Beiträge mit Tag ‘israel’

Wallungen

In den vergangenen Tagen dominieren zum Thema Nahost im Allgemeinen und Syrien im Speziellen Meldungen über die von Kerry & Putin initiierte und wohl demnächst bevorstehende “internationale Syrienkonferenz” (Genf II.?), die auffällig zeitnah zu den Präsidentschaftswahlen im Iran stattfinden soll. Die Situation sieht für Syrien recht interessant aus: die Konferenz soll, so mutmaßt man, auf höchstem politischen Niveau verlaufen. Die Amerikaner äußern gegenüber Baschar al-Assad in fast befehlendem Ton die Empfehlung, doch bitte daran teilzunehmen, und dieser merkt wohl, was man ihm für Trümpfe in die Hand gibt, und will sich die Sache “überlegen”. Niemand wird sich mit einer “politischen Leiche” an einen Tisch setzen, und schon bringt Al-Manar mit Verweis auf die CIA (Al-Manar hat sicher einen ganzen Stab an Informanten in Langley) eine Meldung, derzufolge man bei der CIA gewiss sei, dass Assad bei Wahlen im Jahr 2014 gewinnen würde und die Unterstützung für ihn bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode anhalten wird. Dabei gibt es schon genügend Andeutungen darüber, dass diese Konferenz zu nichts Greifbarem führt – aber kein Problem, versammelt man sich eben später noch einmal. Vielleicht im September, nach den Präsidentschaftswahlen im Iran und dem, was ihnen unmittelbar folgen mag.

Osternacht in Damaskus

Osternacht 2013 in Damaskus

Aus durchaus nachzuvollziehenden Gründen werden wohl die Einzelheiten zum israelischen Angriff auf Damaskus nicht detailliert und mit offiziellen Statements und Bestätigungen versehen werden. Derweil gibt es allerdings Einzelheiten, die, um es so zu sagen, unbestätigt sind.

Israel griff Damaskus von libanesischem Gebiet aus an, insofern ist der syrische Luftraum formal gesehen nicht verletzt worden. Angegriffen wurden: der Stab der 4. Division der Syrischen Arabischen Armee, Kasernen der 104. und 105. Brigaden der Republikanischen Garde (die als die Eliteeinheiten innerhalb der Garde gelten, in deren Obliegenheiten auch die Sicherheit des syrischen Präsidenten fällt). Seinerzeit hat Israel behauptet, dass es jene 104. Brigade ist, innerhalb derer Militärberater aus dem Iran fungieren.

Getroffen wurden weitere militärische Objekte – operativ-taktische Raketenbatterien vom Typ SCUD, Munitionsdepots sowie das militärische Forschungszentrum im Bereich von al-Haama.

Syrien: Konstellationen

Nachdem es sich vor wenigen Tagen schon angedeutet hatte, ist es nun soweit: Moas al-Chatib tritt als Chef der „Syrischen Nationalkoalition“ zurück. Man sollte mit der Freude darüber wahrscheinlich nichts überstürzen. Dass es in der „Opposition“ keine Einigkeit gab und gibt, ist ein offenes Geheimnis. Allerdings hatte der Anschein einer Einigkeit zumindest zur Folge, dass man annehmen konnte, in Zukunft würde es zu Gesprächen, Verhandlungen usw. kommen. Diese Illusion ist nunmehr beseitigt, offenbar wird sie nicht mehr benötigt.
Zusammen mit einer ganzen Reihe anderer Meldungen kommt man eher darauf, dass der Westen die Zerschlagung Syriens um jeden Preis vorantreiben will, auch durch eine (begrenzte?) militärische Intervention unter Missachtung aller gegebenen Prozeduren und des Völkerrechts. Unter diesen Umständen ist eine Opposition, die auch nur eine Illusion möglicher Verhandlungen bedeutet, nicht notwendig. Und es ist wahrscheinlich auch naiv anzunehmen, dass al-Chatib seinen Rücktritt eigenständig entschieden hat.
Auf diese Weise bekommen nämlich erst einmal die diversen FSA- und Islamistenkommandeure und ihre Brigaden freie Hand, in erster Linie der fahnenflüchtige Brigadegeneral Selim Idriss, der in Dresden studierte und heute wohl der Rebellenkommandeur mit dem größten Einfluss sein dürfte – auch bei den Islamisten, für die er mehrfach forderte, die Al-Nusra-Front möge wieder aus der Liste der Terrororganisationen gestrichen werden.
Der Rücktritt des libanesischen Premiers Nadschib Mikati samt Kabinett fällt mit diesen und anderen Ereignissen der Region zusammen. Unter den formalen Gründen, die Mikati anführt, nennt er Unstimmigkeiten mit der Hisbollah und die bewaffneten Auseinandersetzungen in seiner Geburtsstadt Tripoli. Ein Grund wird aber auch sein, dass seine Macht wohl nicht so weit ging, einerseits den Forderungen Syriens nach einer Eindämmung der Aktivität der Terrorbrigaden, welche vom Libanon aus in Syrien operieren, zu entsprechen, und sich andererseits mit den Sunniten Harirs zu einigen. Mikati hatte Mittel weder zu einer militärischen, noch zu einer politischen Beilegung dieses Zwiespalts.
Syrien wird auf diese Weise gezwungen, die Lager der Terroristen auf libanesischem Gebiet weiterhin anzugreifen und damit einen fortwährenden Casus belli zu liefern. Israel und die Türkei haben jetzt, besonders nach jüngsten der „Entschuldigung“ Netanjahus, keinerlei hindernde Umstände mehr dafür, den „Aggressor“ zum Frieden zu nötigen. Der praktische Nutzen der kürzlichen Obama-Visite nach Israel war vielen nicht klar, aber es ist durchaus möglich, dass die Seiten sich geeinigt haben, Syrien gegen eine Unterstützung Israels im Konflikt mit dem Iran einzutauschen. Ein gemeinsamer Schlag Israels und der Türken gegen Syrien könnte sich voll und ganz in dieses Szenario einpassen.
Und genau so gut passt natürlich das jüngste Statement Öcalans über das Ende des bewaffneten Kampfes der PKK gegen die Türkei und einen Rückzug deren bewaffneter Verbände von türkischem Gebiet. Die Türkei bekommt die Hände für gewisse andere Aufgaben frei.
Was haben wir also? Eine Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und der Türkei samt „Freundschaftsanfrage“, den Rückzug der bewaffneten PKK aus der Türkei bzw. ein Ende des bewaffneten Kampfes, den Rücktritt des pro-syrischen libanesischen Premiers und damit eine Zementierung der von Hariri gedeckten Terroristencamps im Libanon, den Rücktritt al-Chatibs und damit das Ende der (vielleicht schwachen und illusorischen, aber dennoch vorhandenen) Signale auf Versuche einer politischen Beilegung des Syrienkonflikts. Und vor etwas über einer Woche Meldungen über neu aufgebaute israelische Stellungen auf den Golanhöhen (die Meldung beinhaltete etwas über „Erdarbeiten an Schutzwällen“). Man kann die Situation in Zypern auch mit herannehmen. Die wiederum zeugt davon, dass die USA und die EU derzeit ihre Probleme nicht auf die althergebrachte Weise – durch selbst geführte Kriege – lösen können. Also durch Kriege, in denen die Schulden einfach abgeschrieben werden – wie zuletzt in Libyen. In Zypern läuft folglich blanker Raub, und Kriege werden mit den Händen anderer geführt. Anderer, die für Waffen, Know-how, Logistik und Versorgung bezahlen und damit auch die Wirtschaft ankurbeln.
Kurzum, nach Verhandlungen und politischer Lösung sieht es in Syrien erst einmal nicht mehr aus. Die Rebellen sind dabei selbst nicht in der Lage, die Situation militärisch zu ihren Gunsten umzuwerfen, selbst, wenn sie noch mehr Waffen bekommen. In erster Linie kämpfen Menschen, nicht so sehr Waffen. Folglich ist die Wahrscheinlichkeit einer Militärintervention jetzt um ein Vielfaches höher.

Wochenschau, Folge 63

Ich würde ja Thierry Meyssan nicht unbedingt als Kronzeugen für irgend etwas heranziehen. Die Kollegen aus Perm tun’s aber in dieser Folge der „Wochenschau“, was ihnen gegönnt sei. Unvergessen bleibt jedenfalls sein Live-Bericht aus dem Rixos-Hotel im libyschen Tripolis, als dieses von NATO-Kommandos infiltriert und erstürmt wurde.


Die Ereignisse vom Beginn dieses Jahres geben uns einen Grund dafür, uns kurz vom Laufenden abzuwenden und die Lage der Welt etwas globaler zu betrachten. Es hat sehr wichtige Änderungen in den Machtstrukturen der USA gegeben. Wir haben diese schon in vergangenen Folgen im Voraus betrachtet, nun wollen wir einmal sehen, was genau abgelaufen ist.
Der US-Senat hat am vergangenen Dienstag den 66-jährigen Chuck Hagel als Verteidigungsminister bestätigt. Zuvor war seine Aufstellung als Kandidat im House Armed Services Committee ziemlich problematisch verlaufen und fand nur unter einer knappen Stimmenmehrheit statt. Die Ursache dafür war wohl die Unzufriedenheit der Republikaner mit dem Kandidaten sowie eine massive Kampagne der Israel-Lobby gegen ihn.
Die Sache liegt gar nicht so sehr in der Person Hagels begründet. Obama hat für seine zweite Amtszeit eine Mannschaft versammelt, die keinen Zweifel daran läßt, dass er die Spielregeln ändern will. Das ist das wichtigste, denn gleichzeitig wurde John Kerry als US-Außenminister eingesetzt, CIA-Chef ist nun John Brennan. Dabei wurde die alte “Falken”-Mannschaft nicht einfach nur friedlich nach Hause entlassen, sondern aufgrund ihrer Überflüssigkeit faktisch vor die Tür gesetzt.
Wir wollen uns nicht wiederholen und jeden der Neuen einzeln beleuchten, sondern die Position der neuen Obama-Mannschaft insgesamt betrachten. Erstens, und das ist das Wichtigste – diese Neuen sehen Russland nicht als Feind an, sondern eher als Konkurrenten, mit dem man sich zu Schlüsselfragen absprechen kann und auch sollte.
Zweitens, diese Leute haben wohl nicht die Absicht, den Konflikt im Nahen Osten, einschließlich in Syrien, auszuweiten, sondern suchen nach Kompromissen. Drittens, sie haben bezüglich Israels keinerlei Illusionen und halten das Land nicht für die geheiligte Kuh wie ihre Vorgänger. Viertens, sie halten den Iran nicht für das Reich des Bösen und wären bereit, Zugeständnisse zu machen und einen gemeinsamen Ausweg aus der Situation zu suchen. Und schließlich fünftens, sie sind sich der Gefahr des durch die USA selbst herangezüchteten radikalen Islamismus bewußt und haben wohl nicht vor, weiter mit diesem zu liebäugeln.
Das allgemeine Bild sieht für Russland also geradezu günstig aus, doch wollen wir mit solchen Schlüssen nicht voreilig sein und schauen etwas genauer hin.
Recht interessante Schlüsse aus der aktuellen Konstellation zieht der bekannte Politologe Thierry Meyssan. Er ist überzeugt davon, dass Obama dazu bereit ist, den Kurs der US-Nahostpolitik radikal zu ändern. Syrien soll so Gelegenheit bekommen, mit den immer schwächer werdenden Banden “aufzuräumen”, und dem Land sollen internationale Friedenstruppen zur Hilfe gestellt werden. Was wichtig ist: es sollen Truppen aus OVKS-Staaten sein. Diese sollen damit auch zu einem Garant der Stabilität in der Region werden.
Baschar al-Assad soll Verhandlungen mit der Opposition führen, die sich nicht am bewaffneten Kampf beteiligt, und die auch von Russland anerkannt wird, wodurch ein politischer Kompromiss herausgearbeitet werden soll. Letztlich würde so Russland dank seiner Beharrlichkeit und Unnachgiebigkeit in der syrischen Krise hier seine Positionen nachhaltig festigen, Baschar al-Assad wird insofern auch wahrscheinlich am Steuer bleiben und zu einer Symbolfigur des Sieges über die Dschihadisten werden.
Gleichzeitig soll es zum großen Prozess einer kompletten Umformatierung des Nahen Ostens kommen. Russland wird in Syrien als Garant dafür auftreten, dass die Araber nicht über Israel herfallen und umgekehrt. Das israelisch-palästinensische Problem wird unter der Mittlerschaft Syriens und nicht eben zugunsten Israels endgültig beigelegt werden. Der Irak teilt sich, es bildet sich ein kurdischer Staat, die Kurden in der Türkei erhalten ihre langersehnte Autonomie. Die Sanktionen gegen den Iran werden aufgehoben, die Verteufelungen des Landes hören auf, im Ausgleich dafür stoppt der Iran sein Engagement in Lateinamerika.
Und schließlich das interessanteste – Saudi-Arabien hört auf, als einheitlicher Staat zu existieren, was ein Abflauen des Wahhabismus weltweit nach sich zieht. Ohne Sponsoren gibt es eben keinen Wahhabismus.
Sicherlich sind die Prognosen Meyssans sehr gewagt, doch enthalten sie eine Menge an vernünftigen Schlüssen. Beispielsweise sind die USA inzwischen schon nicht mehr in der Lage, ihre militärische Präsenz und die Finanzierung des Arabischen Frühlings im Nahen Osten aufrecht zu erhalten – sie haben genügend eigene Probleme. Das hatten wir schon mehrfach angemerkt.
Weiterhin sehen wir, wie massiv die USA ihre eigene Erdöl- und Erdgasförderung ausbauen. – Sicherlich ist Schiefergas ein ziemlich undurchsichtiges und uneindeutiges Thema, doch es ist schwer, mit Zahlen zu streiten – die Kohlenwasserstoffförderung der USA wächst und wird in recht kurzer Zeit die Fördermengen Saudi-Arabiens übertreffen.
Das könnte zum Rückgang des Interesses an den Saudis als einem Faktor auf der politischen Arena führen. Was wiederum zu einem Umschwenken der gesamten Konzeption der US-amerikanischen Außenpolitik führen wird und bereits schon führt.
Wir sind uns dessen bewußt, dass die meisten unserer Zuschauer sich fragen, woher denn die plötzliche Freigebigkeit der USA gegenüber Russland rührt. — Wie immer gibt es auch hier einen Haken. Obama oder die Kreise, die hinter ihm stehen – je nachdem, wie ihr das gern sehen wollt – haben bei alledem durchaus pragmatische Ziele. Indem sie einen Teil der Verantwortung im Nahen Osten auf die Schultern Russlands legen und sich Israel und Saudi-Arabien vom Hals schaffen, werden die USA ihre Bemühungen im Asiatisch-Pazifischen Raum konzentrieren können.
Das hat nichts mit Verschwörungstheorien zu tun, sondern ist ein unzweifelhafter Fakt, der von genügend offiziellen Verlautbarungen und Maßnahmen der US-Regierung bestätigt wird. China wirft durch sein beharrliches Wachstum unvermeidlich die Frage danach auf, wie man es wohl eindämmen kann, wenn die USA ihre Dominanz in der Welt bewahren will. Der Alptraum der Obama-Administration wie auch eines jeden US-Politikers ist eine weitere Annäherung zwischen Russland und China. In absehbarer Zukunft werden wohl viele Bemühungen der USA darauf gerichtet sein, eine solche Annäherung zu verhindern. — Genau deshalb bekommt Russland einen Teil der Verantwortung in Nahost, denn ebenso wie die USA ist Russland eigentlich nicht dazu in der Lage, gleichzeitig in allen Richtungen effektiv zu agieren. Mit anderen Worten, durch ein solches Konzept wählen die Amerikaner das geringere Übel. Sie pflegen damit also durchaus keine Wohlfahrt, wie es hätte scheinen können. Das ist nun jedenfalls wie gewohnt.

Wochenschau, Folge 61

Zu Mali ein kleines Vorwort. Diverse Outlets berichten von französischen Bombardements gewisser „Trainingslager“ der Islamisten in Tessalit, nahe der Grenze zu Algerien. Dazu liest man, dass die Franzosen zwar den Flughafen in Kidal kontrollieren, die Stadt aber in der Hand der Tuareg, d.h. der MNLA sei.
Auf diese Weise ist die Visite Hollandes, bei der er – ähnlich wie einst George Bush auf dem Flugzeugträger – den Sieg verkündete und meinte, die französischen Soldaten können bald wieder nach Hause, eigentlich nur ein Dunstvorhang vor dem Fakt, dass das Vorrücken der „Koalitionsstreitkräfte“ durchaus noch nicht abgeschlossen ist. Mehr noch, die Perspektiven der weiteren Entwicklung sind immer noch irgendwie unklar.
Klar ist bislang nur, dass das nicht nach einem Ende des Kriegs aussieht. Freilich hat der Quasipräsident von Mali sich für Verhandlungen mit der MNLA ausgesprochen, was eine gewisse Hoffnung birgt. Wenn die MNLA dem, wie angekündigt, folgt, und es zumindest einen Waffenstillstand gibt, kann sich die Lage durchaus auch früher beruhigen.



Das zentrale Ereignis der vergangenen Woche war wohl der geheimnisvolle Angriff der israelischen Luftwaffe auf Syrien. In der Nacht zum 31. Januar drangen israelische Militärflugzeuge von Libanon aus im Tiefflug auf syrisches Territorium vor und griffen ein militärisches Forschungszentrum in einem der Vororte von Damaskus an. 2 Menschen sind dabei ums Leben gekommen, weitere 5 wurden verletzt. – Soweit die offizielle Version der syrischen Regierung. Allerdings hat Israel, gleichwie die USA, den Vorfall auf keinerlei Weise kommentiert. Aus inoffiziellen, angeblich israelischen Diplomatenkreisen hieß es, dass der Angriff nicht einem Forschungszentrum, sondern einer syrischen militärischen Fahrzeugkolonne galt, die sich mit russischer Waffentechnik in Richtung Libanon bewegte. Die syrische Regierung streitet diese Version ab.

Dass dieser Angriff stattgefunden hat und er von den Israelis durchgeführt wurde – daran besteht kein Zweifel. Das ist auch durchaus nicht die erste vergleichbare Militäroperation. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Israel durchaus dazu in der Lage ist, die Verurteilungen der Weltöffentlichkeit über sich ergehen zu lassen, solange es nur seine Ziele erreicht. – Und in diesem speziellen Fall wird niemand groß verurteilen. Die wichtigste Frage ist also, was genau zerstört worden ist und weshalb.
Es gibt bereits eine Menge an Versionen zu dem Vorfall, die man weder bestätigen noch widerlegen kann. Eine prosaische Variante lautet, dass man tatsächlich ein Labor mit Vorräten an Chemiewaffen zerstört habe. Und das nicht etwa, weil man deren Anwendung durch Assad fürchtete, sondern die Gefahr bestand, dass sie in die Hände der Rebellen fallen. Die Terroristen hatten kurz zuvor Angriffe gegen dieses Labor gestartet. Für diese Variante sprechen die häufigen Erklärungen israelischer Offizieller, dass die syrischen Chemiewaffen eine Bedrohung darstellen und man entschlossen sei, gegen diese Bedrohung mit allen, also auch mit militärischen Mitteln vorzugehen.
Es braucht keine große Phantasie dazu, sich vorstellen zu können, wozu die sogenannten Rebellen fähig sind, würden ihnen Chemiewaffen in die Hände fallen. Eine weitere schlimme Nachricht der Woche nämlich kam aus Aleppo, wo man mehr als 60 hingerichtete Zivilisten fand. Sie alle wurden von den Rebellen brutal ermordet, da man sie der Loyalität zur Regierung Assad verdächtigte. Es war klar, dass der Westen die Schuld für dieses Verbrechen automatisch der syrischen Regierung zuschob.
Dies nun sind schon andere Bilder – die sogenannten Freiheitskämpfer beschießen ein ziviles Verkehrsflugzeug beim Landeanflug. Und laden die Aufnahmen auch noch selbst ins Internet hoch.
Es ist erstaunlich, dass man bislang noch nicht gehört hat, Assad selbst habe sein eigenes Forschungslabor zerbombt.
Nach einer etwas verschwörerischen Version soll Israel eine Fahrzeugkolonne mit chemischen Waffen zerstört haben, die aus dem Libanon kommend für die Rebellenbanden bestimmt war. Faktisch hätte Israel damit Assad geholfen und sich davon leiten lassen, dass besser ein “schlechter Assad” am Steuer sitzt als hirnverbrannte Salafiten.
Welches Ziel auch immer die israelische Luftwaffe verfolgt hat – die militärische Aggression ist ein unbestreitbarer Fakt. Syrien beschwerte sich bei der UNO, auch Russland hat den israelischen Angriff verurteilt. Doch die Sache wird wohl kaum weiter vorankommen, selbst ungeachtet der Versprechen des Iran, für den Überfall auf Syrien Rache zu üben. Beobachter merken an, dass Elemente der israelischen Luftverteidigung “Iron Dome” an die syrische Grenze verlegt werden. Gleichzeitig sind die Patriot-Batterien in der Türkei in Stellung gegangen.
Es ist derzeit noch schwierig, Prognosen abzugeben. Der in sein Amt eingeführte US-Außenminister John Kerry hat bereits das Ziel seiner ersten Auslandsvisite bekannt gegeben – es ist Israel. Wir wollen aufmerksam sein, wie dieser Besuch ablaufen wird.

Schattengefechte

Ende der Woche kam Frankreichs Präsident Hollande in Mali an. In der letzten Zeit konnten die Franzosen die Islamisten zu einem guten Teil zurückdrängen und so Kontrolle über wichtige Ortschaften erlangen. Hollande versicherte, dass die Franzosen schon in wenigen Wochen nach Hause zurückkehren können, da der Großteil der Arbeit bereits erledigt sei.
Freilich sollte Hollande seinen Optimismus etwas zügeln. Die Sache ist die, dass man die Militärerfolge Frankreichs durchaus differenziert betrachten muss. Die Islamisten haben die bestmögliche Taktik gewählt – sie haben die direkte Konfrontation weitestgehend vermieden und sich einfach in den Norden des Landes zurückgezogen. Deshalb hat die französische Luftwaffe auch die ganze Zeit erfolgreich Ortschaften mit Zivilbevölkerung bombardiert; — niemand versucht auch nur, die Zahl der Opfer zu ermitteln. Doch danach zu urteilen, dass selbst die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die normalerweise die Augen vor den militärischen Heldentaten des Westens verschließt, Alarm schlägt, ist die Zahl der Opfer bedeutend.
Außer alledem veranstaltet die Armee Malis in den “befreiten” Gebieten ihre Racheakte gegen alle, die der Zusammenarbeit mit den Islamisten verdächtigt werden. Araber und Tuareg werden gleichermaßen ohne viel Gerede vernichtet. All das legt natürlich fruchtbaren Boden für gegenseitigen Hass für lange Zeit. Es besteht also große Wahrscheinlichkeit, dass die Auseinandersetzungen nach dem Weggang der Franzosen von Neuem aufflammen.

Nicht alles Gold, was glänzt

Während die Finanzkrise ihren Lauf nimmt und das Vertrauen in die Währungen weiter schwindet, bekommt Gold einen immer größeren Stellenwert. In der letzten Zeit ist ein interessanter Trend zu beobachten – die Regierungen verschiedener Länder rufen ihre in den Lagern in den USA, Frankreichs und Großbritanniens deponierten Goldreserven zurück. Längere Zeit war von diesen Vorgängen die Rede, als seien es Hirngespinste, doch die Wahrheit hat die Zweifler letztendlich eingeholt.
Anfang des vergangenen Jahres hat Venezuela seine 160 Tonnen Gold nach Hause geholt. Hugo Chavez handelte weise. Erstens gibt es ja keinerlei Garantien dafür, dass die Hüter des Goldes, wie etwa die USA, das Gold in Ausnahmesituationen nicht zu ihrem Eigentum erklären und den rechtmäßigen Besitzer einfach enteignen. Zweitens gibt es ernsthafte Befürchtungen, dass das in Übersee gelagerte Gold überhaupt zurückgeführt werden kann. Die Goldreserven der Zentralbanken wurden schon so oft umverlagert, dass es durchaus schwer fallen kann, jetzt noch den eigentlichen Eigentümer zu bestimmen. Daher hat sich Venezuela in dieser Angelegenheit beeilt, und zum Glück sind dessen im Ausland gelagerte Goldreserven nicht allzu umfangreich.
In Folge bildete sich eine ganze Schlange – Ecuador, die Schweiz, Holland und als wichtigstes Land Deutschland. All diese Länder sprechen von ihrem Wunsch, ihr Gold heimzuholen.
Nur zur Information, das Gold wird beispielsweise in den USA gelagert, um so den Erwerb von Dollars möglich zu machen. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages hatten mehrfach versucht, ihre in London und Paris gelagerten Goldreserven einer Inspektion zu unterziehen, doch eine solche Möglichkeit wurde ihnen bisher immer verwehrt.
Der Chefredakteur von CNBC, John Carney, erklärt indes, dass es keinerlei Bedeutung habe, ob bei der Federal Reserve in New York tatsächlich Gold vorhanden ist oder ob die Lager mit Wolframriegeln angefüllt oder auch leer sind. — Seiner Meinung nach seien “das einzige, was Bedeutung hat, die Buchungseinträge bei der Federal Reserve, wo verzeichnet steht, wieviel Gold vorhanden ist”. Er sagte weiter, dass es nichts gibt, was man durch eine Inspektion der Goldvorräte an Erkenntnissen gewinnen könne. Wenn es dieses Gold nämlich wirklich gar nicht gibt, so könne das in einem Chaos münden.
In der Tat kann es zu unbeschreiblichem Chaos kommen, aus diesem Grunde handelt Deutschland auch sehr vorsichtig. Zum derzeitigen Zeitpunkt wird erklärt, dass das Land zum Jahr 2020 lediglich 50% der eigenen Goldvorräte im Lande beherbergen will. Dabei werden die Goldvorräte nur aus Frankreich komplett abgezogen, in New York sollen 37% davon verbleiben.
Ein interessantes Detail – nachdem Deutschland seine Absicht erklärt hat, all sein Gold aus Frankreich heimzuholen, schickte Hollande seine Truppen nach Mali. — Doch nicht etwa deshalb, weil dieses Land Afrikas drittgrößter Goldexporteur ist?

Gold und Silber lieb ich sehr,
könnt es auch gebrauchen,
hätt ich nur ein ganzes Meer, 
mich hinein zu tauchen;
’s braucht ja nicht geprägt zu sein, 
hab´s auch so ganz gerne,
||: sei´s des Mondes Silberschein, 
sei´s das Gold der Sterne. :||
Doch viel schöner ist das Gold, 
das vom Lockenköpfchen
meines Liebchens niederrollt
in zwei blonden Zöpfchen.
Darum du, mein liebes Kind
laß uns herzen, küssen,
||: bis die Locken silbern sind 
und wir scheiden müssen. :||
Seht, wie blinkt der goldne Wein 
hier in meinem Becher;
horcht, wie klingt so silberrein 
froher Sang der Zecher!
Daß die Zeit einst golden war,
will ich nicht bestreiten,
||: denk‘ ich doch im Silberhaar 
gern vergangner Zeiten. :||

Haue, Hölle, Israel

Syrian Electronic Army
Hier ein kleiner Artikel zum Angriff der Israelis auf Syrien vom Internetportal der russischen Business-Zeitung “Взгляд” (VZ.ru). Er trägt zum Konflikt in Syrien einen gewissen optimistischen Unterton.
Vorrede: Was den Luftangriff auf Syrien betrifft, so gibt es immer noch wenig faktische Klarheit. Deshalb als kleines Vorwort eine Anmerkung zu der hierzulande populären Version (die ursprünglich von AFP verbreitet wurde), der Angriff habe einer Fahrzeugkolonne gegolten, welche “Buk”-Raketen an die Hisbollah (oder wo auch immer hin) liefern sollte.
Die “Buk”-Raketen (NATO-Klassifikation SA-17), von denen die Medien schwätzen (9M38M1 und 9M317) sind als solche von keinerlei Interesse und ohne eine ganze Batterie an Technik und Ausrüstung gar nicht einsatzfähig. Die Komponenten dieser Batterie kann man hier nachschauen (und die Liste dort ist unvollständig, es fehlt ein knappes Dutzend an Versorgungsfahrzeugen, wie etwa das Elektrofahrzeug, eine mobile Kompressorstation, Werkstattwagen usw.).
Um diese ganzen Dinge bedienen zu können, müsste man mindestens eine Brigade russischer ukrainischer Luftabwehrleute anheuern. Die Hisbollah hat dazu einfach nicht das Personal. Und würde auch nur eine halbe Batterie Buks irgendwo im Libanon aufgebaut werden, so würden die Israelis sogleich Fotos davon durch ihre Presse reichen. Von Drohnen oder Satelliten gemachte Fotos natürlich, welche die imminente Bedrohung dieser Verteidigungswaffen veranschaulichen sollen… und damit genug der Vorrede.

Haue, Hölle, Israel

Der Luftschlag Israels gegen Syrien bringt eine ganze Reihe an Fragen hervor. Sicher nicht bei allen. Denn in israelischen Internet-Foren geht es derzeit nur um Haue, Hölle und Israel. “Nur Hardcore!” brüllen die Bewohner des Gelobten Landes in patriotischer Rage. Bislang ist nicht endgültig klar, wen man gebombt, was man gebombt und – als wichtigstes – wozu man gebombt hat, doch das vor Stolz über ihre glorreichen Falken wie Kröten aufgeblähte israelische Wahlvolk interessiert sich nicht für derlei Kleinigkeiten.
Im trockenen Bodensatz der Meldungen sieht der Angriff Israels auf Syrien bislang immer noch ziemlich unklar aus. Die Syrer sprechen von einem Angriff auf ein gewisses militärisches Forschungszentrum, die westlichen Medien vom Angriff auf eine mysteriöse Fahrzeugkolonne – mal sei es ein Transport von “Buk”-Raketen, mal ein Chemiewaffentransport gewesen – die in Richtung der libanesischen Hisbollah unterwegs gewesen sein soll. Das offizielle Israel hüllt sich überhaupt in Schweigen.
Alle bislang geäußerten Versionen sehen gelinde gesagt seltsam aus. Ein Angriff auf ein Forschungszentrum ist vollkommen unlogisch, selbst, wenn darin Komponenten für Chemiewaffen aufbewahrt werden. Damaskus ist zum jetzigen Zeitpunkt die bestgeschütze Stadt in Syrien, die Armee erledigt gerade die Reste der Rebellenbanden in Daraya und verlagert sich in Richtung Duma, wo verschiedenen Quellen zufolge um die 5 Tausend Rebellen festsitzen, samt ihrer Vorratslager, Lazaretts, Waffen- und Lebensmittelreserven. Duma ist zum jetzigen Zeitpunkt bereits praktisch eingekesselt.
In diesem Fall kann man sich zwar um die Sicherheit der Chemiewaffen sorgen, man muss es aber nicht – die Syrer kümmern sich selbst darum.
Ein Päckchen für die Hisbollah und die nervöse Reaktion Israels darauf nimmt sich als Version auch vollkommen seltsam aus. Erstens hat man auch früher bereits auf diese Weise Waffen geschickt – woher sollte die Hisbollah wohl sonst ihre Waffen haben? Zweitens ist die Hisbollah seit inzwischen schon ungefähr einem Jahr hinsichtlich der “syrischen Frage” gespalten: ein Teil tritt für eine vollumfängliche Unterstützung Assads ein, der andere ist der Meinung, man habe sich eher um die eigenen Probleme zu kümmern. Würde man zum jetzigen Zeitpunkt einer der Fraktionen innerhalb der Hisbollah Waffen liefern, so hieße das, ein endgültiges Auseinanderbrechen ihrer Reihen zu bewirken, was Assad sicher nicht gebrauchen kann. Dazu hat noch die libanesische Armeeführung erklärt, dass sie weder von einer Fahrzeugkolonne, noch von einem Angriff auf eine solche Kenntnis habe.
Es gibt einen Umstand, der von den Medien bislang überhaupt nicht betrachtet wird. Der Luftangriff passierte synchron zur Ernennung Kerrys zum US-Außenminister. Ebenso synchron hat gestern die unversöhnliche syrische Opposition durch ihren Chef Moas al-Chatib verkündet, sie sei zu Verhandlungen mit Assad bereit, das heißt also etwas zu tun, was sie im Verlauf der zwei Jahre andauernden “Revolution” immer kategorisch abgelehnt hat.
Das bedeutet, dass der Krieg in Syrien in einer Umbruchsphase angekommen ist. Die Opposition räumt ein, dass sie keine Möglichkeit mehr hat, ihre Ziele auf militärischem Wege zu erreichen und versucht, noch so viel wie möglich Vorteile aus ihrer derzeitigen Lage zu retten; solange die syrische Armee eben die militärischen “Argumente” ihrer Gegner noch nicht vollständig aufgerieben hat. Sicherlich gibt es außer dieser Opposition noch die Islamisten – radikale, hirnverbrannte Dschihadisten, mit denen man unter keinerlei Umständen verhandeln wird. Nach dem neuerlichen Massenmord an Zivilisten in Aleppo hat Präsident Assad versprochen, die Gruppierung namens “Al-Nusra-Front” bis auf den letzten Mann zu vernichten. Mit solchem Gelichter führt man keine Gespräche.
Alles zusammen heißt, dass Syrien es durchlitten und standgehalten hat. Nein, es ist noch lange nicht zu Ende, aber es gibt ein Licht am Ende des Tunnels. Und das ist es, was vielen nicht recht ist. Einschließlich Netanjahu. Einfach deshalb, weil ein Ende des Kriegs in Syrien nach einem Szenario, das nicht dem der arabischen Monarchien und des Westens entspricht, zweifellos ein Erstarken der Positionen des Iran in der Region bedeutet. Nicht einen Sieg, aber doch eine merkliche Änderung des Kräfteverhältnisses.
Netanjahu wird nicht müde, von der iranischen Bedrohung und von Atomwaffen zu erzählen. Es ficht ihn nicht einmal an, dass sowohl der Westen als auch die USA inzwischen mitteilen, dass der Iran seine Atomforschungen “deutlich verlangsamt” habe und es ihm vor 2015 theoretisch nicht möglich sein wird, an einen Atomsprengsatz zu gelangen. Netanjahu sagt aber, dass es jetzt schon möglich ist. Folglich ist es jetzt schon möglich. Er bezweckt, die USA in einen Krieg mit dem Iran zu hetzen, die USA, die das demonstrativ ablehnen, während Kerry nicht minder demonstrativ von der dringenden Notwendigkeit spricht, alle Fragen mit dem Iran auf eine rein diplomatische Ebene zu verlagern.
In diesem Falle soll ein Angriff auf Syrien den Iran dazu herausfordern, sich einzumischen und seine Behauptungen, er sei bereit, das syrische Territorium im Fall einer Intervention zu verteidigen, mit Taten zu belegen. Dann würde man den Iran als Aggressor hinstellen können, Israel veranlaßt die USA zur Einmischung, denn es wird ja nicht irgendwer angegriffen, sondern deren Verbündeter.
Mit anderen Worten, dem Angriff Israels liegen keine rein militärischen Ziele zugrunde. Die israelische Luftwaffe hatte keine militärische Aufgabe. Das Ziel des Angriffs ist eine Provokation als ein Versuch, erst Syrien, dann den Iran und schließlich die USA zu einer Vergeltung zu verleiten.
Was tut ein kluger Mensch, wenn sein Gegner versucht, ihn zu bestimmtem Handeln zu provozieren? Richtig, er macht es gerade andersherum. Hauptsache ist, nicht das zu tun, was der Feind von dir erwartet. Assad benimmt sich bislang wie ein kluger Mensch – er hat sich einfach Netanjahus Spucke aus dem Gesicht gewischt. Genau, wie er es getan hatte, als die Türkei syrisches Territorium beschossen hatte. “Wir ertragen das”, sagten die Syrer. Und wie sehr das auch nach Feigheit aussehen mag, eine solche Reaktion ist am effektivsten.
Für Syrien hat jetzt die Befriedung im Landesinneren Priorität. Wenn es Verhandlungen mit der Opposition geben soll, dann eben auf dem Verhandlungsweg. Wenn nicht, dann werden die Rebellenbanden eben systematisch vernichtet werden. Alle anderen Aufgaben sind von geringerer Wichtigkeit. Und deshalb dulden die Syrer es auch. Es ist klar, dass die im Saft ihrer eigenen Tiraden geifernden israelischen Internetforen die Syrer jetzt massiv verhöhnen – “Wo war sie denn, eure vielgepriesene Luftverteidigung?” Das ist unangenehm. Aber die Syrer haben es nicht eilig damit, die Lösung ihrer wichtigsten Aufgabe – den Frieden im Lande – jetzt zu gefährden. Das ist auch die bestmögliche Entscheidung, die sie treffen können. Und es ist sehr wichtig, dass sie es erst einmal ertragen. Antworten können sie nachher. Wenn sie diese wichtigste Aufgabe gelöst haben.
Quelle: VZ.ru

Zur "Katastrophe" in Fordo

Die israelischen und pro-israelischen Medien begannen vor ein paar Stunden damit, massenweise Meldungen von einer Katastrophe im iranischen “Zentrum für die Urananreicherung”, Fordo, zu bringen. Man spricht von einer gewaltigen Explosion, durch deren Wirkung Gebäude in einem Radius von 5 Kilometern um das Zentrum herum eingestürzt oder beschädigt worden seien. Das unterirdisch gelegene Zentrum soll mehr oder weniger völlig zerstört sein, es werden Details genannt bis hin zu Feuerleitern und den Positionen, an denen die beiden Fahrstühle steckengeblieben sind. 190 Personen sollen in 90 Metern Tiefe eingeschlossen sein. Es wird behauptet, diese Explosion sei ein Anschlag – angeblich hätten Saboteure in monatelanger Arbeit Sprengstoff gewissermaßen in ihren Hosentaschen hineingebracht und konnten ihn schließlich zünden.
Offen gesagt ist schon allein dieses ganze Potpourri an Information als solches eher geeignet, die Sache zu bezweifeln. Nachdem inzwischen eine Reihe von israelischen Internetseiten selbst diese Meldung einfach wieder löschte, wird langsam klar, dass es sich um eine banale Ente handelt, die aber vorher nicht gerade glaubwürdig war: um als Folge von einer tief unter der Erde gezündeten Explosion im Radius von 5 Kilometern noch Häuser einstürzen zu lassen, hätten die Attentäter nicht bloß Sprengstoff in ihren Taschen dahinschaffen müssen, sondern ordentliche Kernsprengsätze in der entsprechenden Menge. Und das ein paar Monate lang. Ein Meme zu dieser Anlage ist ja immer, dass “schwerste bunkerbrechende Waffen” dort keine Chance hätten. Aber der heute gemeldete Anschlag macht von dort aus durch dieselben Felsschichten Infrastruktur und Gebäude in enormem Umkreis kaputt.
Scheinbar hat Netanjahu nach seinem Wahlsieg auch nichts Neues mehr anzubieten, als die Fortsetzung des Iran-Themas. Nach zwei Jahren eines grassierenden “Arabischen Frühlings”, der die Sicherheitskonstruktion des gesamten Nahen Ostens über den Haufen wirft, hat Netanjahu immer noch keine Strategie oder ein Programm artikuliert, wie er sich denn die Existenz Israels in diesem vollkommen andersartigen Umfeld vorstellt. Die einzig richtige Antwort wäre eine Mobilisierung – von Ressourcen, Menschen und Ideen. Die ist aber nur dann gut, wenn man weiß, wofür genau sie da ist. Bislang hat Netanjahu nichts dergleichen von sich gegeben. Also dient der Iran als herkömmliche, wohlfeile Zielscheibe – da muss man nichts Neues erfinden. Das zombisierte Wahlvolk wird das gehorsam verspeisen.
Währenddessen scheint in Israel so etwas wie eine Protestbewegung heranzureifen, der es scheinbar einfach stinkt, ewig die gleichen Hackfressen auf den Fernsehschirmen zu sehen. Von der Qualität nicht besser als die ganze Soße um die “Weiße Schleife” im vergangenen Jahr in Russland, aber immerhin. Auf Anhieb 19 Sitze im Parlament erreichte die quasi am Vortag der Wahlen aus dem Boden gestampfte Jesch Atid unter der Führung des bekannten Fernsehmoderators Jair Lapid. Im Programm: Geld von den Haredim (den “Ultrareligiösen”) und den Beamten abzwacken, bezahlbarer Wohnraum, Verbesserung der Lage der Mittelschicht, “Gesundung des politischen Systems”. Lediglich zwei konkrete Punkte gab es im Wahlprogramm: Wehrpflicht oder Wehrersatzdienst für alle gleichermaßen (bislang sind die Haredim davon befreit) sowie eine Reduzierung der Ministerposten in der Regierung. Mit anderen Worten: nichts Konstruktives, womit man arbeiten könnte. Doch die Unterstützung durch die Wähler blieb eben nicht aus.
Unter solchen Bedingungen ist das einzige, was das politische Establishment scheinbar anzubieten hat, eine Konsolidierung der eigenen Reihen. Dazu braucht es einen Feind, und dafür passt der Iran immer noch am besten. Die Feindseligkeit gegenüber dem Iran ist in Israel demnach immer noch primär ein innenpolitischer Faktor.
Wenn es mit dem Iran keine Probleme gibt, erfinden die israelischen Medien eben welche. Und das unbedingt mit dem Unterton einer katastrophalen Bedrohung.

Option Persien (Teil 3)

(Fortsetzung von hier)

Der Iran wäre für die Vereinigten Staaten, gelinde gesagt, ein nicht gerade “handliches” Instrument. Es kann nicht etwa die Rede von Freundschaft und Zusammenarbeit mit den stolzen Persern sein, ein solches Szenario kann man sich nicht einmal in der Perspektive vorstellen. Aber das ist, wie die Amerikaner unter Beweis gestellt haben, kein Problem. Die Al-Kaida & deren Derivate, die bis Oberkante Unterlippe mit Fanatikern und Amerikanophoben angefüllt sind, arbeiten wunderbar im Interesse ihres “größten Feindes”. Und meinen dabei, diesen in ihrem heiligen Krieg nur zu benutzen.

Für den Iran besteht die wichtigste Aufgabe darin, Zugang zum Erdöl- und Erdgasmarkt zu behalten. Dabei ist es erst einmal sekundär, ob das der europäische oder asiatische Markt ist. Während man nun den Transport von Erdöl vergleichsweise elegant mittels Öltanker lösen kann, so sieht die Sache beim Erdgas vom rein geographischen Gesichtspunkt her schon etwas anders aus. Hier ist der vielversprechendste und lukrativste Markt – der asiatische – für den Iran schwer zu erreichen. Eine Pipeline durch das Himalaja-Gebirge zu verlegen ist ein recht zweifelhaftes Vergnügen; ein Umweg über Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und die Dschungarei trifft schon zu Beginn dieser Route auf die Interessen Turkmenistans, das über die weltweit viertgrößten Erdgasvorkommen verfügt und seinerseits Zugang zu asiatischen Abnehmern für sein Erdgas sucht, da die freundschaftlichen Umarmungen des russischen Gazprom in anderer Richtung gar zu innig sind. Für die Schaffung einer nennenswerten Infrastruktur für den Gastransport per LNG-Frachter fehlt es dem Iran schlicht an Mitteln. Was das kostet, kann man am Beispiel Katars recht gut nachvollziehen.