein Assoziationsverhältnis mit der EU hätte eintreten sollen, waren in keiner Weise partnerschaftlich, vielmehr handelte es sich um ein Verhältnis zwischen Lehnsherr und Knecht; dabei sollten die Aufwendungen für die Maßnahmen, die es zur Erfüllung der Assoziationsbedingungen durchzuführen galt, durch den ukrainischen Staatshaushalt geschultert werden. Die ukrainische Führung bezifferte diese Aufwendungen mit 160 Milliarden US-Dollar. Gut möglich, dass diese Zahl aufgrund irgendwelcher politischen Überlegungen überhöht wurde, aber klar war dennoch, dass die Aufwendungen enorm sein würden.

Dabei geriet die Ukraine in die Falle der angepflanzten Russophobie: es erscheint unsinnig, die Gewinne und Verluste des Landes bei Anschluss an das eine oder andere der konkurrierenden Projekte – also die EU oder die Zollunion – in ihrem Verhältnis zu diskutieren. Die ukrainische Elite war deshalb gehalten, mit nur einer dieser Integrationsvarianten zu arbeiten und verschloss sich selbst so gegen jede Möglichkeit eines Lavierens dazwischen.

Euromaidan: Faktor Erdgas (Teil 2)

Die Fortsetzung des “Faktors Erdgas” (Teil 1) für die Ukraine behandelt alles in allem weniger das Erdgas, als vielmehr den Aufbau von Szenarien in der Ukraine, wie sie seit ihrer Unabhängigkeit vor 23 Jahren zu beobachten sind. Der vorliegende Text stammt noch aus der Zeit vor dem Sturz Janukowitschs, was man an der einen oder anderen Stelle merkt. Da er aber wichtige Hintergründe liefert, hat er nichts an Aktualität verloren.

Die Strategien des Westens und Russlands in der Ukraine

Die Bedeutung der Ukraine als wichtigstem Transitland zwischen Westeuropa und der osteuropäischen Ebene und – über selbige hinaus – Zentralasien und dem Kaukasus braucht man nicht einmal zu bestreiten versuchen.

Im Jahr 2013 wurden vom gesamten, von Gazprom an die Endabnehmer gelieferten Erdgases, etwa 52% oder 83,7 von 161,5 Milliarden Kubikmeter durch das Pipelinesystem der Ukraine geleitet. Die übrigen Routen – darunter Nord Stream – machten 48% oder 73,1 Milliarden Kubikmeter aus. Nord Stream wird derzeit auch nur mit der Hälfte seiner Maximalkapazität gefahren.

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Man könnte annehmen, dass die Bedeutung der Ukraine für Russland entsprechend der Zuschaltung von Kapazitäten von sowohl Nord Stream und South Stream abnimmt. Allerdings spricht der Umstand, dass allein schon Nord Stream derzeit nur zur Hälfte seiner Möglichkeiten genutzt wird, davon, dass die Ukraine wohl schwerlich kurzfristig aus den Transportplanungen der russischen Erdgasproduzenten ausgeschlossen werden kann, vielmehr werden die genannten neuen Pipelines womöglich sogar nur Backup-Leitungen für etwaige Komplikationen darstellen als wirkliche alternative Routen.

Es würde genügen, auf eine Karte bereits funktionierender wie auch noch geplanter Pipelines in Europa zu schauen, um eine Ahnung davon zu bekommen, welche Bedeutung das Territorium der Ukraine (und Weißrusslands) für die Gewährleistung der europäischen Sicherheit hat, und zumindest zu einem Teil hat man dann auch schon die Antwort auf die Frage, warum denn nur Europa so vehement an einer “Demokratisierung” dieser jungen Staaten interessiert ist.

Blitzkrieg, die nächste Generation

Die Kapitulation Janukowitschs dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Aber jenseits von diesem jetzt wieder als “Durchbruch” verkauften Zwischenstand finden andere Dinge keine mediale Beachtung, die einer solchen Beachtung im demokratischen Europa theoretisch wert wären.

Nach dem “Maidan 2013/14” haben radikale Nazis sich zu organisieren gelernt, sind bewaffnet und haben erste Erfahrungen in Straßenschlachten mit Sicherheitskräften bekommen. Wer soll diese Banden jetzt entwaffnen, um sie daran zu hindern, künftig die “Feinde der Nation” niederzuknüppeln und zu -schießen?

Das folgende Bild zeigt jemanden, den man sich am Rande merken sollte. Er gehört zu den Siegern beim heutigen “Durchbruch”:

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Das ist der Anführer des “Rechten Sektors” in der Westukraine, Aleksandr Musytschko. Ein Geschäftsmann und Mitglied der “Wiking”-Einheit der UNA-UNSO. Das Foto zeigt ihn inmitten von ihm untergebener Guerilla der sogenannten “nationalen Selbstverteidigung”. Das Foto wurde dieser Tage auf dem Kiewer „Maidan“ gemacht.

Der “Rechte Sektor” ist zwar ein eigens für die Ereignisse der vergangenen Monate geschaffener, faschistischer und gewalttätiger Dachverband verschiedener ukrainischer Nazibewegungen, Herr Musytschko ist aber schon sehr viel länger einschlägig bekannt. 1994 hat er zusammen mit einer Rotte “ukrainischer Freiwilliger” in Tschetschenien auf Seiten der Separatisten gekämpft und reichhaltige Erfahrungen in der Guerilla-Kriegsführung insbesondere in und um Grozny gewinnen können. Falls noch jemand den Zusammenhang zwischen Nazibanden und Wahhabiten vermißte – das hier ist ein Beispiel dafür; insgesamt also noch eine weitere Veranschaulichung für ein und dieselbe Methode der Demontage von Staatswesen, bei der Wahhabiten / Naziguerilla / radikale Strömungen als Instrumente der jewiligen auswärtigen Interessenten auftreten.

In einer kurzen Videoreportage aus der Zeit des ersten Tschetschenienfeldzugs wird Musytschko (Nom de guerre: “Saschka, der Weiße”) interviewt und verkündet: “Solange in meinen Adern Blut fließt, werde ich gegen Kommunisten, Juden und Russen Krieg führen. Das ist mein Credo.”

Dieser Mann ist heute unter den Siegern auf dem Maidan, gepusht, gebraucht und hofiert vom RMfdbO der EU in Person von Walter Steinmeier und Laurent Fabius. Er und die seinen sind bewaffnet und euphorisch.

Euro-Philologen

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Im „Haus der Gewerkschaften“ in Kiew

Die ukrainischen Schlägerbanden sehen sich gezwungen, die gestrige Explosion im von ihnen besetzten Kiewer Haus der Gewerkschaften zu erklären. Nicht sich selbst – sie wissen zweifelsohne bestens Bescheid. Aber es bedarf einer Erklärung für die Außenwelt. Es ist momentan noch schwer, die Wahrheit zu sagen; der “Rechte Sektor” ist wohl noch nicht dazu bereit, sich unverhohlen terroristische Aktivitäten auf die Fahne zu schreiben.

Also muss vorerst noch ein gewisser Unbekannter mit “russischem Akzent” her. Sicher aus demselben Korps, wie der unbekannte russische Scharfschütze, nur dass der jetzige nicht Russisch, sondern Ukrainisch sprach, aber mit eindeutigem “russischen Akzent”. Der “Rechte Sektor” hat ganz offenbar einen Troß Ethno-Philologen mit auf dem Maidan:

“Nach Angaben des Opfers habe ein Unbekannter ihm eine Schachtel geschenkt, nachdem er sich nochmals davon überzeugt hat, dass er auch wirklich ein Mitglied des “Rechten Sektors” sei. “Er sprach Ukrainisch, aber so, wie es sonst Russischsprachler tun – deutlicher, als man es normalerweise tut. Er sah das Abzeichen des “Rechten Sektor”, fragte wieder, ob der junge Mann tatsächlich vom “Rechten Sektor” ist, und übergab ihm, nachdem er sich davon überzeugt hatte, eine braune Schachtel mit den Worten: “Jungs, Helden, hier habt ihr ein Geschenk…” (Quelle)

Interessant ist, dass diese neue Version nicht allzu sehr der von denselben Chargen geäußerten Version von gestern entspricht, in der es darum ging, dass eine Schachtel mit der Aufschrift “Medizin” explodierte, die sich unter den Spenden der Bevölkerung befand. Heute gibt es schon einen konkreten, dabei aber unbekannten Menschen, 1.75 groß, mit Palli-Tuch und grauer Jacke. Aber unbedingt mit russischem Akzent. Und die Arzneimittelschachtel wurde zum Zigarettenetui.

Die rechten Schläger vom Maidan geben womöglich erstklassige Philologen ab, aber als Märchenerzähler taugen sie nicht. Ihre Stories sind eintönig und abgedroschen. Weshalb ein zufälliger Passant des “Rechten Sektor” den russischen Geheimdiensten so wichtig gewesen sein soll, dass man ihm mit einer Explosion die Hand abriss, bleibt durch die Mythologie verborgen.

Kleiner Nachtrag zum vorgestern publik gewordenen Telefonat zwischen Victoria Nuland und Jeffrey Payett, dem US-Botschafter in der Ukraine, das hierzulande unverdientermaßen dadurch bekannt geworden ist, dass Nuland ein “Fuck the EU” darin äußert:

http://www.youtube.com/watch?v=zB8coFCyzbI

Zemanta Related Posts ThumbnailVictoria Nuland hat sich nach einer kurzen & nachvollziehbaren Auszeit gegenüber der EU entschuldigt, sie mit einer solch flapsigen Phrase verunglimpft zu haben.

Derweil hatte die ukrainische Opposition den Mitschnitt natürlich auch diskutiert. Die einhellige Meinung war, dass es sich um eine Provokation von Seiten russischer Geheimdienste handele, welche dieses Telefonat gefälscht hätten. Wie sie nach Nulands Entschuldigung darauf reagieren, weiß man nicht – höchstwahrscheinlich gar nicht. Denn dann müssten sie zugestehen, dass sie im Dienste einer Tante von der anderen Seite des Ozeans performen. Und das ist auch der eigentliche Inhalt des Telefonats, nicht das verschmerzbare “Fuck the EU”, das nur vom Interesse weiterer auswärtiger Stakeholder in der Ukraine zeugt und nichts weiter tut als nochmals zu belegen, dass Klitschko ein (vielleicht vorsätzlich) mißratenes deutsches Projekt ist.

Denn gegenüber dem ukrainischen Volk hat sich Victoria Nuland nicht entschuldigt. Was auch nachvollziehbar ist – solche großen Gesten sind nicht für die Wilden.

 

Jahresrückblick 2013: Ukraine

Zur Auflockerung des Nahost-Themas bei den Jahresrückblicken mal ein wirklich guter Text zur Ukraine und dem gescheiterten „Euromaidan“. Quelle ist, wie für alle Jahresrückblicke, itar-tass.com.

Ukraine - farbige Revolution, Euromaidan Afrika

#Euromaidan – „Farbige Revolution“ in der Ukraine

Es wäre ein Fehler, in einem Jahresrückblick die Ereignisse im Dezember 2013 in der Ukraine zu übergehen. Nicht nur, weil uns diese etwas angehen, sondern weil die Ukraine einige äußerst interessante Möglichkeiten des Kampfes gegen die Technologien der “Farbigen Revolutionen” aufgezeigt hat, welche ebenso für die heute im Nahen Osten stattfindenden Prozesse verantwortlich sind.

Zwischen den Ereignissen auf dem “Maidan” in den Jahren 2004 und 2013 bestehen prinzipielle Unterschiede – sowohl bezüglich der Entwicklung als auch hinsichtlich der jeweiligen Ergebnisse. Dabei bestand das Ziel sowohl des einen als auch des anderen “Maidan” darin, mit illegalen und illegitimen Methoden Ergebnisse zu erzielen, die mit rechtmäßigem Mitteln nicht zu erreichen wären.

Der “Maidan” von 2004 endete mit der Kapitulation der Regierung, welche sich auf eine vollkommen verfassungswidrige “Wiederholung der zweiten Runde” der Präsidentschaftswahlen eingelassen und damit faktisch noch vor deren Durchführung und der Bekanntgabe der Ergebnisse ihre Positionen aufgegeben hatte. Der “Maidan” von 2013 brachte munter das Thema der Eurointegration auf den Tisch und wechselte quasi im vollen Lauf zum Thema vorgezogener Neuwahlen. Hätte sich die Führung ebenso wie 2004 verhalten, dann hätte die Opposition selbst in Abwesenheit der charismatischen Julia Timoschenko eine Chance gehabt. Doch was ist geschehen?

Keks?

Victoria Nudelman verteilt Kekse auf dem Kiewer Maidan“Nuland versorgt die Demonstranten mit Keksen, Brötchen und Brot aus einer großen Tüte… Die Demonstranten begrüßen Nuland mit freudigen Rufen, manche singen “God bless you!”

Eine solche Szene ist für die Amerikaner natürlich Klassik in Reinform: man denke an den weißen Mann, der im Indianerreservat vom Pferd aus generös Glasperlen in die Meute wirft. Im ukrainischen Kontext wäre eigentlich noch ein Fass Konfitüre angebracht, aber wenn die unvernünftigen Tiere eben damit zufrieden sind, was man ihnen gibt, so kann man in diesem Fall die Debilisierung des Landes auch nur mit Trockenfutter erreichen. In Krisenzeiten ist Sparen angesagt.