Beiträge mit Tag ‘wochenschau’

Wochenschau, Folge 46

"Tag der Liebe zum Propheten" in Pakistan

„Tag der Liebe zum Propheten“ in Pakistan

Umgestaltung der Welt – eine russische Perspektive. Der aktuelle Wochenrückblick versucht, folgende Fragen zu behandeln: Wozu provoziert Eurpoa die Moslems mit neuen Mohammed-Karikaturen? Wer ist nun schon wieder Opfer in Libyen und weshalb gibt es in Georgien Proteste? Wird Mikhael Saakaschwili weitere Teile seiner Konfektion verspeisen?

Viel Spass beim Anschauen. Die „Bilder der Woche“ sind wieder als Extra-Video dabei.

Brennpunkte der Woche

In Syrien setzen die Regierungstruppen die Säuberungsaktionen in den Vorstädten von Damaskus und anderer Städte fort. In Aleppo wurden allein bei einem der Zusammenstöße mehr als 100 Rebellenkämpfer liquidiert, welche, wie sich herausstellte, Söldner aus Afghanistan gewesen sind. Angesichts der Tatsache allerdings, dass die Kommandozentren der Rebellen außerhalb Syriens liegen, ist es unmöglich, sie endgültig auszuschalten. Wie bei einer Hydra wachsen an der Stelle einer vernichteten Bande neue, die ebenso mit neuesten Waffen ausgerüstet und von westlichen Militäranleitern ausgebildet sind. Derweil hat Russland bereits das zweite Frachtflugzeug mit humanitärer Hilfe nach Syrien geschickt. Die IL-76 brachte Zucker, Fisch- und Fleischkonserven sowie Kindernahrung nach Damaskus.

Ein eklatanter Vorfall ereignete sich in Afghanistan. Die ISAF-Luftwaffe nahm Taliban-Stellungen in der Provinz Laghmān unter Beschuss. Wie sich später herausstellte, war kein einziger Bewaffneter unter den Opfern. Durch diesen Beschuss sind 7 Frauen umgekommen, die an diesem Ort Feuerholz sammelten. Ein weiteres Mädchen ist dort infolge eines Herzanfalls gestorben. 19 Frauen und Kinder wurden verletzt. Wie bekannt ist, trennt die Demokratie nicht nach Geschlecht und Alter, sondern sucht jeden gleichermaßen heim.

Wochenschau, Folge 45

Barack Husseinowitsch Obama
Der aktuelle Wochenrückblick widmet sich ganz den bekannten Interaktionen zwischen „Al-Kaida“ und den Vereinigten Staaten von Amerika. Angemerkt sei, dass es wohl noch nirgends Klarheit gibt, wer konkret hinter dem Film „The Innocence of Muslims“ steckt; es gibt verschiedene Theorien. Webster Tarpley hat eine (Dank an Jörg für den Hinweis), die Kollegen aus Russland, die für diese Wochenschau inhaltlich verantwortlich sind, haben eine andere.
Es gibt in dieser Folge zwei inhaltliche Schnitzer: m.W. finden die US-Präsidentschaftswahlen am 04., nicht am 06. November statt und das bei 06:44 gezeigte Bleichgesicht neben dem Leichnam von Oberst Gaddafi ist nicht Christopher Stevens. Das ist hier bekannt. Nichtsdestotrotz, es sei ein frohes Anschauen gewünscht nebst der Bitte, das Video bzw. die Folge zu verbreiten, wenn es Anklang findet.
Video(s) sind eingebettet, der Vollständigkeit halber und zum Nachlesen für Youtube-geblockte Umgebungen findet sich der Text darunter.

Die vergangene Woche wird durch eine ungeheure Provokation in die Geschichte eingehen, die zur Ursache antiamerikanischer Proteste in der ganzen Welt wurde und für dutzende Menschen den Tod für politische Interessen bedeutete. Wir haben die Vorgänge sorgfältig beobachtet und können euch nun eine schrittweise Analyse der Situation präsentieren, die alle Ereignisse an den rechten Ort rückt.

Wir wollen vorausschicken, dass einige Bilder in dieser Folge zu grausam für Frauen, Kinder und sensible Zuschauer sein könnten.

Misslungene Allianz

Die Woche begann mit einer hochinteressanten Nachricht: am Vortag des Jahrestages der Tragödie vom 11. September haben radikale Islamisten, wie auf Bestellung zu einem schönen Datum, der USA und den Westländern einen Waffenstillstand angeboten. Die Initiative ist von zwei Todfeinden der USA ausgegangen – der “Al-Kaida” und den Taliban. Dabei waren die Bedingungen des Waffenstillstands durchaus annehmbar. Die “Al-Kaida” forderte im Austausch für das Einstellen von Terrorangriffen die USA dazu auf, sich nicht weiter in die Angelegenheiten islamischer Staaten einzumischen und gefangene Dschihadisten auf freien Fuss zu setzen. Die Taliban stellten analoge Bedingungen, haben aber ihrerseits noch dazu angeboten, die wichtigsten Militärbasen der USA in Afghanistan zu akzeptieren.
Am 6. November sind in den USA Präsidentschaftswahlen. Viele haben das Angebot der Islamisten als eine gute Chance für Obama gewertet, mit einem Schlag alle schwelenden Kriege zu beenden und dabei gleichzeitig Alliierte zu gewinnen, welche die Interessen der USA in den islamischen Ländern verteidigen. Doch lasst uns einmal darauf schauen, wer genau denn da mit dem Friedensangebot aufgetreten ist.
Von Seiten der “Al-Kaida” war das Mohammed al-Zawahiri, der Bruder des derzeitigen Al-Kaida-Führers Ayman al-Zawahiri, der an die Stelle von Osama bin Laden getreten war. Über Mohammed al-Zawahiri ist bekannt, dass er 14 Jahre seines Lebens in ägyptischen Gefängnissen verbracht hat und erst dank der Revolution vom vorigen Jahr die Freiheit erlangte. Er besitzt keinerlei Einfluss auf die Politik der “Al-Kaida”. Niemand aus der Organisation, auch nicht sein Bruder, haben seine Vollmachten, mit solchen Initiativen aufzutreten, auch nur auf irgendeine Art bestätigt. Mit anderen Worten, das Angebot scheint nach einer ersten Prüfung nicht wirklich ernstzunehmen zu sein.
Mit den Taliban ist die Lage noch nebulöser. Die Information über das Waffenstillstandsangebot tauchte in britischen Medien auf, die sich auf ungenannte Quellen in der Bewegung berufen. Angeblich meint ein Teil der Taliban, dass ein Friede möglich sei, will dabei aber nicht namentlich genannt werden. Mit anderen Worten, die von den Medien verbreitete Information über einen bevorstehenden Waffenstillstand ist zumindest zweifelhaft. Doch ihren Effekt hat sie gehabt – in den Augen der Bürger des Westens kamen die Führer der Feinde Obamas zu Kreuze gekrochen, um ihn um Frieden zu bitten.
Wir hatten allerdings gleich gesagt, dass es keine Waffenruhe geben wird. Zitat:

„Es genügt, sich vor Augen zu führen, dass das beiweitem nicht der erste Verhandlungsversuch ist. Aus irgendeinem Grunde passierten immer, wenn die Verhandlungen ein wenig in Gang kamen, irgendwelche Zwischenfälle, die den weiteren Verlauf der Verhandlungen unmöglich machten. Mal sprengt bin Laden etwas in die Luft, mal pinkeln US-Marines auf die Leichen getöteter Taliban oder zünden einen Koran an. (“Terroristen bieten Obama Waffenstillstand an. PR oder Legalisierung?”, odnako.org, 11. September 2011)

Als hätten wir’s geahnt. Schon am nächsten Tag wurde die Welt von einer Welle antiamerikanischer Proteste erschüttert, die mit der Veröffentlichung eines Trailers zu einem die religiösen Gefühle der Moslems verletzenden Film zusammenhingen. Es geht um den Trailer zum Film “The innocence of muslims”. Der Film stellt den Propheten Mohammed in einem äußerst ungünstigen Licht dar. Solches einem militanten Islamisten vorzuführen ist genau das selbe, wie ihm einfach Unrat an den Kopf zu werfen..
Inzwischen ist vollkommen klar, dass dieses Video eine vorbereitete Provokation gewesen ist. Urteilt selbst, das Video war bereits seit 3 Monaten im Netz, wurde allerdings erst jetzt ins Arabische übersetzt und genau am 11. September, nach der Information über das Waffenstillstandsangebot, unter Moslems verteilt. Man muss nicht allzu schlau sein, um die Reaktion darauf vorauszusehen. Wer als Kind einmal Hefe ins Klo geschmissen hat, kann sich vorstellen, wie die Sache ausgehen musste.
Übrigens ist der Film, dem Trailer nach zu urteilen, in jeder Hinsicht eine geistlose Billigproduktion. Nach dessen Erscheinen konnte man unter anderem lesen, dass sein Budget nur 5 Millionen US-Dollar betrug und er von mysteriösen “100 Juden” finanziert wurde. Das heißt, jeder dieser mysteriösen Juden spendete dafür 50.000 Dollar. Es ist klar, dass die Juden kein wohlhabendes Volk sind, mehr konnte man sich einfach nicht leisten.
Doch was den Nutzen angeht, haben sich die Investitionen absolut gelohnt. Um die Sache noch etwas hervorzuheben, wurde die Information verbreitet, der berüchtigte Pastor Jones hätte Teil an der Schaffung des Streifens. Das ist der Provokateur, der auch früher schon den Koran an den Pforten seiner Kirchgemeinde verbrannt hatte. Damals kam es im Nachhinein zu Massenprotesten in Afghanistan, die bis zu 100 Tote zur Folge hatten.

Die Revolution frisst ihre Väter

Die günstig plazierte Hefe fing also an zu brodeln. Erst kam es zu Unruhen in Ägypten. In Kairo brach eine Menge an Demonstranten zur US-Botschaft durch, verbrannte Flaggen der USA und hisste an ihrer Stelle das schwarze Banner des Islam.
Zur gleichen Zeit kam es zu weit dramatischeren Ereignissen im libyschen Benghazi. Benghazi gilt als die Hauptstadt der letzten libyschen Revolution. Heute gibt es verschiedene Versionen der Trägodie, die sich dort ereignet hat. Wir wollen versuchen, die Chronologie der Ereignisse anhand unserer Quellen wiederherzustellen.
Schon am Dienstagabend wurde die US-Botschaft in Benghazi von einer Menge belagert, die gegen das erwähnte Video protestierte. Es flogen Steine auf das Gebäude, woraufhin die Wache das Feuer auf die Demonstranten eröffnete. Die Menge wich zurück, allerdings begann ein paar Stunden später die zweite Welle der Angriffe. Doch nun waren die Leute nicht mit Steinen, sondern mit schweren Schusswaffen ausgestattet. Das Gebäude geriet unter Granatwerferbeschuss und begann zu brennen. Die Menge brach auf das Botschaftsterritorium durch, wo sie sich des Botschafters Christopher Stevens bemächtigte. Den Diplomaten ereilte das traurige Schicksal Gaddafis – die wahnsinnig gewordene Menge mißhandelte und tötete ihn, man schleifte seine Leiche dann unter Jubelrufen durch die Straßen.
Angemerkt sei, dass Christopher Stevens eine wesentliche Rolle beim Sturz der Regierung unter Gaddafi spielte. Er war der Koordinator der ersten Luftangriffe und war voll von überschwenglichen Gefühlen gegenüber den jungen demokratischen Kräften in Libyen.

Ich hatte die Ehre, während der Revolution als Vertreter Amerikas bei der libyschen Opposition zu dienen, habe mit Begeisterung beobachtet, wie das libysche Volk seine Rechte verteidigt. Nun bin ich sehr glücklich, wieder nach Libyen zurückzukehren, um die große Arbeit weiterzuführen, die wir angefangen haben…

Doch zurück zur Botschaft. Außer Stevens ist bei dem Angriff noch ein weiterer Amerikaner getötet worden, die anderen konnten an einen geheimen Ort fliehen. Allerdings haben sich die Angreifer der Botschaftsarchive bemächtigt, wo es auch Informationen zu diesem geheimen Ort sowie auch Listen aller Treffpunkte und US-Agenten in Libyen gab. Die libyschen Machthaber konnten den Schutz der Amerikaner oder ihre Evakuierung nicht gewährleisten. Die Geflohenen mussten sich also wieder zur Wehr setzen, solange die Machthaber darum bemüht waren, eine Transportmöglichkeit für ihre Evakuierung zu organisieren. Es starben weitere zwei US-Marines, wobei angemerkt wird, dass die Attacke höchst professionell ausgeführt wurde. Lediglich eine amerikanische Sondereinheit konnte ihre Landsleute schließlich evakuieren.
Als die Lage sich entspannte, folgte die Reaktion des Weißen Hauses. Obama entsandte zwei Kriegsschiffe an die libysche Küste. Über Benghazi wurde eine lokale Flugverbotszone errichtet. Ganz genau, wie bei der vergangenen Revolution. Schon in der ersten Nacht danach haben Unbekannte versucht, amerikanische Drohnen, die über der Stadt kreisten, vom Himmel zu holen. Es kam zu weiteren Schießereien in Sirte und zu Explosionen in Tripolis. Eine Einheit der Navy Seals ging in Libyen an Land, um Anti-Terror-Einsätze durchzuführen. Wahrscheinlich werden wir in den kommenden Tagen Zeugen von US-Angriffen auf vermeintliche Terroristenlager in Libyen werden.

Ergebnisse und Folgerungen

Zu allen Zeiten wurde Mord an Botschaftern als Kriegserklärung gegen den Staat gewertet, der von diesem Botschafter vertreten wird. Hier ist es wichtig zu verstehen, wer genau Stevens umgebracht hat. Es gibt unzählige Versionen. Von unbekannten Gaddafi-Anhängern bis zu lokalen Vollidioten, die einfach aus Spaß morden und brandschatzen. Die USA verkündete, eine sorgfältige Untersuchung in die Wege zu leiten und die Schuldigen zu bestrafen. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man vermuten, dass die Schuldigen letztendlich als “Al-Kaida” identifiziert werden.
Wir wollen uns nicht im Detail bei den Protesten aufhalten, von welchen die gesamte islamische Welt erfasst wurde. Angemerkt sei nur, dass großangelegte Protestaktionen an den US-amerikanischen Botschaften in Ägypten, Jemen, Tunesien, im Kaschmir, in Pakistan, Sudan, Marokko, Katar, im Irak, Iran und vielen anderen Ländern abliefen. Die Zahl der Verletzten kommt nahe an die Tausend heran, es gab Dutzende Tote. Barack Obama entsandte Spezialeinheiten an die heißesten dieser Orte – in den Sudan und nach Jemen. In Afghanistan überfielen die Taliban eine US-Militärbasis und töteten zwei Marines.
Die wichtigste Folgerung – es kann keinerlei Waffenstillstand zwischen den Islamisten und dem Westen geben. Es bleibt ein Rätsel, wer hinter der Organisation der ganzen Sache steckt. Bekannt ist aber, dass zum Beispiel die Botschaft in Libyen Warnungen vor bevorstehenden “Aktionen” bekommen hatte, noch bevor das provokative Video auftauchte. Wenn man sich das Prinzip von Ermittlern zueigen macht und danach fragt, wem die Sache genützt hat, so ist das zweifelsohne Barack Obama. Ein besseres Geschenk konnte man ihm vor den Wahlen gar nicht machen.
Erst kamen die Islamisten auf Knien zu ihm gekrochen und bettelten um Frieden. Aber Obama braucht diesen Frieden nicht, deswegen demonstrierte die grandiose Provokation sogleich die Haltlosigkeit eines solchen Angebots. Wie sollte sich Amerika auch mit den Mördern seiner Botschafter anfreunden? Dafür konnte Obama die Härte demonstrieren, deren Mangel sein Konkurrent Mitt Romney an ihm kritisierte. Die Kriegsschiffe, die Sonderkommandos in der ganzen Welt – das nun ist typisch amerikanisch. Außerdem gelang es Obama, die Aufmerksamkeit seiner Bürger mit einem Fingerschnippen von inneren Problemen auf äußere lenken. Er ist außerstande, die inneren Probleme, solche wie das Wachsen der Auslandsverschuldung, die Arbeitslosigkeit usw. zu lösen, aber eine Kampfshow mit der unsichtbaren “Al-Kaida” inszenieren – das geht. Und nun klingt das Statement Mitt Romneys darüber, dass der Hauptfeind der USA nicht die Terroristen sind, sondern Russland, geradezu lächerlich. Lächerlich klingen auch seine Behauptungen, Obama sei zu weich und zu entschlossenem Handeln unfähig.
Kurz gesagt, bis zum 6. November erwartet uns eine unterhaltsame Show für die amerikanischen Wähler, der eine noch unbekannte Zahl weiterer Menschen in allen Teilen der Welt erliegen wird. Was soll’s, die amerikanische Politik fordert eben Opfer.

Wochenschau, Folge 44

Tuareg in Azawad (Mali)
Tuareg in Azawad (Mali)
Die aktuelle „russische Wochenschau“ ist soeben herausgekommen. Behandelt werden in den Brennpunkten Syrien, Irak, Afghanistan, kurz beleuchtet werden die Proteste in Belfast und Manama (Bahrain) und ein eigener Teil widmet sich der Situation in Mali (Azawad). Dazu ein paar Worte zu Wirtschaftsthemen, und schon haben wir einen kompakten und recht unkomplizierten Wochenrückblick, der alles in allem auf ein Publikum zugeschnitten ist, dass informiert sein will, ohne den Dingen allzu lang und tief auf den Grund gehen zu müssen.
Der deutschsprachige Videobeitrag wird hier eingebunden (die Rubrik „Bilder der Woche“ wurde ausgegliedert), darunter der Text. Falls jemand die vergangene Folge verpasst hat (sie wurde hier nicht veröffentlicht), folge bitte diesem Link.

Brennpunkte der Woche

Diese Woche hat es in Syrien keine wesentliche Veränderung im Kräfteverhältnis gegeben. Die bewaffneten Rebellen haben eine Reihe von Terroranschlägen gegen Zivilisten verübt, was von den Regierungstruppen mit weiteren Säuberungsaktionen beantwortet wurde.
In der deutschen Presse gab es gleichzeitig die Information, dass Frankreich den Rebellen Luftabwehrwaffen zum Schutz vor der syrischen Luftwaffe liefert. Offiziell wurde diese Nachricht natürlich dementiert. Doch das steht in Einklang mit den immer häufiger werdenden Meldungen der Rebellen, diese hätten Hubschrauber und Flugzeuge der Regierung abgeschossen, ebenso auch mit der Drohung, auf zivile Passagierflugzeuge zu zielen, die in Damaskus landen. Bekannt ist, dass Frankreich im Krieg in Libyen die Rebellen inoffiziell mit Waffen versorgt hat. Das wird inzwischen offiziell bestätigt, doch wir sind natürlich weit von der Annahme entfernt, dass die französische Regierung auch diesmal lügt.
Ein weiterer Brennpunkt liegt in der Türkei im Grenzgebiet zum Iran und zu Syrien. Türkische Streitkräfte führen Operationen gegen die Kämpfer der PKK aus, welche vorher erfolgreiche Angriffe auf das türkische Militär unternommen haben. Einige Dutzend Kurden sind dem bereits zum Opfer gefallen. Die türkischen Machthaber beschuldigen Syrien damit, die kurdischen Separatisten zu unterstützen. Syrien wiederum beschuldigt die Türkei mit der Unterstütztung der in Syrien kämpfenden Rebellenbanden.
Unruhig ist es weiterhin auch im Irak. Wieder gab es Sprengstoffanschläge auf Schiiten. Die Sprengsätze detonierten an der Keisal-al-Tamimi-Moschee, der Imam-Ali-Moschee im Norden von Kirkuk sowie an der Al-Mustafa-Moschee. Die Anschläge wurden so geplant, dass es maximal viele Opfer geben würde. Es gab mindestens 9 Todesopfer und 80 Verletzte. Vor diesem Hintergrund erhöht Washington erneut den Druck auf den irakischen Premier Nuri al-Maliki, um diesen dazu zu veranlassen, den irakischen Luftraum für iranische Flugzeuge zu sperren. Nach Meinung der US-amerikanischen Machthaber nutzt der Iran Luftkorridore über dem Irak, um Baschar al-Assad mit Waffen und Militärspezialisten zu versorgen. Anfangs war al-Maliki damit einverstanden, aber sobald die syrischen Rebellen zu direkten Militäraktionen gegen die Regierung übergingen, wurde der irakische Luftraum wieder geöffnet.
Auch in Afghanistan gab es die ganze Woche über Explosionen. Ein Selbstmordattentäter riss bei einer Beerdigung 25 Afghanen mit in den Tod. Der Anschlag eines Selbstmordattentäters nahe dem NATO-Hauptquartier in Kabul kostete 6 Menschen das Leben und verletzte 4 Kinder schwer. Auch ausländische Soldaten bekamen ihren Teil ab. Am Mittwoch hat ein ISAF-Hubschrauber eine sogenannte “harte Landung” ausgeführt, beziehungsweise ist abgestürzt. Die beiden Piloten kamen dabei ums Leben. Die Taliban erklärten, dass sie an diesem Tag gleich zwei Hubschrauber abgeschossen hätten. Vom ISAF-Kommando wird die Ursache des Absturzes nicht genannt.

Proteste der vergangenen Woche

Eine Welle von Protesten und Zusammenstößen mit den Ordnungskräften erfasste in dieser Woche das nordirische Belfast. Der Konflikt trat zwischen den dortigen Katholiken und Protestanten auf. Die Katholiken treten für eine Unabhängigkeit von Großbritannien ein, was Konfliktpotential zwischen ihnen und den loyalistischen Protestanten mit sich bringt. Als sich die Polizei in die Auseinandersetzung einmischte, flogen Pflastersteine und Molotow-Cocktails. Die Sicherheitskräfte setzten Gummigeschosse und Wasserwerfer ein. Nach zwei Tagen solcher Demonstrationen wurden rund 60 Polizisten verletzt. Die Weltöffentlichkeit bleibt den Hoffnungen und Forderungen des irischen Volkes gegenüber taub.
Mehrere Tausend Menschen demonstrierten auf dem zentralen Platz von Manama in Bahrain. Die Demonstranten fordern zum wiederholten Male eine Gleichberechtigung der schiitischen Bevölkerung und eine Einschränkung der Willkür der herrschenden Dynastie, welche die Macht inzwischen vor mehr als 40 Jahren usurpiert hat. Wie früher, so hat die Polizei die Proteste auch diesmal mit Härte und Entschlossenheit zerschlagen. Dabei wurden Tränengas und andere Mittel angewendet. Auch hier muss man anmerken, dass die Weltöffentlichkeit die berechtigten Forderungen der friedlichen Bevölkerung Bahrains weiterhin ignoriert. Der Gedanke sei ferne, dass dies an der hier gelegenen, größten US-Marinebasis im Persischen Golf liegt.

Kurz vor Krieg

Diese Woche ist bekannt geworden, dass die Staaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS eine Militäroperation im Norden Malis beabsichtigen. Zur Erinnerung: ein Großteil des Territoriums dieses armen Landes steht seit dem Frühjahr unter der Kontrolle von Islamisten mit Verbindungen zu Al-Kaida. Inzwischen wird hier die Scharia eingeführt, es werden Denkmäler der Sufi-Kultur zerstört und ausländische Diplomaten hingerichtet. Die Regierung Malis ist in Zeiten einer verschärften wirtschaftlichen und politischen Krise nicht imstande, der Lage allein Herr zu werden. Derweil bedroht die Festigung der Positionen der Islamisten, die bereits ein Territorium doppelt so groß wie Deutschland besetzen, die Stabilität der gesamten Region. In vielerlei Hinsicht hat sich die Lage durch den Sturz des libyschen Führers Muammar al-Gaddafi so entwickelt. Er war es, der zu Lebzeiten Mali wirtschaftlich unterstützt hat, um so Frieden und Sicherheit an den libyschen Grenzen zu haben. Außerdem konnte Gaddafi, wie kein anderer, Kompromisse innerhalb verschiedenster Interessen afrikanischer und arabischer Stämme finden; dieser Status quo ist mit seinem Sturz ebenso zu Fall gekommen.
Von den Ursachen und Hintergründen des Konflikts in Mali soll uns unser heutiger Gast berichten. Wir begrüßen Jewgeni Nikolajewitsch Korendjasow, den Leiter des Zentrums für russisch-afrikanische Beziehungen und Außenpolitik der afrikanischen Staaten. Früher war er Botschafter der UdSSR und der Russischen Föderation in Mali.
– Die Ursache liegt gewissermaßen in der sinnlosen und brutalen Operation gegen die libysche Regierung. Das war ein grober Fehler. Eine der Folgen dieses Fehlers ist die Verschärfung der Situation in Mali. Bei den Tuareg-Gruppierungen, die jetzt dort an die Macht gekommen sind, handelt es sich um extremistische, terroristische Organisationen.
Außerdem sind Drogenschmuggler sehr an diesem Separatismus interessiert. Es ist bekannt, dass aus den Ländern Lateinamerikas pro Jahr durch Westafrika und Mali im Speziellen Kokain im Gesamtwert von 2 Milliarden US-Dollar nach Europa geschleust wird. Ungefähr 40% des nach Europa einfließenden Kokain gehen über Westafrika, einschließlich Mali. Der Transport passiert nicht nur auf dem Land-, sondern auch auf dem Luftweg. Die Drogen werden per Flugzeug in die Sahara gebracht, diese werden entladen, und schon sind Toyotas mit dieser Ladung Richtung Mittelmeer unterwegs.
Ich denke, dass Russland, welches in Zeiten der Sowjetunion sehr gute Beziehungen zu Mali pflegte, das eine Schlüsselrolle bei der Bildung der nationalen Streitkräfte des Landes spielte und insgesamt 6 Hochschulen und einige Industrieunternehmen in Mali aufgebaut hat, sehr daran interessiert ist, dass dieses Land sehr bald zu einer friedlichen Beilegung der Krise findet.

Wirtschaftsteil der Woche

Zum Ende der Woche entschloss sich die Europäische Zentralbank zu einem unbegrenzten Ankauf von Staatsanleihen. Dabei kommt das Prinzip einer untersten Schwelle von Kreditwürdigkeit nicht zur Anwendung, das heißt, es wird alles gekauft, mit Ausnahme der Schulden Griechenlands. Was die EZB danach mit diesen teils aussichtslosen Schulden macht, ist völlig unklar. Wie es aussieht, interessiert das derzeit allerdings kaum jemanden.
Auch der Zustand der chinesischen Wirtschaft gibt weiterhin zu denken. Um die Wirtschaft anzukurbeln, investiert die chinesische Regierung einmal mehr in Infrastruktur. In Rekordzeit wurden rund 60 Infrastrukturprojekte mit einem Gesamtvolumen von 157 Milliarden US-Dollar bewilligt. Davon entfallen 127 Milliarden auf die Entwicklung von Eisenbahnwegen. In Shanghai soll es zwei komplett neue U-Bahn-Linien geben, auch in Provinzstädten werden U-Bahnen gebaut. Bis zum Jahr 2020 plant China die Verviefachung der Gesamtlänge seiner Schienenwege auf 7.000 Kilometer.

Bilder der Woche

00:06 – Wir haben eine Bilderserie aus dem heutigen Libyen bekommen. So sah die libysche Hauptstadt Tripolis unter dem Tyrannen Gaddafi aus. Und so – heute. Die Regierung schafft es nicht, eine normale Müllabfuhr zu organisieren.
00:18 – Das ist Sirte; die Regierung hat keine Mittel, die Stadt wieder aufzubauen.
00:23 – Das ist das Ergebnis eines Granatenanschlags, der in der vergangenen Woche von einem Unbekannten verübt wurde.
00:28 – Dies nun ist etwas erntshaftere Arbeit – ein paar hiesige Gruppierungen im Verteilungsstreit. Solche Aktionen enden üblicherweise in etwa auf diese Weise.
00:36 – Das nun ist die Küste, an der Leichname von Ermordeten entsorgt werden – dieser Tage wurde hier wieder 10 Leichen entdeckt. Gaddafi ist schon vor langer Zeit ermordet worden, aber Tote gibt es immer und immer wieder. Wer wird sich dafür nun zu verantworten haben?

Wochenschau, Folge 42

Al-Humurun-Mudschaheddin in Syrien
Al-Humurun-Mudschaheddin in Syrien

Themen sind diesmal Syrien inkl. Chemiewaffen, der Wahhabismus in Russland (Nordkaukasus und Wolgagebiet), Ägypten sowie – zurück in Syrien – die erbarmungslose Terrorgruppe Al-Humurun, die in den Kampf gegen „das Regime“ einsteigt.

Dieses russische Projekt kann man sich auch auf Englisch anschauen, hier die aktuelle Folge mehr oder weniger exklusiv in deutscher Sprache. Für Leute „auf Arbeit“ oder mit sonstiger Youtube-Blockade findet sich das Transkript unter dem eingebetteten Video.
Die Lage in Syrien bleibt angespannt. Das liegt aber nicht an den militärischen Erfolgen der Banditen, sondern an der sich zuspitzenden internationalen Situation dazu. In dieser Woche wurde wieder das Thema der chemischen Waffen und einer Militärintervention angestoßen. Wir hatten bereits angemerkt, dass je hoffnungsloser die Lage der Rebellen ist, zu desto radikaleren Schritten der Westen bereit ist. So droht nun Barack Obama selbst mit adäquaten Maßnahmen für den Fall, dass Assads Chemiewaffen “außer Kontrolle” geraten. Darin unterstützt ihn der britische Premier David Cameron. Auch Frankreich schließt sich den Drohungen an, indem es vorschlug, in Syrien eine Flugverbotszone nach libyschem Vorbild zu errichten.
Mit anderen Worten, man bereitet weiter den Boden für eine Provokation mit chemischen Waffen als eine Variante der Rechtfertigung einer ausländischen Invasion vor. Dieses Schema ist nicht neu, aber effektiv. Es könnte zum Beispiel einen Anschlag mit C-Waffen in einer der Städte geben, wonach man den Angriff Assad zur Last legt. Man könnte Attacken der Rebellen auf ein Chemiewaffenlager organisieren und unter dem Vorwand, dieses vor Terroristen zu schützen, eine Militäroperation starten. Egal was, alles scheint recht zu sein, um einen Vorwand für Militärschläge gegen die syrischen Regierungstruppen zu bekommen.
Dabei tauchte auch die Information auf, dass US-Spezialeinheiten auf israelischem und jordanischem Gebiet in volle Bereitschaft versetzt wurden, um eine Operation zur Sicherung der Chemiewaffenlager durchzuführen. Anderweitig bestätigt wurde das allerdings bisher nicht.
Interessant ist noch eine weitere Sache. Mehr und mehr Rebellen in Syrien verzichten auf das Deckmäntelchen der Kämpfer für Demokratie und geben sich offen als islamische Radikale zu erkennen. Dabei erklären sie, dass “Al-Kaida” sie weit mehr unterstützen würde als der Westen, folglich gilt es, mit ihr gemeinsam zu kämpfen. Es ist bekannt, dass die wahhabitischen Einheiten, die in Syrien operieren, durch Söldner aus Libyen, dem Irak, Afghanistan, Jemen und anderen Ländern gestellt werden. Selbst Tschetschenen sind im syrischen Konflikt aufgetaucht. Unlängst wurde in Syrien Rustam Gelajew, der Sohn des tschetschenischen Terroristen Ruslan Gelajew, liquidiert. Sein Vater wurde 2004 von russischen Grenzsoldaten unschädlich gemacht.

Russland: Wahhabitische Internationale

In letzter Zeit macht sich eine Zunahme terroristischer Aktivität im Nordkaukasus, Tatarstan und Kasachstan bemerkbar. Die ganze Woche über wurden Dagestan und Inguschetien von Anschlägen erschüttert. In Tatarstan haben sich drei Islamisten beim Versuch, einen Sprengsatz zu bauen, in einem Pkw in die Luft gesprengt. Einer von diesen mit Namen Asat tauchte bereits in einer unserer Ausgaben auf. Diese Bilder der 39. Folge zeigen eine Demonstration tatarischer Islamisten in Kasan.

Die Leute assoziieren Wahhabiten mit Terroristen. Egal wo man hinkommt, viele drehen sich um und starren, weil man im Fernsehen immer erst bärtige Männer beim Gebet sieht, und dann Explosionen. Leute, die sich nicht auskennen, assoziieren bärtige wahhabitische Männer offenbar deswegen damit. Warum wird eine Schwester mit Kopftuch immer gleich damit assoziiert? Weil die Menschen vom Fernsehen so abgerichtet worden sind.

Unlängst gab es ungeachtet eines Verbots eine weitere Demonstration in Kasan. Als die Polizei daran ging, diese Demonstration aufzulösen, ereigneten sich diese Szenen. (Im Video ab 04:08.)

– Allahu akhbar! Allahu akhbar!…
– Allah, verfluche die Ungläubigen!
– Nur einer soll sprechen…!
– Allah, verfluche die ungerechten Unterdrücker!
– Oh Allah, mögest Du all ihre Intrigen gegen sie wenden!
– Oh Allah, mögest Du all Deine Feinde vernichten!

Es entsteht der Eindruck, dass man hier nicht im Herzen von Russland, sondern in einem Land des “Arabischen Frühlings” ist.
Inwieweit das Erstarken der Wahhabiten in Russland eine Bedrohung ist und wie die Regierung darauf reagiert, soll uns ein Experte kommentieren.
Mit uns verbunden ist Jana Amelina, die Leiterin des Sektors für Kaukasus-Forschung am Russischen Institut für Strategische Forschung.

– Jana, guten Tag! Sagen Sie bitte, besteht derzeit eine Verbindung zwischen den Wahhabiten im Nordkaukasus und denen im Wolgagebiet?

– Sicherlich besteht sie. Und das nicht nur heute, sondern sie funktioniert schon seit einigen Jahren ziemlich gut. Es begann auf rein ideologischem Gebiet, jetzt gibt es Anzeichen dafür, dass es bereits auf der Ebene der Organisation so weit ist. In jedem Fall stand dies früher oder später zu erwarten, und das betrifft nicht nur die Verbindungen zwischen den Wahhabiten des Kaukasus und denen des Wolgagebiets, sondern auch solche mit den Wahhabiten in Zentrasien und anderswo.

– Sagen Sie bitte, hat die Regierung denn nach den Anschlägen in Tatarstan den Ernst der Lage begriffen, oder haben Sie den Eindruck, dass das Problem nach wie vor unterschätzt wird?

– Es entsteht der Eindruck, als hoffe man darauf, dass sich die Sache im Sande verläuft. Man möchte das natürlich nicht glauben, aber der momentane Eindruck geht in diese Richtung. Das hieße, die Regierung nimmt selbst so deutliche Signale nicht zur Kenntnis. Und das ist schon seltsam.

– Womit, denken Sie, hängt das zusammen? Mit bürokratischer Behäbigkeit oder mit Lobbyismus?

– Zweifellos gibt es einerseits Lobbyismus und das Eindringen von Islamisten in die Machtstrukturen und in die Reihen der Sicherheitskräfte. In den vergangenen anderthalb Jahren gab leider es genügend Informationen, dass es sich eben so verhält. Das betrifft sowohl die Ebene der Föderation als auch vielerorts die Regionalebene. Man muss also leider konstatieren, dass es in den Machtstrukturen eine Menge an Leuten gibt, die den Islamisten aus irgendeinem Grund sympathisieren oder die tun, was diese von ihnen wollen.
Mittlerweile hat man den Eindruck von einer direkten Konfrontation zwischen den Islamisten und ihren Gegnern im weitesten Sinn dieses Wortes. Das sind nicht nur Gegner im religiösen Bereich, sondern Menschen, die den Islamismus aus ganz verschiedenen Gründen ablehnen. Aber der gemeinsamen Bemühungen ist es immer noch nicht genug. Ein wenig wundert und schreckt mich diese Situation. Es ist seltsam, dass Menschen, die direkt betroffen sind, die Gefahr einfach nicht erkennen. Von daher die ungünstige Prognose. Diese Jungs aber fürchten sich vor nichts und sind aktiv. Es scheint, als sei diese Seite auf dem Vormarsch und geht zu regulären Aktionen über, so wie zum Beispiel in Tatarstan, wir aber suchen immer noch Antworten auf irgendwelche Fragen. Das heisst, wir rennen der Realität hinterher, was nicht zuletzt angesichts ihres Aktionismus sehr unangenehm ist.

Ägypten: Einen Anfang kennt die Revolution… (ein Ende kennt sie nicht)

Anmerkung: Die Überschrift ist der Refrain eines alten russischen Revolutionslieds.
Wir setzen unsere traditionelle Betrachtung der Länder fort, in denen die “arabische Revolution” gesiegt hat. Diesmal wenden wir uns nach Ägypten. Zur Erinnerung, nach dem Sturz von Hosni Mubarak sind hier die Moslembrüder und Präsident Mohammed Mursi an die Macht gelangt und haben dadurch kolossale Möglichkeiten in die Hand bekommen. Genau dafür haben die Ägypter sich im vergangenen Jahr gegenseitig die Köpfe eingeschlagen, sich Schlachten mit der Polizei geliefert und Schaufenster eingeworfen. Was aber nun?
Ende der Woche kam es in Kairo wieder zu Unruhen. Eine Menge von mit den neuen Machthabern unzufriedenen Menschen hat versucht, zum Präsidentenpalast zu gelangen; sie wurden vom Militär daran gehindert. Kurz zuvor kam es auf dem sattsam bekannten Tahrir-Platz zu regelrechten Zusammenstößen zwischen Sympathisanten und Gegnern des neuen Präsidenten. Das Militär war gezwungen, sämtliche Zugänge zum Innen- und Verteidigungsministerium zu blockieren. Ähnliche Szenen haben sich in Alexandria abgespielt.
Womit sind die Ägypter heute unzufrieden? Vielleicht mit der mißlichen Lage der Wirtschaft. Der “Arabische Frühling” hat diese Probleme nicht nur nicht gelöst, sondern wesentlich vertieft. Keine Hilfe waren auch die fast 6 Milliarden US-Dollar, die Ägypten nach der Revolution als Kredite aufgenommen hat. Die Regierung bittet den IWF nun um weitere 5 Milliarden Dollar, dabei ist das noch lange kein Griechenland. Ungefähr 3 Millionen Menchen leben in Ägypten am Existenzminimum. Das betrifft die Bewohner des nördlichen Nilgebiets, welche früher vorwiegend von staatlicher Unterstützung gelebt haben. Es ergab sich, dass die neuen Machthaber nicht in der Lage sind, das frühere Sozialhilfeniveau aufrecht zu erhalten. Daher gibt es Grund zur Annahme, dass der “Arabische Frühling” in Ägypten noch lange nicht abgeschlossen ist.

Bild der Woche

Auch diesmal haben wir eine Videoaufnahme aus Syrien in die Hände bekommen. Die Sache ist ernst und wir sind nicht zum Scherzen aufgelegt. Diese Bilder wurden uns von Aufklärungsdiensten zugespielt, sie zeugen davon, dass jetzt eine der gefährlichsten Mudschaheddin-Brigaden in den Kampf gegen Assad einsteigt – die “Al-Humurun”.
Ihre Mitglieder besitzen viel Erfahrung von Baustellen in Moskau und Sankt-Petersburg, aus diesem Grunde verbergen sie ihre Gesichter. Wie Sie sehen, sind diese kompromisslosen Regimegegner mit neuesten Schusswaffen ausgestattet: Auberginengranaten, Paprikawerfern und tragbaren Luftabwehrzucchini.
Nach allem, was wir wissen, handelt es sich hierbei um genau jene nicht-lethalen Waffen, die den Rebellen aus Holland geliefert werden.
Zumindest brauchen wir uns hier keine Sorgen darüber zu machen, dass die Freiheitskämpfer die Aubergine falsch herum ins Rohr schieben oder durch Paprika-Querschläger zu Schaden kommen.

Umgestaltung der Welt, Folge 40

Es folgt der politische Rückblick auf die vergangene Woche, den die russische „Aktivisten“-Gruppe „Mirowoj Peredel“ erstellt hat. Wie immer kurzweilige Minuten, dankenswerterweise mit deutscher Tonspur versehen von Halfdralf / Gegengift. Themen sind diesmal Syrien, Iran / Russland und China / USA und damit nicht nur der Nahe Osten. Als besondere Zugabe gibt es die Rubrik „Bild der Woche“, welche sich mit aktuellen Propagandabildern aus den Medien befasst.

Video hinter dem Cut! Viel Freude beim Ansehen.

Syrien

Die syrischen Regierungstruppen setzen die Säuberungsaktionen in Aleppo fort. Die bewaffneten Rebellen ziehen sich ungeachtet der finanziellen und militärischen Hilfe aus dem Ausland zurück. In Homs haben die Rebellen die Wohngebäude um eine örtliches Elektrizitätswerk beschossen – es gab 16 Tote unter den Zivilisten. In Damaskus wurden wieder Journalisten angegriffen. Diesmal explodierte eine Bombe im Gebäude des syrischen Staatsfernsehens.
Vor dem Hintergrund dieser Ereignisse äußern auch die US-Geheimdienste, dass in Syrien unter dem Banner der Demokratie Banden von Al-Kaida operieren. Eine erstaunliche Beobachtungsgabe und schnelle Reaktion – nach eineinhalb Jahren wird das Offensichtliche konstatiert.
Aus irgendeinem Grund jedoch bringen die westlichen Geheimdienste die Angaben des britischen Fotojournalisten John Cantlie nicht zur Sprache. Dieser ist bei den syrischen Rebellen in Gefangenschaft gewesen und sagte nach seiner Befreiung offen und ehrlich, dass die Mehrzahl seiner Entführer in Syrien Ausländer waren. Viele von ihnen seien Briten gewesen, die mit einem Akzent der Einwohner Südlondons Englisch sprachen.
Es ist klar, dass niemand diese Dinge untersuchen wird. Stattdessen stellt Großbritannien den syrischen Rebellenkämpfern weitere fast 8 Millionen Dollar finanzielle Hilfe bereit. Eine klare Sache – die eigenen Leute gibt man nicht auf.
Nach bislang unbestätigten Angaben haben Großbritannien und Frankreich vor, eine vereinigte Flotte ihrer Kriegsmarine vor die Küste Syriens zu kommandieren. Flaggschiff der Flotte soll der französische Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ sein, das Schiff, welches unlängst gegen Libyen eingesetzt wurde. Vielleicht ist jedoch diese Information nur als moralische Unterstützung der Rebellen gedacht und hat keinen Bezug zu den Tatsachen.

Iran und Russland: Raketentausch

Derweil erreicht die Auseinandersetzung zwischen Moskau und Teheran über die Lieferung von S-300-Systemen einen Höhepunkt. Zur Erinnerung: Ende 2007 wurde ein Vertrag über die Lieferung von fünf Einheiten des Luftabwehrsystems S-300 PMU1 an den Iran unterzeichnet – Vertragsvolumen 800 Millionen US-Dollar. Ein allseits vorteilhaftes Geschäft – der Iran wird gegen Aggressionen wehrhafter, Russlands Rüstungsindustrie verdient dabei gut. Allerdings hat Präsident Medwedew 2010 im Zuge der Umsetzung der vierten UN-Resolution zu Sanktionen gegen den Iran den Vertrag aufkündigen lassen. Die Lieferung der S-300 an Iran wurde abgesagt.
Der Iran klagte vor dem Internationalen Schiedsgericht in Genf auf Schadensersatz. Der offiziellen Version nach beanspruchte Teheran 900 Millionen US-Dollar, also nur wenig mehr, als der Vertrag Umsatz gebracht hätte. Das Gericht hat Russland allerdings eine phantastische Rechnung über 4 Milliarden Dollar präsentiert: dabei seien moralische und sonstige Einbußen mit berücksichtigt worden, die der Iran zu tragen hatte.
Russland steht damit vor einer schweren Wahl: entweder die S-300 werden geliefert, die 4 Milliarden damit gespart, aber das Verhältnis zum Westen verschlechtert sich, oder es zahlt diese Summe und belastet damit das Verhältnis zum Iran nachhaltig. Russland positioniert sich fast als einziges Land de facto als Schutzmacht des Iran auf internationaler Ebene. Das hat natürlich triftige Gründe, die wir hier mehrfach beleuchtet haben – angefangen von wirtschaftlichen Interessen bis hin zur geopolitischen Bedeutung des Iran für Russlands Sicherheit.
Normalerweise sollte Russland daran interessiert sein, den Konflikt mit dem Iran im Einvernehmen und ohne großes Aufsehen beizulegen. Allerdings deuten die letzten Meldungen darauf hin, dass Moskau eine harte Linie verfolgt und versuchen will, den Iran im Austausch auf weitere Unterstützung zu einem Verzicht auf seine Forderungen zu bewegen.
Das, was hier vor sich geht, kann ein Fachmann am besten kommentieren. Mit uns verbunden ist der Politologe und Schriftsteller Lew Remowitsch Werschinin.

– Guten Tag, Lew Remowitsch! Sagen Sie bitte, wie bewerten Sie die Position des russischen Außenministeriums in dieser Sache, welche Möglichkeiten zur Beilegung dieser unangenehmen Auseinandersetzung gibt es?

– Guten Tag, Jewgeni! Offen gesagt tut mir das russische Außenministerium leid. Es muss jetzt den Ausweg aus einer Lage finden, die per se keinen richtigen, für Russland guten Ausgang haben kann. Das hat es letztlich Dmitri Medwedew zu verdanken, der unserem Land, dessen Präsident er damals war, solch ein „Ei gelegt“ hat.

Man ist dem Westen entgegengekommen, hat den Vertrag annulliert, den Vorschuss zurückerstattet, dabei handelte es sich nicht um Angriffs-, sondern um reine Verteidigungswaffen, also war das eigentlich unnötig. Trotzdem wurde das getan, und jetzt hat Russland genau drei Möglichkeiten:

Die erste wäre es, die Waffen doch noch zu liefern. Der Iran würde sich nur darüber freuen, er ließe alle Ansprüche fallen und letztlich ist es das, was er will. Doch die Sache ist ja nun die, dass der Vertrag nicht auf Eis gelegt, sondern annulliert wurde, der Vorschuss wurde rückerstattet. Wenn Russland also diese Variante wählt, muss ein neuer Vertrag her. Was bedeutet, dass sich Russland im künftigen, wohl unvermeidlichen Konflikt des Iran mit dem Westen eindeutig auf der Seite des Iran positioniert. Des Iran, dem in Bälde ein Bürgerkrieg nach syrischem Muster droht.

Die zweite Möglichkeit ist es zu sagen: „Okay, wir sind schuld, wir zahlen.“ Das hat auch keinen Sinn, denn hier weiß man nicht, für wessen Sünden man bezahlt. Die Schuld nicht einzugestehen hat keinen Sinn – dem Gerichtsurteil nach werden im Weigerungsfall russische Aktiva im Ausland eingefroren. Das Schlimmste aber ist, dass der Westen diese Mittel wohl kaum an Ahmadinedschad oder die Ayatollahs überweisen wird. Der Westen wird diese Mittel dem Regime zur Verfügung stellen, das er danach einsetzt. Hier verliert Russland auf ganzer Linie – es muss nicht nur zahlen, sondern weiß auch nicht, an wen überhaupt.

Die dritte Variante wäre es, Druck auf den Iran auszuüben und ihn dadurch zu schrecken, dass wir den Westen politisch unterstützen. Ja, die Großväterchen (Ayatollahs – Anm. d. Red.) werden sich schon nicht fürchten, denn sie hätten ja nichts zu verlieren. Was aber gewinnt Russland? Russland unterstützt erst faktisch den Westen, und dann wird es trotzdem, der Gerichtsentscheidung gemäß, einem nun schon feindlichen Regime zahlen müssen. Alle diese Varianten sind schlecht, die Lage hat real keine positive Lösung.

Chinas letzte Warnung

In dieser Woche kam es zu einem neuen diplomatischen Konflikt zwischen China und der USA. Anlass war die Ausrufung eines Dorfs auf den Spratly-Inseln im Südchinesischen Meer zu einer chinesischen Präfektur. Die Spratly-Inseln sind genaugenommen ungefähr hundert Steinhaufen mitten im Meer, auf die allerdings gleich 6 Staaten Anspruch erheben: das sind China, Vietnam, Taiwan, Malaysia, die Philippinen und Brunei. Die Bedeutung der Inselgruppe besteht darin, dass die Kontrolle darüber gleichbedeutend ist mit der Kontrolle über ein enormes Seeterritorium im Südchinesischen Meer mit reichen Fischgründen und Kohlenwasserstoffvorkommen, durch das dazu noch wichtige Handelsrouten aus dem Stillen in den Indischen Ozean verlaufen.
Es ist undenkbar, dass die USA sich in einen solchen Streit nicht einmischen; diese hatten bereits früher den Asiatisch-Pazifischen Raum zu ihrer strategischen Interessenssphäre erklärt und etablierten dort mit der Zeit eine merkliche militärische Präsenz.
Diese Woche ist China, das sich bislang nur mittels diplomatischer Noten verständigte, allerdings einen Schritt weiter gegangen. Auf einer der kleinen Inseln wurde eine Garnison stationiert, „Sansha-City“ wurde zur Verwaltungszentrale einer neuen Präfektur der Provinz Hainan ausgebaut. Dieses Vorgehen bezeichnet man als Annexion, und China war sich natürlich im Klaren darüber, welche Reaktion das hervorrufen wird.
Diese ließ nicht lange auf sich warten: Das US State Department beschuldigte China, es würde Störmanöver vornehmen, woraufhin China ohne zu zögern den Staaten riet, die Klappe zu halten. Das ist keine journalistische Übertreibung, sondern der Wortlaut:

Die Verlautbarung der US-amerikanischen Seite führt die Öffentlichkeit in die Irre und muss vollständig abgewiesen werden. Wir können den USA nur zurufen: haltet die Klappe!

So heißt es in der Renmin Ribao, der Parteizeitung der Kommunistischen Partei Chinas.

Eine gute Frage also – woher auf einmal dieser Mut? Normalerweise geht man davon aus, dass China in einem Maße vom Export in die USA abhängt, dass es keine offene Konfrontation wagen würde.
Womöglich liegt die Antwort in einer Nachricht, die nie im Gesichtsfeld der meisten Medien aufgetaucht ist. Ende der Woche hat das offizielle Parteiorgan der KPC, Renmin Ribao, einen Empfehlungskatalog chinesischer Wirtschaftsgrößen publiziert, der an die chinesische Regierung gerichtet war. Diese weisen Chinesen rieten unter anderem an, die Goldreserven des Landes zu versechsfachen – auf 6.000 Tonnen.
Wenn die chinesische Regierung auf diese Ratschläge hört, so werden bald hunderte Milliarden US-Dollar aus den chinesischen Währungsreserven die Welt überschwemmen. Einerseits wird das die Nachfrage nach Gold ins Unermessliche steigern, andererseits wäre dies ein empfindlicher Schlag gegen die Stabilität des US-Dollar. China würde so demonstrieren, dass es dem Dollar nicht vertraut, doch genau auf diesem Fundament ist die Macht der Vereinigten Staaten gegründet. Schwer vorstellbar, eine Finanzkatastrophe welchen Ausmaßes in einem solchen Fall eintreten würde. Allerdings kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass dieser Ratschlag der Weisen aus China einmal mehr nur eine Warnung darstellt. Solche Warnungen nehmen allerdings in letzter Zeit zu.

Bild der Woche

Zum Ende der Folge präsentieren wir eine neue Rubrik – das Bild der Woche. Darin betrachten wir interessantes Foto- und Videomaterial, die uns von unserer Community zugesandt werden. Heute möchten wir ein Foto von den Kampfhandlungen in Syrien vorstellen. Genauer gesagt handelt es sich um ein manipuliertes Bild, das vorgeben soll, von dort zu stammen. Darauf sieht man einen stolzen syrischen Rebellen, der wild zum Angriff übergeht. Bei der Betrachtung stellen sich allerdings eine Reihe von Fragen:

Fake-Rebell in Aleppo, Syrien
Helden in Gummilatschen

  • Warum hat dieser MG-Schütze keinen Munitionssatz bei sich?
  • Wie schafft er es, über Berge von Bauschutt zu rennen, ohne zu schauen, wo er hintritt, stattdessen den Blick auf die Kamera gewandt?
  • Welche Behändigkeit gestattete es ihm, über den Hocker zu springen und dabei nicht mit dem Lauf an der Hausecke hängen zu bleiben?
  • Wie gut kämpft es sich in chinesischen Gummischlappen?
Apropos Schlappen. Noch von den Bildern aus Libyen wissen wir, dass diese Schlappen das bevorzugte Beinkleid der Rebellen sind. Sie schützen die Füße bestens vor Verrenkungen und Splittern, gestatten es, unter Sperrfeuer eine wahnsinnige Geschwindigkeit zu entwickeln und geben dem Träger eine +10 auf Stamina und Kraft. Es ist an der Zeit, dass die Rebellen der ganzen Welt solche Schlappen zum Inbegriff des Kampfes um Unabhängigkeit und Demokratie erheben.
Wir wissen nicht, wohin dieser tapfere Krieger mit seinen Schlappen rennt. Eventuell raubt er wieder einen Kuhstall aus. Doch mithilfe eines trickreichen Programms, dass Manipulationen durch Photoshop sichtbar macht, ist es uns gelungen, das Ursprungsbild wiederherzustellen.

Wochenschau Nahost, Folge 39

Waliulla Jakupow und Ildus Faisow, Tatarstan, Russland
Waliulla Jakupow und Ildus Faisow, Opfer von Anschlägen

Die neue Folge des Wochenrückblicks der russischen VK-Gruppe „Umgestaltung der Welt“ beleuchtet zusammenfassend die Entwicklungen in Syrien, Aserbaidschan und Tatarstan (Russland). Das sind relativ kurzweilige achteinhalb Minuten Videoreportage, die Kollege Halfdralf dankenswerterweise mit einem deutschen Voice-Over versehen hat. Unter dem Video findet sich der Text der Reportage mit einigen weiterführenden Links.

Syrien

ab 00:43

Der Konflikt in Syrien nimmt an Dramatik zu. Nach wie vor nimmt Ankara eine der Führungsrollen in der Aggression gegen Syrien ein. Die Türkei hat als Reaktion auf das Erstarken der Kurdenbewegung erstmals seit Jahren Manöver nahe der syrischen Grenze durchgeführt. Diese Manöver laufen in den Provinzen Şanlıurfa und Mardin nur 2 Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt. Ziel ist die Vorbereitung von Operationen gegen Ortschaften auf syrischer Seite. Die Türkei hat ebenso, bestätigten Angaben zufolge, bisher 20 MANPADS an die in Syrien operierenden bewaffneten Kämpfer übergeben.
Jüngsten Angaben zufolge befindet sich in der türkischen Stadt Adana, die rund 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegt, das Kommandozentrum der in Syrien operierenden Militia. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Militärstützpunkt Incirlik, welcher US-amerikanische Streitkräfte und Aufklärungsdienste beherbergt.
Charakteristisch ist, dass dieser Tage ein Streit um ein Foto mit Barack Obama entbrannt ist. Darauf sieht man diesen bei einem Telefongespräch mit dem türkischen Premier Erdogan; er hält einen Baseballschläger in der Hand. Man interpretiert das als dezenten Hinweis darauf, wer in Wahrheit der Herr der Lage im Nahen Osten ist. Die türkische Opposition hat bereits ihren Protest geäußert und Erdogan aufgefordert, auf diese implizite Beleidigung des türkischen Volks zu reagieren.
Der US-amerikanische Präsident lässt sich überhaupt gern mit Baseballschlägern ablichten. Hier ist Barack Obama mit einem solchen Gerät, hier wieder, und hier hat seine Frau einen, und hier Barack Obama als Kind mit Baseballschläger. Würde Väterchen Freud noch leben, hätte er vielleicht etwas dazu zu sagen.

Das sind nur Übungen…

ab 02:17:
Von der direkten Verstrickung der USA in den syrischen Konflikt haben wir von den ersten Ausgaben an gesprochen, inzwischen hat diese Information ihre offizielle Bestätigung.
Es geht um eine geheime Anweisung Barack Obamas, welche es dem CIA gestattet, den Rebellenkämpfern auf syrischem Territorium Hilfe zu erweisen. Derweil sieht man in den USA vor, die finanzielle Unterstützung der Terroristen auszuweiten. Zusätzliche 15 Millionen Dollar sollen für die Gewährung nichtmilitärischer Hilfe freigestellt werden.
Diese nichtmilitärische Unterstützung der USA ist dieser Tage in den Persischen Golf eingelaufen. In Gestalt des Flugzeugträgers “Eisenhower” samt Begleitschiffen.
Von der anderen Seite sind die nichtmilitärischen Angriffsboote “Aleksandr Otrakowskij”, “Georgij Pobedonosez” und “Kondopoga” bereit, den Hafen von Tartus anzulaufen. An Bord jedes der Schiffe befinden sich rund 120 bewaffnete Marinesoldaten.
Auch China entbietet der Region nichtmilitärische Grüße. Wie bekannt wurde, hat das Verteidigungsministerium der VR China die Genehmigung erhalten, bis zu 12 Schiffe durch den Suezkanal Richtung Tartus zu manövrieren. Es sind gemeinsame Manöver mit den Flottenverbänden Russlands und des Iran vorgesehen. Offiziell wird das dementiert, allerdings ist das erste chinesische Kriegsschiff bereits an der israelischen Küste vorbei- und in syrische Hoheitsgewässer eingezogen und erregte damit einiges an Aufsehen. Allerdings ist die Sorge des Westens unbegründet, denn es handelt sich um gewöhnliche Antipiraterie-Manöver.

Groß-Aserbaidschan

ab 03:50:
Im Falle eines Militärschlags gegen den Iran wird dessen nächster Nachbar, Aserbaidschan, unweigerlich in den Konflikt hineingezogen. Aus diesem Grunde widmen wir unsere Aufmerksamkeit wieder dieser Republik.

Aserbaidschan. Demonstration an der iranischen Botschaft

Die Beziehung zwischen Aserbaidschan und Iran verschlechtern sich weiter. Das ist nicht verwunderlich, denn Alijew orientiert sich mehr und mehr am Westen. Die letzten Ereignisse geben Grund zur Annahme, dass im Falle eines Kriegs mit dem Iran Aserbaidschan die Seite der USA einnehmen wird und diesen allseitige Unterstützung leistet.
In der vergangenen Woche wandte sich der US-amerikanische Kongressabgeordnete Dana Rohrabacher mit dem Aufruf an Hillary Clinton, den Unabhängigkeitskampf der im Iran lebenden Aserbaidschaner zu unterstützen.
Zur Erinnerung: im Norden des Iran leben rund 18 Millionen Aserbaidschaner. Das abenteuerliche Projekt der Schaffung eines Groß-Aserbaidschan sieht die Vereinigung der iranischen Provinzen Aserbaidschan mit dem heutigen Aserbaidschan vor. Nicht verwunderlich, dass der Iran davon nicht begeistert ist. Keinen großen Enthusiasmus ob dieser Sache verspüren auch die Aserbaidschaner selbst, denn ihre südlichen Nachbarn leben bereits lange Zeit nach anderen Regeln und Sitten.
Allerdings gilt die Meinung der Bevölkerung wenig, wenn Politiker das Sagen haben. Der US-amerikanische Kongressabgeordnete tut damit nichts weiter, als einen Konflikt zu provozieren, wodurch sich die Beziehungen zwischen dem Iran und Aserbaidschan weiter verschlechtern sollen.

Russische “Rebellen”

ab 05:31:
Zurück zur Lage in Russland. Wenn man die Nachrichten von den Greueln der Islamisten in Syrien, Libyen, dem Irak und Afghanistan hört, scheinen diese Ereignisse weit entfernt und für uns irrelevant. Allerdings ist das ein Irrtum. In Russland bildet sich tatsächlich ein wahhabitischer Untergrund.
Die dreisten Anschläge auf religiöse Führungspersönlichkeiten in Tatarstan haben die Behörden veranlasst, dem Problem endlich Aufmerksamkeit zu schenken. Der Staatsrat, also das Parlament Tatarstans verschärfte die Beschränkungen im “Gesetz über die Meinungs- und Religionsfreiheit” der Republik. Es ist jetzt ausländischen Staatsbürgern untersagt, in Tatarstan Organisationen mit religiöser Ausrichtung zu gründen, außerdem werden Kandidaten für ein geistliches Amt, die im Ausland ausgebildet wurden, zusätzlichen Prüfungen unterzogen.
Gleichzeitig wurde in Tscheljabinsk eine Untergrundzelle der islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir ausgehoben. Solche Maßnahmen gehen sicher in die richtige Richtung, greifen aber allem Anschein nach verspätet.
Denn die tatarischen Wahhabiten scheuen die Öffentlichkeit und verhüllen ihre Gesichter nicht mehr. In Kasan gibt es Proteste gegen die Verhaftung von Verdächtigen im Mordfall des Mufti von Tatarstan. Fast unverhohlen werden Menschen von extremistischen Organisationen angeworben.
Die Islamisten, die erstmals massiv bei den regierungskritischen Protesten des vergangenen Herbstes und Winters aufgefallen sind, bereiten auch für den kommenden Herbst weitere Aktionen vor. Dabei geniesst deren “zivilisierter Flügel”, die Hizb ut-Tahrir, Unterstützung von Seiten der russischen Menschenrechtler, was sie in den Augen des Westens zu willkommenen Oppositionellen qualifiziert.
Zur Erinnerung: der Terrorist Doku Umarow hat bei den Protesten die russische Opposition unterstützt und geäußert, ihnen durch Anschläge gegen russische Sicherheitskräfte und Militäreinrichtungen zur Hilfe kommen zu wollen.
Um die Situation einschätzen zu können, wenden wir uns an einen Experten und bitten ihn um einen Kommentar.
Raïs Sulejmanow, Leiter des Zentrums für regionale und ethnoreligiöse Forschung des RISF in Kasan
Mit uns verbunden ist der Leiter des Zentrums für regionale und ethnoreligiöse Forschung des Russischen Instituts für strategische Forschung in Kasan, Raïs Rawkatowitsch Sulejmanow.

– Raïs, guten Tag!

– Guten Morgen, Jewgenij!

– Sagen Sie bitte, was ist Ihrer Meinung nach die Ursache für die neuerliche demonstrative Aktivität von Extremisten in Tatarstan und wie wird sich die Situation weiter entwickeln?

– Meiner Ansicht nach wird sich die Lage analog zum Szenario im Nordkaukasus entwickeln. Es hat den Anschein, als gebe es in Tatarstan das Projekt eines Transfers nordkaukasischer Zustände in diese Region. Der Grund dafür, was jetzt passiert, ist eine Zunahme des islamischen Fundamentalismus, der revanchistische Züge annimmt. Dazu wurde ein Anschlag gegen ein ideologisches Zentrum geführt – der Mord an Waliulla Jakupow, einem bekannten tatarischen islamischen Theologen und einem Befürworter des traditionellen Islam und entschiedenen Gegners des radikalen Islamismus; gleichzeitig traf ein Anschlag das institutionelle Zentrum des traditionellen Islam in Person des Mufti von Tatarstan, Ildus Faisow – bekanntermaßen ein Gegner des islamischen Fundamentalismus. So üben die islamischen Fundamentalisten Vergeltung und nutzen dafür alle erdenklichen Mittel: Protest auf der Straße, Demonstrationen, Kundgebungen, aber auch bewaffneten Untergrundkampf. Das Auftreten von Untergrund-Militia ist für all das ein deutlicher Beweis.

Wochenschau Nahost

Feuer auf dem Pamir: Unruhen in TadschikistanEs gibt ein interessantes russisches Projekt, das in wöchentlichem Rhythmus Nachrichten aus Nahost und Zentralasien in einer Art Zusammenfassung herausgibt. Diese Nachrichten werden auf eine gewisse zugängliche Art aufbereitet und liefern interessante Hintergründe und Analysen, und das auf allgemeinverständlichem Niveau. Das Projekt nennt sich „Umgestaltung der Welt“ (russ. „Mirowoj peredel“, englische Übersetzungen haben „Redivision of the world“) und meint damit die Prozesse, die dokumentiert werden.
Hier soll auf experimenteller Basis einmal das von Kollege Halfdralf erstellte deutsche Voice-Over der aktuellen, erst gestern erschienenen Folge gebracht werden, darunter der Text zum Nachlesen, der zu diesem Behufe auch mit einigen weiterführenden Links versehen wurde.

ab 00:43:
Die syrische Regierung führt Säuberungsaktionen in Aleppo durch. Diese nahe der türkischen Grenze gelegene Stadt sollte eine Hochburg der Opposition werden, ähnlich wie Benghasi in Libyen. Allerdings verläuft die Operation der syrischen Armee gegen die dort eingenisteten Rebellen recht erfolgreich, was offenbar im Westen deutlichen Unmut hervorruft.

Von der aussichtslosen Lage der Rebellen zeugt auch die vor kurzem verbreitete Erklärung der Freien Syrischen Armee, die zu einem Guerillakampf übergehen will. Das bedeutet, dass sie keine Kraft und Möglichkeiten mehr zu einer offenen militärischen Konfrontation mit der syrischen Regierung hat.

Das heißt natürlich nicht, dass in Syrien bald Frieden herrscht. Im Gegenteil, je schlechter die Lage der Rebellenbanden, desto merklicher wird der Druck aus dem Ausland. In dieser Woche ist im syrischen Konflikt erstmals der „kurdische Faktor“ zum Tragen gekommen.

Der „kurdische Faktor“

ab 01:38:
Kurdistan ist eine Region, die auf die Gebiete des Iran, Irak, der Türkei und Syrien fällt. Nach einigen Angaben gibt es ungefähr 60 Millionen Kurden. Seit 1840 führen die Kurden einen erbitterten Kampf um die Schaffung eines eigenen, unabhängigen Staates. Der bislang größte Erfolg ihres Unabhängigkeitskampfes war die Schaffung einer Autonomie – faktisch einer Unabhängigkeit – im Norden des Irak nach dem Sturz Saddam Husseins. Allerdings sieht das Projekt „Groß-Kurdistan“ die Angliederung der kurdischen Gebiete im Iran, der Türkei und Syrien vor. Gerade mit den Türken haben die Kurden ein äußerst schwieriges Verhältnis. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte führt die Kurdische Arbeiterpartei PKK einen bewaffneten Unabhängigkeitskampf mit der Türkei. Diesem Kampf sind bislang einigen Angaben zufolge insgesamt rund 35.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Es ist nur logisch, dass in dem sich entfesselnden Krieg im Nahen Osten der kurdische Faktor über kurz oder lang zum Tragen kommen musste. Die auf syrischem Territorium lebenden Kurden sympathisieren nicht allzu sehr mit der Regierung, lassen sich aber auch nicht von den Rebellen zu deren Zwecken gebrauchen. Dies hat sich Baschar al-Assad zunutze gemacht, die syrischen Truppen aus den Städten im Nordosten des Landes abziehen lassen und die Kontrolle dort an kurdische Milizen übergeben. Auf diese Weise haben die Kurden größere Landstriche im Grenzgebiet zur Türkei unter ihre Kontrolle bekommen und einen kurdischen nationalen Madschlis, also ein Parlament, zur Verwaltung ihrer Autonomie geschaffen.

Es fragt sich, wozu Assad diesen Schritt unternommen hat, denn es würde ja sicher sehr schwierig werden, den Kurden die einmal zugestandenen Privilegien wieder abzuerkennen. Jedoch haben die Türken, die wesentlich an der Aggression gegen Syrien beteiligt sind, auf diese Weise ein enormes Problem vor ihrer Haustür bekommen. Das Autonomiezugeständnis gegenüber den syrischen Kurden hat sofort Reaktionen der türkischen Kurden nach sich gezogen, die analoge Privilegien für sich einforderten; die Türken waren gezwungen, die Grenzen nach Syrien zu schließen und traten mit heftigen Attacken gegen die syrische Regierung auf. Das bedeutet, dass Assad ihren wunden Punkt genau getroffen hat.

Allerdings gibt es bei dieser Geschichte auch eine Kehrseite. Der türkische Premier Erdogan hat erklärt, dass sein Land sich das Recht vorbehält, kurdische Kämpfer auch auf syrischem Territorium zu verfolgen, sofern diese in den dortigen kurdischen Gebieten Zuflucht suchen. Als Reaktion darauf bezeichnete der Vorsitzende des Exekutivrats der Gemeinschaften Kurdistans, Marat Karayilan, einen solchen Schritt der Türkei als „wahnsinnig“ und drohte, dass in einem solchen Fall alle Kraft des kurdischen Volkes gegen die Türkei geworfen würde.

Mit anderen Worten, im Konflikt in Syrien ist der „kurdische Faktor“ inzwischen massiv ins Spiel gebracht worden und kann damit durchaus den Verlauf der Situation wesentlich beeinflussen.

Feuer auf dem Pamir

ab 04:34:
Eine komplizierte Lage herrscht in Tadschikistan. Wir hatten bereits von einer Konzentration bewaffneter Kämpfer an der afghanisch-tadschikischen Grenze berichtet.

In der schwer zugänglichen Bardudsch-Schlucht in den afghanischen Distrikten Baharak und Zebak (Provinz Badachschan) haben sich um die 150 bis 200 bewaffnete Kämpfer konzentriert. Sie bestehen aus Taliban, dem Dschamaat Ansarullah und der Islamischen Bewegung Usbekistans – eine Gruppe aus ethnischen Afghanen, Tadschiken, Usbeken und Tschetschenen.

Feuer auf dem Pamir: Unruhen in TadschikistanDiese Gruppierung kam über die Pässe Tupchon und Schochi Salem aus Pakistan und sammelt sich zum Eindringen in die zentralasiatischen Republiken über die Distrikte Eshkashem, Shegnan und Darvaz. Sicherlich nur dazu, um dem Genossen Rachmonow die Ehre zu erweisen.

Am vergangenen Dienstag begann in Tadschikistan eine Militäroffensive gegen bewaffnete Kämpfer im Autonomen Gebiet Berg-Badachschan. Es waren rund 3.000 Militärangehörige und Sondereinsatzkommandos mit Panzerfahrzeugen und Luftwaffe daran beteiligt. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Videoreportage, also 4 Tage nach Beginn der Operation, haben die bewaffneten Kämpfer ihre Waffen noch nicht niedergelegt.

Nach offiziellen Angaben sind im Zuge der Auseinandersetzungen bisher 12 Armeeangehörige der Regierungskräfte umgekommen, Dutzende verletzt worden. Von Seiten der bewaffneten Militia gibt es 30 Tote, 40 wurden gefangengenommen, von denen 8 Afghanen von der Taliban-Bewegung sind.

Derzeit hat Tadschikistan die Grenze nach Afghanistan geschlossen, Afghanistan hat seinerseits die Militärpräsenz an dieser Grenze erhöht. Inoffizielle Quellen sprechen von mehreren Hundert Toten, unter denen viele Zivilisten seien.

Formaler Anlass für die Militäroperation war der Mord an Abdullo Nasarow, einem General der tadschikischen Sicherheitskräfte. Der Mord passierte in Chorog, der Hauptstadt des autonomen Gebiets Berg-Badachschan.

Diese Großoffensive soll es der Regierung offensichtlich gestatten, die ihrer Kontrolle entgleitenden Regionen von „unerwünschten Elementen“ zu bereinigen. Ziel ist es, die NATO-Nachschublinien zu sichern, die über die Gebirgspässe führen. Diese Region stellt ein ideales Rückzugsgebiet für die Taliban dar, von wo aus sie Anschläge auch in Tadschikistan unternehmen und die Lage so destabilisieren. Die harte Reaktion des tadschikischen Präsidenten Rachmon ist deshalb verständlich, allerdings wäre es verfrüht, über Erfolg oder Misserfolg zu urteilen. Wenn die Angaben über Opfer unter der Zivilbevölkerung bestätigt werden, kann dies zum Ausgangspunkt weiterer Auseinandersetzungen mit schwerwiegenden Folgen werden.

Wahhabiten in Tatarstan

ab 07:04:
Wir müssen erneut zu dem Zwischenfall mit den Anschlägen auf religiöse Führungspersönlichkeiten in Tatarstan zurückkehren. Es ist immer noch unklar, was die Motive für diese Anschläge sind – wirtschaftliche oder religiöse Konflikte.

Am Tag der Anschläge wurde im Internet eine Videoaufnahme verbreitet, wo ein gewisser „Emir der Mudschaheddin Tatarstans“ von seinem Treueschwur gegenüber Doku Umarov spricht. Das wäre eine Bestätigung für die verdeckte Präsenz eines wahhabitischen Untergrunds in Tatarstan und damit für die These von einer religiösen Konnotation der Anschläge.

Einzig Unvermummter in einer Gruppe offenbar islamistischer Militia ab 07:35:

Assallam Aleikum, Brüder und Schwestern. Mein Name ist Muhammed, ich bin der militärische Emir Tatarstans. Ich möchte eine Erklärung abgeben. Wir, die Mudschaheddin Tatarstans, haben im Jahr 2000 Doku Abu Usman die Treue geschworen. Jetzt schreiben wir das Jahr 2012, und wir wollen unseren Schwur erneuern. Wir, die Mudschaheddin Tatarstans, schwören Doku Abu Usman die Treue, schwören, allen seinen Befehlen zu gehorchen, was den Koran und die Sunna angeht. Assallam Aleikum, Brüder und Schwestern!


Was die letzten beiden Sujets angeht, so braucht man erst einmal nichts zu ergänzen, aber zu Syrien eine Anmerkung.
Tatsächlich hat die fast schon geniale politische Lösung des „kurdischen“ Rebus durch Assad die Positionen der Türkei um ein Vielfaches verschlechtert und ihr eine Vielzahl von Problemen beschert.
Auf diese Weise wird aus den früher geäußerten Vermutungen, der Westen sei bereit, den freiwilligen Machtverzicht Assads gegen Garantien über dessen persönliche Unversehrtheit einzutauschen, fast schon ein Fakt. Jedenfalls ist die durchgesickerte Nachricht, die „zivilisierte Welt“ sei bereit, Manaf Tlass als Führer einer Übergangsregierung anzuerkennen, eine Bestätigung dafür.
Es ist durchaus möglich, dass die Demokratisatoren unter Berücksichtigung dessen, welches Chaos aus der gegebenen Situation entstehen kann, bereit sind, eine Diktatur jeder erdenklichen Härte in Syrien zu akzeptieren, Hauptsache, diese verzichte künftig auf die guten Beziehungen zum Iran. Aber dazu müsste Assad, der sich derzeit auf einer Erfolgswelle befindet, eben freiwillig gehen. Und zwar bald, denn sonst gehen die ganzen schönen Pläne vor die Hunde. Mal sehen, was Baschar macht.